Akzeptieren – die große Schwierigkeit?

Seit Tagen ist es nun in den Medien und wird teilweise rauf und runter diskutiert: Das öffentliche Coming Out unseres ehemaligen Fußballnationalspielers Hitzelsperger.

Ich nehme dies zum Anlass um über die Schwierigkeiten von Akzeptanz zu reden, die leider stets auf Ängsten beruhen. Innerhalb all der Berichterstattung gibt es unheimlich viel positives Feedback zu diesem Schritt des Profi-Fußballers. Aber es gibt auch andere Stimmen. Stimmen, die laut werden, weil sie Angst davor haben, die zunehmende Öffentlichkeit homosexuell lebender Männer und Frauen könnte einen nachhaltig schlechten Einfluss auf den eigenen Nachwuchs haben. Dieses wird dann wieder scharf von Schwulen- und Lesbenverbänden kritisiert, welche gegen eine solche vereinfachte und engstirnige Sichtweisen aufbegehren. Es gibt Petitionen gegen Bildungsprogramme welche „die Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in Lehrpläne integrieren wollen und widerum Gegenpetionen dazu. Es werden Schuldzuweisungen betrieben, beispielsweise dass die Kindesarmut auf den Lebensstil der Schwulen und Lesben zurückzuführen sei. Das aber auf der anderen Seite Hunderte von gleichgeschlechtlichen Paaren gerne Kinder adoptieren würden, aber nicht dürfen, sieht dabei niemand. Es wird kritisiert, dass diese Äußerungen gegen homosexuelle Lebensweisen diskriminierend seien und dabei wird vergessen, dass dennoch jeder das Recht auf einen eigenen Stadtpunkt zu jedem Thema hat und das dieser Standpunkt sich möglicherweise schon genauso früh im Bewusstsein dieses Menschen gebildet hat, wie sich die liberale Sichtweise des anderen Menschen entwickelt hat – durch Erlerntes und Prägung usw.

Es wird immer so sein, dass wir nicht alle der gleichen Meinung sind – und das ist nicht schlimm, denn das nennt man Vielfalt. Nicht zuträglich ist diesem Umstand aber, dass durch Unwissenheit Angst geschürt wird. Mit Angst kann ich keine Akzeptanz entwickeln. Angst wird mich immer wieder dazu verleiten, an überalteten Vorstellungen festzuhalten, damit ich um nichts in der Welt das Risiko eingehen muss von eben dieser Angst, die ich doch schon so gut kenne, abzulassen.

Da behalten viele Menschen lieber überaltete Denkansätze bei und beschneiden alle die, die nicht in ihre vorgefertigte Norm passen. Aber hätte so denn das, was diesen Planeten ausmacht, jemals eine Chance gehabt? Würde es all das geben, wenn die Natur so engstirnig gewesen wäre? Wie hätte sich aus einem einzelligen Lebewesen so mannigfaltiges Leben entwickeln können, wenn nicht all das, was sich oberflächlich unterscheidet dennoch gegenseitig akzeptiert? Wie hätte denn aus einer Samen- und einer Eizelle beispielsweise eine Herzzelle werden sollen. Eizelle und Samenzelle hätten der Herzzelle zu verstehen gegeben, dass sie leider nicht zur normgerechten Form des Bündnisses aller Samen- und Eizellen passt und daher keinerlei Erlaubnis hat, sich zu vermehren…? Ja, das ist ein sehr simplifiziertes Beispiel, aber genau das sind doch die Mechanismen, die von allen Seiten in solchenKonflikten bedient werden.
Norm und Normierung bringt nur selten Veränderung, aber nur Veränderung kann Fortschritt und Wachstum sein.

Wir müssen nicht toll finden, wie andere ihr Lebenführen. Wenn wir aber wollen, dass man uns so leben lässt, wie wir es selber für richtig halten, können wir dies auch nur von den Menschen erwarten, denen wir die gleiche unbefangene und wertneutrale Akzeptanz entgegenbringen. Sonst erwarten wir von unserem Gegenüber mehr, als wir bereit sind zu geben. Das bedeutet Ungleichgewicht und ein Ungleichgewicht kann niemals zur vollkommenen Zufriedenheit führen. Wenn wir aber diese gegenseitige Akzeptanz walten lassen, bedarf es nur einer weiteren Regel für Harmonie: Tu nur das, was Dir gut tut, solange Du damit niemand anderen wissentlich verletzt, einschränkst oder ausgrenzt.

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