Im Fluss des Herzens

Was für ein wundervoller Tag! Schon beim Aufstehen wird mir durch die Strahlen der Sonne, welche sich durch die kleinen Löcher meiner Außenjalousien auf dem Boden meiner Wohnung visuell manifestieren klar, dass es das Universum heute gut mit uns meinen wird. Das Universum meint es ja stets gut mit uns, auch wenn wir das nicht immer so empfinden, aber das ist eine andere Geschichte. Heute meint es das Universum „gut“ mit uns auch in unserem Sinne. 🙂
In meinem Kopf kreisen noch Gedanken darüber, dass ich bestimmte Dinge meines Lebens endlich „abschließen“ muss, damit ich andere anfangen kann. Ein übliches Denken in unserem von Dualismen geprägten Leben. Wir sind so sehr darauf geprägt, dass alles einen Anfang und ein Ende hat. So sehr, dass wir bei Geschichten und Erzählungen, welche sich nicht diesen Regeln unterwerfen, schon abschalten und ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit schenken. Sie entsprechen nicht unserer Gewohnheit. Wir mögen klare Start- und Endpunkte… Beziehungen, Lebensabschnitte, berufliche Aktivitäten, Bewegungen… alles hat für uns Anfang und Ende…
Trotz der Sonnenstrahlen, welche ich natürlich schnell durch Hochziehen der Jalousien vollends in meine Wohnung strahlen lasse, habe ich diese Gedanken über das „Abschließen“, um neuen Dingen Raum zu geben.
Ich freue mich aber nach mehrtägiger Pause auch auf meinen Sport – ein Ritual welches ich normalerweise allsonntäglich verfolge – und bereite mich darauf vor: Ein kräftigendes Frühstück, Tasche packen und noch schnell auf den üblichen Social Media Plattformen allen ein frohes Osterfest gewünscht… Es ist ja nun mal einfach so praktisch und dabei auch noch so zeitsparend, wie man hier mehr als 500 Fliegen auf einen Streich erlegen kann. Wahnsinn!
Selbst die Email einer lieben Freundin lässt sich so noch schnell beantworten. Eine Freundin, welche einen für mich wunderschönen Traum lebt. Sie wohnt mit Ihrem Freund und Ihrem Sohn in Frankreich. In einem Steinhaus mit großem Garten und Weideland für Schafe und Hühner sind sie weitestgehend autark von allem, da sie größtenteils Selbstversorger sind. Strom kommt aus der eigenen Solaranlage und Wasser aus dem Bachlauf neben dem Grundstück. Wie wundervoll sich das Leben dort anfühlt durfte ich vergangenen Oktober für ein paar Tage bei einem Besuch selbst erleben. Sofort hatte ich bei ihren Worten über das neue Blumenbeet, welches sie angelegt hatten, entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge und konnte mich fast vor Ort spüren. Noch vor kurzem hatte ich den beiden mitgeteilt, wie wohl ich mich bei dem Gedanken fühle, so zu leben, aber dass mir dazu wohl noch der Mut dazu fehlt – vor allem der Mut, ein solches Projekt allein zu vollziehen.
Ich kenne zwar einen Menschen, der diesen Traum mit mir teilt, aber im Moment besteht für uns nicht die Möglichkeit, diesen gemeinsam auch umzusetzen. Abschließen – ich muss das Thema abschließen. Wieder habe ich diese Gedanken in meinem Kopf.
Plötzlich hatte mich die Gegenwart wieder zurück. Ich wollte doch zum Sport.
Softwasser_2928-50Ich wusste irgendwie schon beim Verlassen meiner Wohnung, dass es heute anders sein würde, aber gut – jeder Tag ist ja irgendwie anders als der vorherige… Das können auch unsere Rituale nicht verschleiern. Also auf!
Im Innenhof beim Verlassen meines Wohnhauses fällt mir auf, wie wunderschön die Stimmung an diesem Tag ist. Eltern und ihre Kinder haben sich versammelt und genießen den sonnigen Morgen zusammen. Ich spaziere langsam durch den Hof und wünsche allen einen schönen Ostertag und als ich kurz darauf auf die Straße trete wird mir bewusst, wie besonders Ostern in der Stadt ist. An Ostern herrscht nahezu absolute Ruhe – in Stadtvokabular gesprochen. Wie angenehm!
In meinem Fitnesstempel angekommen wird mir gewahr, welche „Andersheit“ heute auf mich wartet. Von den beiden Kursen, die ich nahezu jeden Sonntag besuche, fällt der zweite aus. Wie schade, aber es hilft ja kein Klagen. Die Dinge sind, wie sie sind und die Veränderung, welche sich hieraus für den restlichen Tagesverlauf ergibt, ist weder eine Bedrohung, noch eine Herausforderung. Ich werde sie einfach annehmen und umsetzen. Denn eigentlich wollte ich mich nach dem Sport mit einem sehr lieben Freund auf einen Kaffee und/oder einen Spaziergang treffen. Kurzerhand wird das Treffen um eine Stunde vorgezogen – warum also aus der Ruhe bringen lassen.
Nach dem Kurs wird mir klar, wie gut es war, dass der zweite Kurs nicht stattgefunden hat. Die Sportpause hat meinen Körper etwas schwächeln lassen und mit einem wohligen schummerigen Gefühl in den Muskeln begebe ich mich nach der kühlenden Dusche zu meiner Kaffeeverabredung.
Softwasser_2887-50Es wäre sicherlich möglich, wenn auch eine kleine Herausforderung, hier die gesamten Inhalte unserer Gespräche niederzuschreiben. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Daher lasse ich die Herausforderung Herausforderung bleiben und stelle zusammenfassend fest, dass ich einen wunderbaren Nachmittag verbracht habe. In unserem Gespräch kommt auch das Thema einer Lebensweise etwas dichter an der Natur usw. auf. Und plötzlich ist es da – nicht aufdringlich und auch nicht als festgelegte, unwiederbringlich umzusetzende Verpflichtung, sondern als Idee, als Option, als Möglichkeit: Zwei Menschen, die ähnliche Vorstellungen und Empfindungen haben und diese seit ihrer ersten Begegnung ganz unbefangen miteinander teilen, realisieren, dass sie auch ähnlich über eine Art gemeinschaftlichen „Lebensraum“ denken und fühlen… Der Spaziergang nach dem gemeinsamen Kaffee lässt uns weiter über die vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenlebens von Menschen sprechen und in dem Moment als sich unsere Wege für heute trennen – quasi vor meiner Haustür – entsteht eine wunderbare Gewissheit: In dieser Freundschaft steckt die Möglichkeit, eine gemeinsame Idee zu verwirklichen. Ohne Zwang, ohne Verpflichtung, ohne Druck, aber mit dem Wissen: Es ist möglich!
Ich sehe es wieder einmal deutlich vor Augen: Das Leben zeigt uns beständig Optionen auf. Wir müssen nur lauschen, wenn sie in unser Ohr geflüstert werden. Wir müssen hinschauen, wenn sie zu uns herüberwinken. Wir müssen auf unser Herz vertrauen und sie zulassen.
Eine wunderbare Gewissheit nehme ich aus diesem großartigen Tag mit: Es ist nicht wirklich notwendig, Dinge mit dem Label „abgeschlossen“ zu versehen, um neuen Raum zu schaffen. Es ist einzig und allein notwendig, die Dinge, die aus unserem Herzen sprechen, beständig anzuhören und Aufmerksamkeit walten zu lassen, wenn uns das Leben Möglichkeiten eröffnet, diese umzusetzen. Wenn wir ihnen diesen Raum zur Entfaltung geben, öffnet sich eine neue Tür, die durchschritten werden kann und der Weg ebnet sich weiter und weiter. Und selbst dort, wo er sich zunächst nicht ebnen mag, finden wir plötzlich eine Umleitung. Sie verlangt von uns manchmal mehr Zeit und manchmal auch mehr Kraft, aber der Weg ist durch sie ist immer noch da.
Softwasser_2850-50„Anfang und Ende“, denke ich plötzlich noch, während ich nach der Verabschiedung zu meiner Haustür marschiere, „sind eine reine Illusion.“ Wenn wir das Gefühl haben, dass etwas endet, so endet es nicht wirklich. Wie in einem Fluss mündet es in etwas anderem, etwas Neuem und schenkt uns so vorher ungesehene Entfaltungsmöglichkeiten. „Im Fluss“, denke ich weiter, „bleibe im Fluss Deines Herzens und alles wird zueinander fließen.“

Danke und Euch allen ein frohes, sonniges Osterfest im Kreise wunderbarer Menschen, Wesen und Erlebnisse!

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