Das Leben – die Erfahrungen

Heute teile ich hier einfach nur ein paar meiner Gedanken:

Ich denke jeder von uns kennt das. Es passiert uns etwas Unerfreuliches oder auch etwas Unangenehmes: Ein Freund kritisiert uns, der Partner / die Partnerin mißversteht uns, im Beruf läuft es nicht rund o.ä. Oftmals hängen wir uns dann in diese Situation mit Gefühl und Gedanken hinein. Zwar behaupten wir Freunden und Bekannten gegenüber wir mit geschwollener Brust, dass es uns überhaupt nichts ausmacht, aber dennoch diskutieren wir dann stundenlang mit ihnen hierüber. Es scheint uns also doch etwas aus zu machen, oder? 😉
Aber hilft es uns denn, wenn wir diese Dinge lang und breit diskutieren oder wird es dadurch nicht fast noch Schlimmer? Ich möchte nicht behaupten, dass man die Dinge, die einen bewegen nicht aussprechen soll. Das wäre der falsche Weg. Es ist sogar sehr wichtig, sich Dinge „von der Seele zu reden“. Es gibt jedoch diesen einen kleinen Punkt an dem aus diesem „von der Seele reden“ etwas wird, was ich gerne als „Dramatisieren“ beschreibe. Es ist der Punkt, an dem das darüber sprechen eben nicht mehr hilft, eine Sache zu verarbeiten. Ich glaube sogar, dass es wieder schwerer wird, vom Leid abzulassen, welches uns belastet. Wir machen durch das Dramatisieren aus der erlebten Situation keinen Teil von uns, sondern einen Widersacher. Würden wir die Situation loslassen und uns nach dem Aussprechen einen anderen Blickwinkel aneignen, könnten wie das unangenehme Gefühl einfach gehen lassen. Die Erfahrung wäre immer noch da, die Erfahrung wäre auch immer noch eine unangenehme, aber sie würde zu dem werden, was sie ist: Eine Erfahrung in der Vergangenheit – abgeschlossen und vorbei. Können wir das Erlebnis nicht gehen lassen, bleibt an uns haften und verursacht weiter Schmerzen. Es holt uns aus der Gegenwart und hält uns in unserer eigenen Vergangenheit gefangen. Dies gilt jedoch genauso für die wundervollen Momente unseres Lebens. Wenn wir diese überglorifizieren, sind wir genauso in diesem vergangenen Ereigniss verfangen. Das Dumme hieran ist nur, dass die Gegenwart das einzige ist, was wir haben und sofern wir in der Vergangenheit kleben bleiben, können wir nicht wirklich unser Leben leben.
Die Erfahrung wird gar nicht zu einer wirklichen Erfahrung. Denn wozu sollen diese ganzen Erlebnisse eigentlich nützlich sein. Warum erleben wir denn das, was wir erleben? Wir sollen Erkenntnisse daraus gewinnen, unser Bewusstsein erweitern, neue Perspektiven für uns erschließen. All das kann immer erst dann geschehen, wenn wir ein Erlebnis oder eine Erfahrung losgelassen haben. Erst dann beginnen wir, das Erlebte in uns aufzunehmen und zu einem Teil von uns zu machen. Erst dann kann es zu einer Erkenntnis werden. So lange wir dramatisierend an der Situation hängen, wird das nicht geschehen.
Die Erkenntnis kommt in dem Moment, in dem wir bereit sind zu 100% zu akzeptieren, was uns passiert ist. Erst dann wird es wirklich ein Teil von uns und ist nicht mehr das „Schreckliche“, welches aussen steht. Wir können uns dann erst fragen, warum wir dieses Erlebnis hatten oder möglicherweise auch was es für Dinge in uns gibt, die unsere Reaktionen bezüglich unserer Erlebnisses hervorbringen. Ist es nicht das, was Erfahrung ausmacht? Hinterfragen, entdecken und herausfinden.
Das heisst nicht, dass wir nicht traurig oder wütend sein sollen. Im Gegenteil, unsere Empfindungen gehören immer auch zu all unseren Erlebnissen dazu. Wenn aber die Gefühle etwas nachlassen – und hierin gilt es sich zu üben – dann können wir anfangen in uns zu ruhen und das Erlebte in uns aufnehmen.

Ich glaube fest daran, dass es hierum geht. Nein, ich würde sogar weiter gehen und sagen, dass ich es weiss. Das ist es, was „Leben“ ausmacht. Es ist nicht das Streben nach monetärem Reichtum, gesellschaftlichem Ansehen und all diesen konstruierten Zielen, welche wir uns als erstrebenswert vormachen. Es geht doch vielmehr darum, in uns zu gehen und zu lernen und dass wir am Ende unseres Lebens vielleicht sagen können: „Ich habe verstanden.“

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