Veränderungen im Außen – Veränderungen im Innen

Jeder von uns geht seinen eigenen Weg durchs Leben. Wir treffen dabei stets Entscheidungen, welche diesen Weg bestimmen, verändern und welche uns an Weggabelungen und Kreuzungen eine bestimmte Richtung einschlagen lassen. Manchmal sind diese Richtungswechsel für uns subjektiv gut, manchmal scheinen sie kaum eine Wirkung zu haben und manche empfinden wir als schlecht. Wenn uns bewusst wird, dass wir in unserem Leben auf einem Weg sind, der uns nicht gut tut, der uns körperlich, seelisch oder geistig schmerzt oder gar zerstört, dann dürfen wir uns glücklich schätzen, denn wir haben die Möglichkeit für uns erkannt, diesen Pfad zu verlassen. Es gibt Momente, in denen wir den Weg einfach verlassen und über freien, angenehmen Boden auf einen anderen Pfad wechseln können. Es gibt aber auch Wegwechsel, die für uns nicht einfach sind. Wir müssen dann einen Weg verlassen und ins Unterholz, über schlammigen Grund oder durch hohes Gras laufen und niemand kann uns genau sagen, was dort auf uns wartet. Manch einer muss den Weg auch durch undurchsichtiges, enges Dickicht und Gestrüpp hindurch verlassen.

Es fällt uns also nicht immer leicht, zu erkennen, wie wir den Pfad wechseln können. Dies manifestiert sich in der uns allen bekannten Angst vor Veränderung. Doch jeder von uns hat die Fähigkeit zu erkennen, wenn es an der Zeit ist. Es stellt sich nur die Frage, ob wir uns trauen, die Entscheidung zur Veränderung zu treffen.

Veränderungen können wir auf zwei verschiedene Arten vornehmen. Ich habe schon oftmals davon geschrieben, dass wir in Situationen einfach die Umstände verändern können, damit es uns besser geht. Wir können den Job wechseln, wenn uns die Arbeit nicht gut tut oder wir können den Wohnort wechseln, wenn wir uns in der Umgebung nicht wohl fühlen. Dies können hilfreiche Schritte sein, wenn wir von einem Pfad auf den anderen wechseln mögen. Doch es gibt auch hin und wieder Entscheidungen, die wir treffen müssen, in denen uns die bloße Veränderung äußerer Umstände nicht helfen wird.

Wie können wir die Dinge loslassen, die uns tief in der Seele Schmerzen bereiten? Reicht es da wirklich, wenn wir einfach aus einer Situation heraus gehen? Werden wir dann nicht schnell wieder in eine vergleichbare Situation gebracht? Es ist ein erster Schritt, wenn wir uns mit unserem Außen beschäftigen, doch reicht das wirklich? Langfristig kann Veränderung nur im Inneren stattfinden, auch wenn wir versuchen, sie im Außen vorzunehmen.

Wir können uns das Außen jederzeit zu nutzen machen und dadurch vieles erkennen, uns selber besser verstehen und das Menschsein an sich erfahren. Aber reicht es aus, den Wohnort zu wechseln, weil wir uns an der Stelle, an der wir stehen, nicht wohl fühlen? Es ist der erste Schritt zur Erkenntnis, aber wir sollten hier nicht aufhören, sondern nach dem physischen Ortswechsel tief in unserem Inneren schauen, was dort einen „Ortswechsel“ benötigt.

Wenn wir einen Job kündigen, weil unser Chef uns zu viel Arbeit aufhalst, während andere Kollegen unseres Empfindens nach viel weniger Arbeit auf den Tisch bekommen, dann können wir den Job wechseln. Wenn wir aber nicht auch in unserem Inneren schauen, verstehen und verändern, wofür diese „viele Arbeit“ steht, dann werden wir an anderer Stelle erneut einen Menschen treffen, der uns „viel Arbeit“ aufhalst.
Wenn ein Drogensüchtiger sich aus seinem sozialen Umfeld löst, weil dort zu viele andere Menschen um ihn herum sind, die für seinen Rauschmittelkonsum stehen, dann hat er damit einen ersten Schritt getan, sollte jedoch auch schauen, woher diese Sucht rührt. Wovor flüchtet er? Was mag er nicht ins Bewusstsein dringen lassen? Schaut er sich dies nicht an, wird er sich stets wieder in Situationen und von Menschen umgeben finden, die den Konsum von Suchtmitteln unterstützen.

Das Außen zu verändern kann nie der einzige oder der letzte Schritt zur Befreiung sein. Wir sollten stets schauen, wo in uns der Ort ist, den wir im Außen bereits bereit sind zu ändern, damit wir ihn in uns auch verändern können. Unsere Realität generiert sich stets aus dem, was wir in sie hinein geben. Daher werden wir immer das bekommen, was unser Inneres ins Außen gibt. Aber unser Inneres kann nicht aus dem entstehen, was wir als Außen wahrnehmen.
Es ist jedoch keine Einbahnstraße, das gilt es hier, nicht falsch zu verstehen. Der Austausch findet stets in beiden Richtungen statt, aber der Effekt ist nicht gleich. Das Außen zeigt uns, was unser Inneres ist, braucht und empfindet. Das Außen darf als unser Ansporn und die Motivation gesehen werden, unser Inneres zu verändern, damit sich das Außen auch verändern kann.
Das Außen verändert sich jederzeit, egal ob wir unser Inneres verändern oder nicht. Wenn es nicht manifestiert, was wir aus unserer Veränderung im Inneren heraus kreieren, dann zeigt es uns unsere innere Unausgeglichenheit auf unterschiedlichste Weise, bis wir endlich begreifen und zulassen, was in unserem Inneren nach Veränderung verlangt.

Je mehr unser wahres Selbst mit unserem manifestierten Ich in Balance ist, umso stärker empfinden wir unser Außen als angenehm und wohltuend.

Wollen wir also Veränderung schaffen, die uns Glück und Zufriedenheit bringt, können wir mit einer Veränderung der äußeren Umstände beginnen, sollten aber dabei immer im Auge behalten, dass dies nur ein Zeichen für das Bedürfnis nach Veränderung in unserem Inneres ist.
Unser wahres Selbst kennt den Weg, immer, auch wenn wir ihn mal verlassen oder aus den Augen verloren haben und unsere Realität zeigt uns, wie wir auf den Weg zurück finden.

Blindheit im Erkennen

Der Weg des Erkennens ist immer wieder auch durch Phasen mit Blindheit gekennzeichnet. Wenn wir einmal für uns selbst die Erfahrung gemacht haben, Dinge in uns zu sehen, dann steigt oftmals auch das Bedürfnis, diese Erkenntnis mit anderen zu teilen. Wir wissen natürlich, dass es keinerlei Sinn macht, andere Menschen zu missionieren. Vielmehr können wir besser unsere Erfahrungen teilen und den Menschen an unserer Seite einfach aufzeigen, was wir in diesem Erleben empfunden und erkannt haben.

Doch immer wieder kommt es auch dazu, dass wir dies auch vergessen und einfach zu einem permanent ähnlichen Spiegel für den anderen werden. Für den anderen Menschen ist es nicht unbedingt zuträglich, wenn er durch uns immer nur denselben Aspekt gespielt bekommt. Vor allem, wenn dieser Mensch längst begriffen hat, was dieses Spiegelbild für ihn bedeutet. In dem Glauben, uns – und andere – erkannt zu haben, kann es so leicht geschehen, dass wir unsere Umgebung mit einem Bild geradezu überfluten. Dabei vergessen wir aber vielleicht andere wichtige Komponenten, die ebenfalls in diese Art des Austauschs integriert werden könnten.

Manchmal sollten wir vielleicht einfach nur zuhören und dem anderen schlicht den Raum geben, sich auszudrücken und seine innersten Empfindungen zu formulieren. Es ist nicht immer nötig, das dann durch unsere Brille gefiltert zu kommentieren.
Vielleicht geht es manchmal auch einfach viel mehr um einen praktischen Rat, den der andere viel mehr benötigt, als von uns darauf gestoßen zu werden, was sein Inneres eigentlich gerade ausdrückt.
Manchmal fehlen uns aber auch die Sensibilität und das Einfühlungsvermögen, weil wir auf Grund unserer Erfahrungen des Erkennens eine gewisse Selbstgefälligkeit und Leichtigkeit nach außen tragen. Ja, sicherlich dürfen wir die Leichtigkeit in unserem Sein stets in uns tragen, aber wir sollten dabei unsere Sensibilität nicht verlieren. Verständnis und Trost sind manchmal ebenso gut oder gar besser, als die Lehre unserer Erfahrung zu rezitieren.

Unser Gegenüber wird so oder so die Erfahrungen machen, die es machen soll. Für uns kann in einem solchen Moment die Chance liegen zu erkennen, Zurückhaltung und Geduld zu üben. Vor allem werden wir werden immer dann zu einem sich wiederholenden Spiegel, wenn sich in uns beinahe unmerklich Erwartungshaltungen manifestieren, die wir an den anderen Stellen.

Natürlich, wir stehen stets im Dialog mit unserer Umwelt und dieser bedingt sich gegenseitig. Wir reagieren und geben Anlass, dass unser Gegenüber auf uns reagiert und umgekehrt. Allerdings müssen wir vorsichtig sein: Aus dem Dialog kann unbemerkt ein Monolog werden und der nimmt uns am Ende die Leichtigkeit im Umgang mit all den wundervollen Seelen, die uns im Leben begegnen.

Auch wir dürfen manchmal wieder auf „Null“ schalten und uns fragen, ob wir dem anderen genug Aufmerksamkeit geschenkt haben, um ihn so wahrzunehmen, wie er ist oder aber ob wir vielmehr auf uns selbst fokussiert gewesen sind und dabei an einem überalterten Bildnis des anderen hängen geblieben sind, welches wir uns und ihm immer wieder vorzeigen.

Wieviel können wir zulassen

Ich habe oft über Liebe geschrieben und darüber, dass ich in allem und jedem Liebe sehe. In allen Menschen und in allen Taten ist sie versteckt. Ich werde häufig gefragt, wie es denn aber funktionieren soll, diese Haltung gegenüber den Menschen auch im wahren Leben aufrecht zu erhalten. Viel zu oft tun uns Dinge, die anderen Menschen tun einfach weh, weil sie einen Schmerz aus unserem Inneren hervorholen, Manchmal passt das Verhalten anderer Menschen einfach nicht in unser ethisches und vertretbare Bild davon, wie wir miteinander umgehen sollten.

Einer findet es nicht schlimm, auf der Straße von einem unaufmerksamen Mitmenschen angerempelt zu werden, ein anderer findet es ganz furchtbar. Wir haben alle unsere eigene Perspektive auf eben diese Dinge und damit gibt es nun einmal ebenso viele Wahrheiten und Realitäten, wie es Menschen gibt.

Dennoch müssen wir nicht alles einfach so hinnehmen. Wir tragen die eigene Verantwortung darüber, was wir uns gefallen lassen wollen und was nicht. Wir haben die Möglichkeit, Grenzen aufzuzeigen und anderen zu verstehen zu geben, dass sie zu weit gegangen sind. Natürlich entstehen daraus schnell Konflikte oder Streitigkeiten, aber eben dort kommt die Bewusstheit über die Liebe in allen Dingen ins Spiel.

Wenn ich mir in diesen Momenten des Sturms vor Augen führe, dass jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt, kann ich weiterhin die Liebe in allem sehen und werde sanftmütiger, urteilsfreier und ausgeglichener im Umgang mit Konflikten und Streitigkeiten. Und eben diese Ruhe benötige ich, um dem oder den anderen Menschen zu verstehen zu geben, was die Situation mit mir gemacht hat und welche Schmerzen sie bei mir beispielsweise hervorgerufen hat. Und ich kann mir selber helfen, meine eigenen Grenzen zu erkennen, zu beurteilen, ob eine Freundschaft für mich noch die Wertigkeit hat, die sie einst hatte oder gar ob ich eine Partnerschaft noch weiter so führen möchte, wie sie sich entwickelt hat.

Das Wundervolle an einer solchen achtsamen Betrachtungsweise ist, dass wir alle Menschen sanft und ohne Groll gehen lassen können. Wir schenken ihnen vielleicht sogar ein inneres Lächeln, wenn wir ihnen klar machen, dass der gemeinsame Weg endet oder zumindest vorübergehend jeder seine eigene Abzweigung nehmen muss.

Es fällt uns natürlich nicht leicht, dies immer in unserem Herzen zu tragen, denn wir wollen einen Verlust einfach nicht erleiden und sind sogar oftmals gewillt, über einen sehr langen Zeitraum hinweg Kompromisse zuzulassen, die uns vielleicht gar nicht richtig zusagen. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Wir merken, dass ein kleiner Zweifel von uns viel zu sehr ausgebauscht wurde, wir ihm viel zu viel Bedeutung gegeben haben und können von ihm Abstand gewinnen.

Wenn wir die Liebe, die in allem verborgen ist so oft wie möglich im Herzen tragen und dort spüren, haben wir ein großes Stück Glückseligkeit im Leben gefunden.

Liebe in allem

Heute ist einer von den Tagen, an denen ich mich sehr glücklich und leicht empfinde, denn ich kann die Liebe überall sehen. Wir sollten uns stets versuchen, darin zu üben und danach zu streben, dass wir Liebe in allem sehen, denn alles besteht aus reiner Liebe. Im Universum gibt es nichts anderes, als Liebe. Ich bin nicht der Erste, der darüber schreibt, denn Neale Donald Walsh, Eckhard Tolle und andere haben bereits in ihren Werken und Arbeiten auf sehr plausible, wenngleich auch teilweise verstörende Art, genau das umschrieben. Aber heute ist für mich der Moment gekommen, mein Empfinden darüber nieder zu schreiben und zu teilen.

Es sind kleine Momente der Erkenntnis, die uns dazu verhelfen, Dinge klar zu sehen und als das zu erkennen, was sie wirklich sind. Das Universum hat sich da zunächst als ein wunderbares System kreiert, das perfekt funktioniert. Wie die Planeten um die Sonnen kreisen, so bewegen sich auch Sonnensysteme in Perfektion im Universum. Das Leben an sich ist verkörperte Liebe, weshalb wir den Akt, der Leben hervorbringt auch stets mit dem, was wir als das Gefühl der Liebe kennen, in unmittelbare Verbindung bringen. Aber auch der Tod ist Liebe. Tod bringt Leben hervor, Leben kann nicht sein ohne Tod. Wir gewinnen Nahrung aus sterbenden Lebewesen, seien es nun Pflanzen oder Tiere, doch das Ende eines Lebewesen ist essentiell für das Überleben eines anderen und in der darin liegenden Anmut ist nichts anderes verborgen, als Liebe. Liebe die sich für uns manchmal ein wenig versteckt und kälter anfühlt, als das, was wir selber als Liebe empfinden – aber es ist und bleibt Liebe. Im der wundervollen Dokumentation „Unsere Erde“ gibt es eine Szene, in welcher eine Raubkatze eine Antilope jagt und reißt. Dieser eine Momente, in welchem das gejagte Tier ins Straucheln kommt und stürzt und von der Raubkatze getötet wird, zeigt auf eine ganz besondere Art, was ich meine. Ja, der Akt des Tötens mutet brutal und sehr hart an und wir verbinden dies zunächst nicht mit dem, was Liebe für uns ist. Doch in dem Moment, in dem das Beutetier gewahr wird, was seine Aufgabe ist, sehe ich Frieden und Hingabe in den Augen des bald sterbenden Tieres. Es ist, als würde es genau wissen, dass alles gut ist, trotz des Schmerzes. Ich sehe Liebe in seinen Augen.

Doch Liebe geht weit über das hinaus, was wir in der Natur oder um uns herum sehen können. Liebe ist in all unseren Taten oder besser gesagt, all unsere Taten entstehen aus Liebe oder aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden. Wir können Liebe in vielen Dingen sehen: Iem Blumenstrauß, den der Mann seiner Frau zum Jahrestag mitbringt und im Lächeln, dass sie ihm schenkt, wenn sie den Blumenstrauß überreicht bekommt. Wir sehen Liebe, wenn eine Mutter zu ihrem Kind eilt, dass bei den ersten Gehversuchen hingefallen ist und wir spüren die Liebe im ruhigen Atem unserer Kinder, wenn wir sie in unseren Armen in den Schlaf wiegen.

Liebe liegt aber auch in all den Taten verborgen, die wir oft als schlimm, ungerecht und verabscheuungswürdig empfinden. Doch wenn wir genau hinschauen, können wir sie erkennen. Damit rechtfertigen sich nicht in unser aller Verständnis diese Taten, aber wir können besser verstehen, warum sie geschehen. Liebe liegt auch darin, wenn zwei Menschen sich streiten und sich dabei gegenseitig ihre unschönen Eigenschaften und Verhaltensweisen an den Kopf werfen. Liebe ist darin verborgen, denn beide handeln aus der Angst heraus, die Liebe, die sie durch ihren Partner so stark spüren können, verlieren zu können. Wir handeln dann oftmals unüberlegt und werden hart und teilweise ungerecht, doch eigentlich wollen wir die für spürbare Liebe bewahren.

Ein Mensch, der im Gerichtssaal den Mörder eines Angehörigen erschießt, handelt aus purer Liebe. Aus dem Verlust heraus, den er glaub spüren zu müssen, weil ihm augenscheinlich Liebe genommen wurde. Aber auch im Akt des Mordes – und das wird nicht jeder von Euch so annehmen können – steckt der Wunsch nach Liebe. Es mag Aufmerksamkeit sein, die dieser Mensch so dringend benötigt, dass er eine solche Tat begeht oder vielleicht ebenfalls die Angst davor, gespürte Liebe andernfalls zu verlieren.

Wir alle handeln immer nur aus diesen beiden Motiven, weil wir lieben oder weil wir Liebe suchen. Es gibt keine Ausnahme. Wenn wir uns schnellen Sex in einer Bar suchen, dann suchen wir eigentlich die Liebe zu uns selbst, weil wir sie gerade nicht erkennen können und den anderen benötigen, damit er uns zeigt, wie wundervoll und liebenswert wir sind. Wenn wir einem älteren Menschen über die Straße helfen oder eine Wasserkiste die Treppen herauf tragen, handeln wir aus reiner Liebe, denn wir wissen, dass auch wir eines Tages auf liebende Gesten anderer angewiesen sein könnten. Wenn wir eifersüchtig sind, handeln wir aus Liebe, weil wir auch hier Angst haben, dass uns Liebe abhandenkommen könnte.

An Tagen wie heute empfinde ich einen inneren Frieden, weil ich weiß, dass Liebe niemals abhandenkommen kann, denn sie ist immer da. In all ihren Facetten und mit all ihren unterschiedlichen Gesichtern, die wir niemals im Laufe eines Lebens selber kennenlernen können und doch jedes davon schon kannten, bevor wir dieses Leben anfingen. Liebe ist in allem und zeigt sich durch alles, egal wie unmöglich es uns erscheinen mag. Wir müssen nur genau hinschauen und können sie erkennen. Und an Tagen wie diesem versuche ich mich mehr und mehr in Achtsamkeit für die Liebe zu üben, damit ich immer ein wenig mehr in diesem Bewusstsein von Liebe ruhen kann.

Programme in unserem Inneren

Jeder von uns trägt sie in sich. Sie integrieren sich im Laufe unseres Lebens aus speziellen Situationen und Erlebnissen und bleiben in unserem Inneren gespeichert. Manche sind sozusagen harmlos und stellen nicht viel an, andere können sehr destruktiv sein und hindern uns daran, unser wahres Selbst zu erkennen und zu entfalten.

Diese destruktiven Programme rühren meistens von den für uns unangenehmen Erlebnissen her. Man kann sie auch als Traumen bezeichnen. Solche Traumen schreiben sich in unserem Unterbewusstsein fest und wir verbinden bestimmte Reize unserer Wahrnehmung mit ihnen. Am Beispiel eines Vertrauensbruchs lässt sich gut erklären, was ein solches Trauma ist und wie es ein Programm immer wieder und wieder abspulen lässt, ohne dass wir daran groß etwas ändern könnten.

Wenn wir beispielsweise von unserer ersten großen Liebe einmal betrogen wurden, speichert unser Unterbewusstsein dieses Erlebnis sehr detailgetreu ab. Nicht nur der damit verbundene Schmerz und unsere Reaktion darauf wird als Programm aufgezeichnet, sondern viele weitere Informationen, beispielsweise was wir in diesem Moment wahrgenommen haben: Gerüche, Geräusche, Farben, ein haptischer Reiz, welcher in eben jenem Moment des traumatischen Erlebens empfunden wird oder ähnliches. Beispielsweise die genauen Umstände der Situation, die Örtlichkeit, die Worte, die Umgebungstemperatur und vieles mehr.

Nun kann es in der Zukunft passieren, dass unser Unterbewusstsein in einer Situation, die nur vage mit dem Trauma zu tun hat, bereits das Programm abspielt, welches sich beispielsweise in Tränen und Unwohlsein ausdrückt. Wenn wir dann einigen wenigen Reizen in einer neuen Situation begegnen, reichen diese aus, um unser Erinnern zu aktivieren und das Unterbewusstsein empfindet sich in der gleichen Situation, welche das Trauma ausgelöst hat. Die Folge ist, unser Inneres spult das Programm ab und wir können in diesem Moment nicht aus unserer Haut, obwohl gar kein Vertrauensbruch durch den Partner stattgefunden hat. Die Traurigkeit kommt in uns hoch und die Tränen laufen und das eigentlich ganz ohne Grund, denn möglicherweise ist es einfach nur der Ort, an dem wir uns befinden und dazu ein paar Worte, eine Geste, eine Farbe oder ein Geruch und schon aktiviert sich in unserem Unterbewusstsein das gelernte traumatische Verhalten.

Was können wir tun, um uns davon zu lösen?

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Wie immer ist ein notwendiger Schritt, dass wir uns beobachten und erkennen, wann und warum wir im traumatischen Programm stecken. Wenn wir dann herausgefunden haben, was der Auslöser war, können wir mit Bewusstseinsübungen nach und nach die traumatische Einschreibung entkräften und sozusagen das Programm umschreiben.

In einer Beziehung ist es darüber hinaus manchmal sehr schwierig, solche Situationen gemeinsam durchzustehen, weil der Partner nicht immer nachvollziehen kann, was da mit dem anderen passiert und sich natürlich falsch verstanden fühlt. Nicht jeder erkennt, dass nicht nur der Partner, sondern auch er bzw. sie selbst solche Programme in sich trägt und somit selber stets beobachten könnte, worauf bestimmte Reaktionen beruhen könnten.

Wenn sich jedoch zwei Menschen treffen, die einander verstehen und voneinander wissen, dass es diese Einschreibungen tief in uns gibt, kann auch ein noch so schmerzhafter Konflikt oftmals gemeinsam überwunden werden, ohne dass die Beziehung darunter dauerhaften Schaden nimmt. Offenheit, Ehrlichkeit gegenüber uns selbst und unserem Partner bzw. unserer Partnerin sollten dabei an oberster Stelle stehen.

Wenn Ihr einen solchen Menschen an Eurer Seite habt, der Eure sogenannten Schwächen kennt, Euch dabei seine helfende Hand reicht, wenn alte Programme abgerufen werden, dann seid dankbar, auch wenn er oder sie nicht immer so reagiert, wie Ihr es Euch zunächst wünscht oder vorstellt. Die Reaktion des anderen wird immer genau die sein, die es braucht, um die Situation aufzulösen. Damit ist das Trauma noch nicht überwunden, aber ein erster Schritt getan, um ein Programm umzuschreiben.