Gefangen in einer freien Welt: Teil 2 – Freiheit als essentielles Basis-Grundbedürfnis

Im ersten Teil habe ich meine Gedanken einmal frei zu unseren existenziellen Grundbedürfnissen fließen lassen. Heute möchte ich mich auf ein weiteres, wie ich es nenne, essentielles Grundbedürfnis konzentrieren. Es liegt als Basis letzten Endes den bereits angeführten Bedürfnissen zu Grunde, existiert aber auch parallel zu ihnen: Unser Bedürfnis nach Freiheit.
Der Mensch, so wie jedes andere Lebewesen auch, hat das dringende Bedürfnis, seine Handlungen frei vollziehen zu dürfen. Wir sind durchaus in der Lage, uns bestimmten Regeln zu unterwerfen. Das tun wir, weil diese schlicht für uns nicht abänderbar sind. Dazu gehören eben unsere lebenserhaltenden Routinen der Nahrungsaufnahme, des Atmens, Schlafes usw. Wir können versuchen, uns diesen natürlichen Regeln zu entziehen, werden dann jedoch schnell merken, dass unser Organismus dies nicht lange schadenfrei mitmacht. Anderen Regeln unterwerfen wir uns, wenn wir sie als notwendig oder sinnvoll erachten. Was genau für uns notwendig und sinnvoll bedeutet, ist stark gefärbt ist von Konventionen, Prägungen, Erfahrungen und Erziehungsroutinen, die wir im Laufe unseres Lebens kennengelernt haben. Weitere Regeln passen wir an, indem wir wissenschaftlich und technisch Fortschritte erzielen, die die Rahmenbedingungen soweit verändern, dass alte Regeln nicht mehr gelten und damit durch neue ersetzt werden.
Die Gemeinschaft, in welcher wir leben, brüstet sich damit, „frei“ zu sein. Nach den Definitionen von Politik, Wirtschaft und ähnlichen Konzepten mag dies sehr zutreffend sein. Nach den Maßstäben menschlicher Grundbedürfnisse kann ich dem leider nicht zustimmen. Die meisten von uns haben sich Zwängen unterworfen. Nicht, weil wir sie von der natürlichen Ordnung her notwendig sind, sondern weil sie uns als „normal“, „richtig“ und „notwendig“ nahegelegt worden sind. Dazu gehört auch das suchtgetriebene Konsumverhalten, welches ich in Teil 1 erläutert habe: Wer gesellschaftlich besonders geachtet sein will, muss sich potenziellem Suchtverhalten hingeben. Nahrungsmittel im Überfluss – sei es in Form von wiederkehrendem feudalen „Essen gehen“ in teuren Restaurants oder auch im eigenen Luxuskühlschrank. Dieser Kühlschrank steht im besten Fall in einer großen, imposanten Wohnung oder gar einem Haus mit den feinsten und besten Möbeln und einer Top-Ausstattung. Hinzu kommen Spielzeuge wir große Autos mit technisch hochwertigen Gimmicks und vielem mehr. In den Schränken findet sich Kleidung für jeden Anlass, in jeder Farbe, passend zu jedem paar Schuhe, für jeden Anlass, zu jeder Jahreszeit… Teufelskreise, die sich immer enger und enger um unser wahres Ich schnüren. Alle selbst eng miteinander verwoben, um uns mehr und mehr in einem Netz aus Süchten zu verfangen.
Sicherlich strebt nicht jeder von uns nach diesem „Mehr“. Ich kenne viele Menschen, die mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden sind, aber dennoch schwebt dieses Image als das höchste Gut über uns allen und gibt uns ein „Vorbild“, welches letzten Endes nichts mehr mit dem eigenen Glück zu tun hat, sondern mit Konsumsucht höchster Güte. Beinahe niemand von uns kann es sich heute leisten, auf bestimmte Güter zu verzichten. Allein schon, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, benötigen wir einen Computer, Internet, Mobiltelefon usw. Ohne diese Dinge wird es schwer, wenn nicht beinahe unmöglich, eine Bewerbung zu platzieren und für den potenziellen Arbeitgeber erreichbar zu sein. Und dies ist nur ein Beispiel für die Abhängigkeit von technischen Produkten und Dienstleistungen.
Wir bauen uns in unserem Konsumkreislauf ein gesellschaftliches Gefängnis und nehmen uns damit das, was wir uns eigentlich am sehnlichsten anstreben: Freiheit!
Es heißt oft so schön, Geld mache frei und glücklich. Ich korrigiere so eine Aussage eher und behaupte, Geld KANN frei und glücklich machen.

 

Und was Geld aus meiner Sicht in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielt, werde ich im 3. Teil mit Euch teilen.

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