Julia Cameron – Der Weg des Künstlers

Zwölf Wochen wunderbarer Momente hat sie mir beschwert und ich bedauere bereits, dass diese Zeit nun fast vorbei ist. Julia Cameron zeigt in ihrem Buch auf eindrucksvolle Art, wie wir das Künstlerkind in uns wiederfinden können.
Was ist das Künstlerkind? Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere noch daran, in welch fantastische Welten wir uns als Kinder aus reiner Imaginationskraft versetzt haben. Da war ein aufgeschobener Haufen Schnee ein Raumschiff, mit dem wir ins Weltall geflogen sind. Ein alter Schuppen war unsere Burg oder der Baum im Garten ein Naturmonster, gegen das wir uns auflehnen mussten. Als Kinder haben wir uns, ohne dass wir die Frage nach Sinn oder Unsinn stellen mussten, einfach Dinge, Ideen und Situationen mit Kraft unserer Kreativität erschaffen. Im Laufe des Erwachsenwerdens geht uns diese Gabe verloren, oder besser gesagt, sie wird begraben unter unserem analytischen Verstand und anderen Tools unseres Ichs, mit denen wir nun den Alltag bestreiten. Diese freie, kindliche Kreativität wird verbannt und unterdrückt. Doch hin und wieder wollen vielleicht diese alten kreativen Kräfte einmal ausbrechen. Meistens hören wir nicht auf uns und stempeln das als Albernheiten ab. Wir setzen uns einem Druck aus, der uns tief in unserem inneren Selbst Schmerzen bereitet.
Der Weg des Künstlers Mit ihrem Workshop in Buchform geht Julia Cameron gezielt auf diese in uns wohnenden Kräfte ein und gibt uns Leserinnen und Lesern die Chance, diese wieder freizusetzen und zu nutzen. Eines ihrer wunderbaren Werkzeuge, welches ich seit dem ersten Tag konsequent nutze, ist das Schreiben meiner Morgenseiten. Jeden Tag nach dem Aufstehen schreibe ich auf drei Seiten handschriftlich nieder, was mir gerade durch den Kopf geht – ungefiltert und ohne Wertung. Ich lasse einfach alles raus, was gerade da ist und habe bereits nach kurzer Zeit festgestellt, wie befreiend dieser Vorgang ist und mit wie viel Platz für neue Ideen ich in den Tag starten konnte.
Julia Cameron belässt es aber nicht dabei. Aus ihrer langjährigen Erfahrung als „Künstler-Coach“ setzt sie den Fokus jede Woche auf andere Schwerpunkte. Manchmal liegt das Augenmerk auf Selbstsabotage, die im künstlerischen Wirken aufkommt, ein anderes Mal zeigt uns Julia Cameron, wie wir mit kleinen Gesten uns selbst die gebührende Anerkennung zollen können. Wir lernen in diesem Workshop zum Beispiel Hilfsmittel kennen, mit denen wir förderliche von blockierenden Einflüssen erkennen können und werden ermutigt, uns mit diesen konkret auseinander zu setzen. Jede Woche stellt sie zehn Aufgaben, die jeweils zu den aktuellen Themen passen und auf diese Weise praktische Umsetzung der Erkenntnisse bieten. Sie trifft dabei oft genau die Themen, welche uns wiedergeborene Künstler in dieser Woche der Wiedererweckung beschäftigen. So fühlte ich mich als Leser stets gut bei ihr aufgehoben.
Ich werde weiterhin meine Morgenseiten schreiben, auch wenn die zwölf Wochen für mich nun beinahe vorbei sind. Ich lege jedem der spürt, dass in ihm/ihr das Kreative schlummert und ausbrechen möchte, dieses Buch nahe. Es gehört zu den Dingen, die wie eine kleine Offenbarung auf einem bewussten Lebensweg wirken können, selbst wenn kreatives Wirken dabei keine große Rolle spielen sollte.
Wer bereits viel mit sich und seiner Lebensführung gearbeitet hat, wird sicherlich einiges bereits kennen oder mit anderen Mittel schon erfahren und erkannt haben. Es lohnt sich dennoch, Julia Camerons Ausführungen einfach zu folgen und sie auf sich wirken zu lassen.

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