Gefangen in einer freien Welt – Teil 1: Existenzielle Grundbedürfnisse

Einleitung:
Meine Gedanken sind so wunderbar frei geflossen und ich habe ihnen keinen Einhalt geboten. Wenn uns die Muse küsst, sollten wir sie laufen lassen. Was dabei aus meinem Inneren herauskam, wurde recht umfangreich. Es war einfach zu viel, um es in einem Post zu veröffentlichen. Ich habe entschieden, ihn in mehrere Kapitel zu teilen und werde in den kommenden Tagen jeweils einen Teil veröffentlichen.

Jeder Mensch hat die gleichen Grundbedürfnisse, die sich auf eine Handvoll Begriffe reduzieren lassen. Diese Grundbedürfnisse werden in den Naturwissenschaften wie auch in Bereichen der Sozialwissenschaften fast einheitlich benannt. Über eins sind sich viele Forschungsrichtungen einig: Werden diese Grundbedürfnisse erfüllt, sind wir glücklich. Was aber passiert darüber hinaus? Welche Auswirkungen hat es auf uns, wenn wir über unsere Grundbedürfnisse hinaus konsumieren? Diese Gedanken haben mich in den letzten Stunden und Tagen immer wieder beschäftigt:

Zunächst einmal sind da in jedem/r von uns existenziellen Grundbedürfnisse. Wir alle brauchen Nahrung und Wasser, um zu überleben. Daher ist es für jeden Menschen, wie für jedes andere Lebewesen auch, von höchster Wichtigkeit, Nahrung zur Verfügung zu haben. In unserer heutigen Welt ist unser Verständnis von diesem „zur Verfügung haben“ jedoch arg verzerrt. Das Glück stellt sich nicht dadurch ein, dass wir im Supermarkt von Tausenden Produkten die wenigen aussuchen können, die wir gerne mögen, sondern zeigt sich einzig und allein darin, dass wir irgendein für uns verwertbares Nahrungsmittel in dem Moment verfügbar haben, in welchem wir es zwecks Energie Gewinnung benötigen. Im besten Falle schmeckt diese Energie uns noch besonders gut, aber auch das ist nicht wirklich von Belang.
Die heutigen Verfügbarkeiten von Lebensmitteln und die Möglichkeiten, frei zu wählen und das auch am Samstagabend um 21.50h, kurz bevor die Geschäfte schließen, ist ein Luxuszustand. Dieser ist so in der Ordnung der Welt gar nicht notwendig, denn wir brauchen nicht die freie Wahl aus dem Überfluss von Nahrung, sondern nur die generelle Verfügbarkeit von Nahrung, um unser Grundbedürfnis zu erfüllen. Kein Wunder, dass die Fülle und die ständige Überfrachtung mit sämtlichen Waren bereits in unserem Gehirn nicht mehr nur das Glückszentrum, sondern das Suchtzentrum aktiviert*.
Das nächste Grundbedürfnis ist der Schutz vor aktueller Witterung. In unserer heutigen Zeit schaffen wir uns diesen durch Kleidung. Bei Kleidung verhält es sich ähnlich und es gibt ähnliche Forschungen wie zum Thema Nahrung, die zeigen, dass bereits der Erwerb und Besitz ab einer bestimmten Menge Kleidungsstücken pro Sorte Auswirkungen auf das Suchtempfinden im Gehirn hat. Letzten Endes benötigen wir auch nicht mehr als zwei Teile pro Kleidungsstück – eins zum Anziehen während das andere gereinigt und getrocknet wird. Der Kaufrausch, dem wir so gerne verfallen und welcher von jüngsten Geschäftsideen mit Massenabverkäufen zu Spottpreisen seinen Gipfel findet, ist im wahrsten Sinne ein Rausch – eine Sucht.
Unser drittes existenzielles Grundbedürfnis findet sich in dem Verlangen nach einem Unterschlupf, unsere Basis, an die wir zurückkehren können, also unsere Wohnung beziehungsweise unser Haus. Das Prinzip bleibt das Gleiche. Haben wir einen Ort gefunden, an dem wir uns wohl fühlen, benötigen wir nicht mehr als diesen und wir benötigen eigentlich auch nicht sonderlich viel Platz, um glücklich zu sein. Ein Plätzchen zum Schlafen, einen kleinen Ort für das Verrichten unserer täglichen Aufgaben wie kochen, essen und reinigen und vielleicht noch ein kleines Eckchen für unseren „Beruf“ und ähnliche Beschäftigungen. Haben wir so viel Raum, dass wir bestimmte Zimmer oder Plätze auf unserem Areal nur selten oder gar nicht betreten, befinden wir uns auch hier bereits in einem Überflussmodus, welcher unser Suchtzentrum triggert.

Wir alle haben aber im Laufe unseres Lebens gelernt, dass wir immer mehr und mehr brauchen und dass es erstrebenswert ist, dieses „Mehr“ über alles andere hinweg anzustreben. Dabei nehmen wir den Verzicht auf Rücksicht gegenüber unserer Umwelt und unseren Mitmenschen in Kauf. Rücksicht ist zwar auf der Agenda der erstrebenswerten Eigenschaften vertreten, aber niemals in ökonomischen Zusammenhängen. Wenn es um wirtschaftliche Kreisläufe geht, ist unsere Wahrnehmung extrem eingeschränkt. Wir fokussieren hier auf „Handfestes“ oder wie wir auch gerne sagen auf „harte Währung“. In allen wirtschaftlichen Abhandlungen geht es viel zu oft nur um das Vermehren von Besitz und das Erhöhen von Wachstum. Jegliche menschliche Komponenten werden schlicht nicht erwähnt. Warum nicht? Sind sie nicht essentieller Bestandteil aller Systeme in denen wir leben? Ja, natürlich sind sie das, denn sie sind Teil von uns. Bedürfnisse wie oben beschrieben sind in jedem von uns angelegt. Die Wirtschaftssysteme hebeln sie jedoch aus. Sie lösen Bedürfnisse vom Menschen ab und integrieren sie in ein System, welches nichts Natürliches hat. Geld und seine Wertigkeit sind Produkte der menschlichen Fantasie und existieren in der Realität in keiner greifbaren Form. Es handelt sich um ein vollkommen virtuelles System, welches sich in seiner Virtualität über die manifesten Dinge in unserer Welt hinwegsetzt, obwohl es genau mit diesen operiert. Es nimmt diese aber nicht als solche an, sondern verdreht sie und macht sich Teile zu eigen, die dem Selbsterhalt zuträglich sind. Es sind auch nicht nur die wirtschaftlichen Kreisläufe, die das „Mehr“ als höchsten Wert propagieren. Es wird uns auch in medialer Form immer wieder vor Augen geführt, dass wir diesem Prinzip folgen sollten, um zu bekommen, was wir vermeintlich haben müssen. Alle Casting-Shows im Fernsehen sind Paradebeispiele hierfür. Du bist etwas, wenn Du besser aussiehst, besser singst, besser manipulierst, besser trickst, besser… als alle anderen.

Wir lassen uns empfindlich darauf konditionieren, unsere existenziellen Grundbedürfnisse durch Überfluss und Masse zu befriedigen. Angeblich liegt in diesem Überfluss das Glück verborgen, nach welchem wir uns sehnen. Hier hört das Spiel noch lange nicht auf, denn neben diesen existenziellen Bedürfnissen gibt es noch mindestens ein essentielles Grundbedürfnis und dieses ist von der Manipulation nicht ausgenommen:

Fortsetzung in Teil 2: Freiheit als essentielles Basis-Grundbedürfnis

*Hinweis: Ich habe zum Thema Süchte in Verbindung mit Konsum und Wirtschaft in den vergangenen Jahren verschiedene Theorien und auch Forschungserkenntnisse kennengelernt. Ich erinnere mich, vor einigen Jahren in einer Dokumentation gesehen zu haben, dass bereits jeglicher Konsum über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinaus unser Suchtzentrum im Hirn ansteuert. Leider habe ich die Dokumentation nicht mehr vorliegen, um sie zu zitieren. Dennoch gibt es viele weitere Abhandlungen über dieses Thema generell. Eckhard Tolle schreibt darüber unter anderen im seinem Werk „Eine neue Erde“. Auch der Film „Zeitgeist: Moving Forward“, welcher frei auf youtube verfügbar ist, beschäftigt sich mit dem Thema Sucht und Konsum, besonders im ersten Drittel. Meine Ausführungen hier sind demnach als Annahmen zu verstehen und bilden nur mein Verständnis von dem ab, was ich wahrnehme. Ich postuliere hier keine wissenschaftlich belegten Erkenntnisse oder behaupte, der Wahrheit letzter Schluss zu schreiben. Alles basiert auf meiner Wahrnehmung und meinem Empfinden.
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