Urlaub in einem kleinen Paradies: Das Steinnest – Teil 2

Neben der ungewöhnlich naturverbundenen Lebensart bietet das Steinnest natürlich noch weitere wunderbare Erlebnismöglichkeiten. Als ich im vergangenen Jahr erstmals dort gewesen bin, konnte ich mich erstmals seit den eher kläglichen Versuchen in der Jugend am Holzhacken versuchen. Um ehrlich zu sein, Holzhacken kann eine wunderbar zentrierend-ausgleichende Tätigkeit sein. Die umliegende Waldlandschaft mit ihren schönen Geräuschen birgt in Kombination mit dieser Arbeit großartigen Ausgleich für Geist und Seele. Obwohl es vorwiegend körperliches Arbeiten ist, will einem das Spalten des Holzes einfach am besten gelingen, je klarer und freier der Geist dabei ist. Es erinnert mich in dem Sinne beinahe an Yoga: So lange Du in Deinem Kopf Dein eigenes Versagen oder mangelndes Können trägst, wirst Du es nicht in die Dich herausfordernde Yoga-Asana schaffen, aber sobald der Geist von dieser „Idee“ frei ist, schaffst Du es. Das ist genauso bei den Holzstücken, die einem nicht so gut von der Hand gehen. Mit innerer Ruhe und Ausgeglichenheit klappt das direkt besser. Durch die Begeisterung im letzten Jahr konnte ich mich auch dieses Jahr nicht zurückhalten und habe zusammen mit Sandras Sohn Dennis einige Holzscheite für den anstehenden Herbst vorbereitet.2021 19Manchmal sind die gefällten Bäume jedoch an Stellen auf dem Grundstück, die einem auf Grund der Geländelage (steil und abschüssig) und durch über Jahre wuchernden Brombeerbüschen den Abtransport erschweren. Als langerprobter Allrounder hat Aaron meistens im Handumdrehen eine Lösung parat. Vergangenes Jahr war es an uns, einen gefällten Baumstamm in zerlegten Einzelstücken einen kleinen Abhang hoch zu transportieren. Der Weg „außen“ herum wäre zu weit und daher zu anstrengend gewesen. Also wird kurzerhand ein Flaschenzug konstruiert und die Stammteile in gemeinsamer Arbeit nach oben befördert.151314 11 12 Es gibt auch Tiere im Steinnest. Zunächst einmal nennen es vier Katzen ebenfalls Ihr zu Hause. Abgesehen von Vicky sind die anderen drei Katzen Lisio, Pauli und Tommy jedoch eher scheu und freunden sich erst nach und nach mit Besuchern an. Lisio allerdings recht schnell, sofern Mama Vicky im Vorfeld bereits Freundschaft geschlossen hat.22Außerdem gibt es Schafe. Die wollen natürlich auch versorgt und gepflegt werden. In den wärmeren Monaten weiden sie weitestgehend draußen und können sich auf einer unheimlich großen Weide satt fressen. Hin und wieder bedürfen sie aber auch ein wenig der Pflege, beispielsweise wenn die Hufe geschnitten werden müssen – quasi Maniküre und Pediküre am Schafe. Ich hatte im vergangenen Jahr auch hier das Vergnügen, dabei zu helfen. Dazu werden die Schafe auf Ihren Hosenboden gesetzt und ich habe sie dann sozusagen gestützt und festgehalten, während Aaron so relativ leicht an alle 4 Hufe kommen konnte, um die Hornschichten zu kürzen und zu säubern. Schließlich soll sich da ja nichts entzünden oder so. 1817 In diesem Jahr habe ich dabei geholfen, den Stall zu entmisten und neu mit Stroh auszulegen. Das ist eine dem Holzhacken ähnlich befreiende Arbeit, wenn auch wieder etwas anders. Berührungsängste mit tierischen Ausscheidungen sollte man dabei nicht haben, aber bedenkt man, dass das ausgemistete Material wunderbaren, natürlichen Dünger ergibt, wenn es erstmal ein wenig mehr verrottet, ist das alles schon halb so wild – immerhin kommt man im Steinnest ja auch in den Genuss des eigens angebauten Gemüses und das spricht wiederum für sich.23 24 Ein Bild von der Arbeit im Stall liegt mir leider nicht vor. Aaron und ich hatten einfach keine freie, saubere Hand, um selbst welche zu machen und die Dame des Hauses hatte an diesem Tag einfach „Hausdamendinge“ zu tun und stieß erst zu uns, als bereits alles fertig gewesen ist. Dennoch eine feine Arbeit und ein tolles Tagewerk.
Hühner gibt es leider im Moment nicht mehr im Steinnest. Wie es in der Natur vorkommt, gibt es räuberische Tiere, die einfach auch gerne einmal ein wenig Hühnchen auf ihrem Speiseplan stehen haben. Trotz unserer gemeinsamen Versuche, diesen Raubtieren das Eindringen in das Hühnergehege zu erschweren, sind im Laufe der vergangenen Monate leider alle Tiere den Räubern unterlegen gewesen. Da halfen auch unsere wunderbaren Seile nichts, die wir wie ein Dachgeflecht über der Auslauffläche angebracht hatten, um einem Greifvogel das Eindringen arg zu erschweren. Wenngleich es nur eine Annahme war, dass es ein Raubvogel gewesen sein könnte. Leider wurde der wahre Räuber bisher nie gesichtet, so dass keine konkreteren Maßnahmen zur Abwehr ergriffen werden konnten.
Seit diesem Frühjahr gibt es aber auch zwei Bienenvölker im Steinnest und ab nächsten Sommer voraussichtlich auch Honig aus eigener Herstellung. Dazu hat Aaron sich lange Zeit mit dem Thema Imkern und Bienenhaltung beschäftigt und eine für die Bienen schonende und stressreduzierte Haltung entschieden – eben so natürlich wie möglich und damit angepasst an das naturverbundene Leben im Steinnest.31 32

In diesem Jahr war ich zur richtigen Zeit im Steinnest, um aus den zahllosen Äpfeln, welche die Bäume dort über den Sommer trugen, wunderbaren Apfelsaft selbst zu pressen. Zunächst werden alle Apfel dafür gewaschen und anschließend von faulen oder wurmigen Stellen befreit. Anschließend werden die Äpfel mit einem großen Reibe in kleine Streifen gerieben. Im Prinzip wie ich es von meiner Oma kenne, wenn sie Kartoffeln für Reibepfannkuchen gemacht hat, nur ist die Apfelreibe ungleich größer. Diese Streifen werden dann in eine große Schale mit Ablauf, welches in einem Holzrahmen steht, in ein Tuch eingewickelt gegeben. Auf die eingewickelte Apfelmasse wird ebenfalls ein Brett gelegt und ein schlichter Wagenheber dann zwischen dieses Brett und den Holzrahmen gespannt. Durch den aufkommenden Druck ergeben sich mehrere Liter Saft (je nach Apfelmenge natürlich), welche dann aus der Schale abgefüllt werden. Ein paar Flaschen gehen in den Kühlschrank und können frisch verzehrt werden, der Rest wird abgekocht und dadurch haltbarer gemacht. Und Ihr könnt mir glauben, dass ein solch gepresster Saft einfach nur großartig schmeckt! Knappe 20 Liter konnten wir so in diesem Jahr gewinnen.

Viele weitere Aufgaben und Arbeiten stehen natürlich rund um das Jahr im Steinnest an. Beete müssen angelegt und gepflegt, sowie geerntet werden. Büsche müssen geschnitten werden – vor allem an den Seiten des Weges, welcher zum Steinnest führt – auch eine Aufgabe, die ich bereits mitmachen durfte. Außerdem müssen auch Rasenflächen gemäht werden und viele weitere Dinge, die einfach an einem solchen Ort mitten in der Natur anfallen.

Jedoch hat das Steinnest noch mehr zu bieten. Auch die Freizeit kommt hier natürlich nicht zu kurz und die Umgebung bietet wunderbare Möglichkeiten, erkundet zu werden. Darüber schreibe ich beim nächsten Mal, im dritten und voraussichtlich zunächst letzten Teil meines kleinen Reisereports.

Urlaub in einem kleinen Paradies: Das Steinnest – Teil 1

Ich durfte nun ein zweites Mal dort sein und nehme dies zum Anlass, Euch von einem wunderschönen Ort zu berichten, der jeden wieder ein kleines bisschen näher an die Natur heranbringen kann: Das Steinnest.03

Das Steinnest ist ein Ort, an dem Aaron nun schon über 10 Jahre lebt und seit einigen Monaten leben auch seine Freundin Sandra und ihr Sohn Dennis wieder dort. Ich kenne Sandra nun schon einige Zeit und sie hat mir bereits zu „Deutschlandzeiten“ immer wieder von ihrem zweiten Zuhause in Frankreich erzählt. Da ich selbst ja meinen kleinen Traum von einem großen Garten mit Obst und Gemüse habe, den ich auch fest entschlossen bin, auf die eine oder andere Weise in naher Zukunft umzusetzen, lag es nahe, mir einmal diesen feinen Ort anzuschauen. Nach einigen unserer Gespräche schlug Sandra vor, dass ich Aaron doch auch einfach mal besuchen könne und dann hätte ich eine wundervolle Möglichkeit, einen kleinen Einblick in eine Lebensweise zu bekommen, die nahezu autark und Großteils selbstversorgend ist. Bereits im Oktober letzten Jahres ging es dann das erste Mal nach Frankreich – mit Sandra und ihrem Sohn Dennis, die dort ebenfalls die Herbstferien verbrachten. In diesem Jahr habe ich die drei dort wieder besucht.07Schon bei der ersten Ankunft war mir schnell klar, dass das Steinnest ein Ort ist, an dem wohl jeder zu sich und der Natur finden kann. Aaron hatte einst eine alte Steinhausruine mit einem großen Stück Land erworben. Gelegen an den Ausläufern einer Bergkette der französischen Pyrenäen angrenzend an einen Wald, welcher sich aus den hohen Bergen dort ausgebreitet hat, bringt dieser Ort Stille in die Seele, den Geist und den Körper.
Abgesehen von einer Telefon- und Internetleitung gibt es nicht vieles, was das Steinnest mit den Infrastrukturen der angrenzenden französischen Gemeinden verbinden. Im wahrsten Sinne verbindet, denn seine Wasserversorgung entspringt einem kleinen Waldbach, welcher direkt an seinem Grundstuck verläuft.09 Strom kommt aus der eigens über Jahre immer weiter ausgebauten Solaranlage. Gewärmt wird das Wasser entweder durch einen holzbetriebenen Ofen in den Wintermonaten oder aber durch eine Wasseraufwärmanlage auf dem Hausdach in den Sommermonaten. Wie genau diese Anlage funktioniert, ist den Naturwissenschaftlern unter uns sicherlich bekannt. Ich weiß nur, dass es Glasröhren sind, in denen ein Vakuum herrscht und somit die Sonnenenergie das Wasser darin erhitzt… oder so ähnlich. 😉05

Wer das Steinnest besucht, kann beispielsweise wie ich in einer kleinen Holzhütte im Garten des Hauses wohnen – dem Hexenhaus. Ob darin wirklich mal eine Kräuterkundige gelebt hat, weiß ich nicht. Das ist eines der Geheimnisse dieses Ortes. Allerdings sollte sich jeder einer ganz wichtigen Sache bewusst sein: Luxus wie in einem 5-Sterne-Hotel ist hier völlig fehl am Platze und daher auch nicht vorzufinden. Das Hexenhaus hat dennoch alles, was man benötigt: Einen Ofen zum Heizen, eine kleine Küchenzeile mit Waschbecken und Gasherdplatten, einen Tisch zum Sitzen, ein Bett zum Schlafen. Zwei Erwachsene und zwei Kinder finden in der kleinen Hütte Platz, denn die Kleenen können auf einer kleinen zweiten „Dach-Etage“ ihr Haupt für die Nacht niederlegen.10Geduscht wird im angrenzenden Bad, allerdings muss man dafür das Hexenhaus verlassen – das Bad ist von außen zu erreichen. Direkt aus der Dusche heraus hat man einen wunderbaren Blick in den Garten und den angrenzenden Wald. Es ist beinahe, wie Duschen in freier Natur. Das Bad ist zwar grob gesehen „innenliegend“, aber auf Höhe von ca. 2 Metern ist die Wand zu einer Seite offen. Entsprechend ist die Körperpflege immer mit ausreichend frischer Luftzufuhr möglich. Das bedeutet allerdings in den kälteren Monaten auch entsprechende Temeraturen. Da macht das Duschen mit warmem Wasser direkt nochmal soviel Freude.
Um das tägliche „Geschäft“ zu erledigen, gibt es schlicht ein Plumpsklo draußen neben dem Hexenhaus. Hier wird der eine oder die andere sicherlich an Grenzen stoßen, aber wer die Natur liebt, wird sich nicht davon abschrecken lassen. Ich hätte nie gedacht, wie spannend es sein kann, wenn ich nachts einmal dringend raus muss und dabei einfach entspannt in den Garten blicken kann, während um mich herum ein Bach rauscht, der Wind durch die Blätter der Bäume raschelt und dazu die Käutzchenrufe das Naturkonzert vollenden.06Im Steinnest gibt es sonst aber noch viele weitere Dinge zu erleben und was genau ich da alles so erlebt habe, schildere ich im zweiten Teil meines kleinen Reisereports.
Wer bereits jetzt Lust auf mehr bekommen hat, sollte sich die Homepage des Steinnests anschauen und vielleicht einmal selbst dorthin fahren: http://www.steinnest.de
Es ist durch über den Flughafen Toulouse oder auch mit der Bahn zu erreichen. Nach Rücksprache kann Sandra Gäste von dort abholen. Wer die Umgebung selbst erkunden möchte, wird einen fahrbaren Untersatz benötigen. Mehr dazu aber wie gesagt im zweiten Teil.

Trauer und Tod – Nichts verlässt uns wirklich

Auf ganz unterschiedlichen Wegen begegnete mir das Thema „Tod“ in den vergangenen Wochen immer wieder. Nicht in meinem direkten familiären Umfeld, auch nicht im Kreise meiner Freunde, Bekannten und Kollegen, so dass ich selbst betroffen wäre. Es begegnen mir aber in meinem Umfeld derzeit Menschen, die selber gerade mit dem Tod auf die eine oder andere Weise konfrontiert sind. Einige haben enge Angehörige verloren, andere einen langjährigen tierischen Begleiter. Nachdem ich diesen Text bereits angefangen hatte, erfuhr ich die traurige Nachricht über einen Selbstmord in meiner direkten Nachbarschaft… So ist der Tod mir gerade sehr gegenwärtig…

In jedem dieser Fälle spüre ich die tiefe Trauer in den Herzen der betroffenen Menschen. Sie haben selbstverständlich das Gefühl eines Verlustes und scheuen die Veränderung, welche durch das beendete Leben auch ihr Leben aus den Bahnen zu werfen scheint. Wichtig in diesen Momenten sind das eigene Verständnis von Trauer und auch die Arbeit damit. Wie jedes Verlustgefühl scheint es uns sehr stark zu lähmen. Viele von uns sind in Momenten solcher Trauer nicht in der Lage, alltägliche Dinge zu vollziehen. Sie ziehen sich zurück in ihre kleine Welt, in welcher sie versuchen, das geliebte Wesen zu halten. Nichts soll weggehen, alles soll wieder so sein, wie noch wenige Tage zuvor. So lautet oft der größte Wunsch im Herzen. Dieser Rückzug stärkt aber das Trauergefühl oftmals in ein unermesslich hohes und leider auch unnötig starkes Maß. Die Trauer wird zum Antrieb des Tages. Sie ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Für eine gewisse Zeit ist dies ganz normal, aber wenn wir versäumen, das Gefühl anzunehmen und auch wieder gehen zu lassen, wird es zu einem festen Begleiter in unserem Leben und dieser wird uns immer wieder daran hindern, wirklich zu leben.
Andere trauernde Menschen gehen einen beinahe gegenteiligen Weg. Sie stürzen sich geradezu in Aufgaben. Sie nehmen besonders viel Arbeit auf sich und ersticken ihre Gefühle der Trauer in beinahe ungezieltem Aktionismus. In ihrem Beruf nehmen sie viele Projekte und Aufgaben an. Das langgeplante Gartenhaus wird zur Priorität Nummer 1. Alte Hobbies gewinnen plötzlich an zunehmender Wichtigkeit im Alltag. Freunde werden vereinnahmt, um jeden Abend nach der Arbeit auch bloß immer eine Beschäftigung zu haben. Feiern, Kino, Essen gehen, alles tun, um nur nicht mit der Trauer allein zu sein. In diesen Strategien, die rein der Verdrängung des Schmerzes dienen, findet sich leider auch längerfristig kaum Heilung. Der Schmerz wird nie zugelassen, nie angeschaut und auch nie als das Verstanden, was er eigentlich ist. Ein Teil unseres Selbst, welcher mit diesem Gefühl von Verlust eigentlich Frieden schließen soll. Indem wir den Schmerz verdrängen, fällt es uns noch schwerer, den verlorenen Menschen friedvoll loszulassen und uns gewiss zu werden, was der Tod überhaupt bedeutet.

Besonders schwer fällt es den Hinterbliebenen, wenn ein ihnen nahestehender Mensch sein Schicksal in die eigene Hand genommen hat, um sich das Leben zu nehmen. Schneidende Vorwürfe entstehen in den Gedanken, die immer wieder die Frage aufrufen, was man hätte anders machen können, um diese Tat zu verhindern. Wie man es hätte erkennen können, dass dieser Mensch so sehr leidet und keinen anderen Ausweg mehr wusste. Leider sind diese Fragen und Vorwürfe nicht heilend, sondern eher behindernd und je nach dem, wie lange sich der Betroffene damit quält, können sie sogar eine destruktive Natur annehmen. Sie halten uns fest an einem Moment, der längst vergangen ist. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, um etwas „anders“ zu tun oder um besser zu erkennen, wie es dem anderen erging. Kreisende Gedanken wie diese halten uns in der Vergangenheit und so können wir die Gegenwart nicht erleben. Doch nur in der Gegenwart liegt die Heilung vom Schmerz des Verlustes – wir haben nur die Gegenwart, den jetzigen Moment. Doch dies erkennen wir manchmal nicht, wenn wir den Tod so nah bei uns haben.

Als ich das letzte Mal mit dem Tod konfrontiert worden bin, habe ich natürlich weinen müssen und ich wusste auch, dass ich den geliebten Menschen nicht mehr sehen würde. Gespräche, Berührungen, jeglicher Austausch – all diese wundervollen Dinge würden sich nicht mehr für mich wiederholen lassen. Nicht mit diesem Menschen. Das Gefühl war überwältigend und hat sehr wehgetan. Ich habe irgendwann wahrgenommen, dass ich hier sehr stark an meinem eigenen „haben wollen“ gehangen habe. Wie ich schon oft angemerkt habe, ist jeder Verlust zunächst ein Gefühl, welches aus dem Ego entspringt, welches möchte, dass wir alles behalten, was wir haben etc. Und ja, es fällt uns dann schwer, los zu lassen. Im Prozess dieses Trauerns habe ich bald erkannt, dass dieser Mensch nicht mehr in meiner Gegenwart sein kann, da der Körper nicht mehr weiter existieren kann. Die Energie hatte ihn ja bereits verlassen. Jedoch ist diese Energie nicht verloren.
Ich hatte aus den wundervollen BBC-Dokumentationen „Wonders of Life“, „Wonders of the Universe“ und „Wonders of the Solar System“ Dinge gelernt, die mir zu diesem Verständnis sogar aus einer wissenschaftlichen Sicht verhalfen: Dort wurde erklärt, dass eines der naturwissenschaftlichen „Grundgesetze“ lautet, dass es eine endliche Menge Energie im Universum gibt. Teile dieser endlichen Menge wird immer dort weggenommen, wo sie nicht mehr benötigt werden, um dann dort eingesetzt zu werden, wo sie gerade gebraucht werden. Außerdem bedeutet „Leben“, dass Energie in verschiedensten Prozessen innerhalb eines „lebenden“ Organismus ausgetauscht wird und wenn der Energieaustausch darin vollkommen zum Erliegen kommt, stirbt der Körper. Nur muss diese Energie dann ja irgendwohin – eben dorthin, wo sie gebraucht wird. Energie wird nicht nur gebraucht, um Organismen am Leben zu erhalten, sondern auch, damit die Sonne Wärme abgeben kann oder Wasser zu Wolken verdunstet und so weiter.
Die wundervolle Erkenntnis daraus war für mich, dass diese Seele – die Energie – des von mir gegangenen Menschen nun irgendwo hin gegangen war, wo sie gebraucht wurde. Das war ein ganz feiner Gedanke. Ich konnte einen großen Teil meiner Trauer bereits damit gehen lassen. Ich wusste, dass der Tod Veränderung mit sich brachte. Aber ich verstand nun auch, dass die Veränderung nicht ganz so gravierend und endgültig war, wie ich sie vorher empfunden hatte.

Jedes Mal, wenn der Regen an meine Fenster prasselte, habe ich einen Teil des geliebten Menschen gespürt. In Form der Energie, die freigesetzt und verbraucht wird, wenn Wasser zu Wolken verdunstet, um dann wieder als Regen zur Erde zu fallen.
In jedem Windhauch, der die Blätter der Bäume zum Rauschen bringt…
In jedem Lachen eines kleinen Kindes beim Spielen im Garten…
Durch jeden Sonnenstrahl, der an Sommertagen meine Haut und meinen Körper wärmst…
Beim Bellen eines Hundes, beim Flügelschlag eines Vogels, beim Wachsen einer Pflanze…
Wer auch immer von Dir gegangen ist, wird niemals ganz von Dir fortgegangen sein. Die Form hat sich verändert, die Gewohnheit ist damit gegangen, aber die Seele die einfach nur den Körper verlassen hat, wird niemals fort sein. Du kannst sie sehen, Du kannst sie fühlen, Du kannst sie hören und riechen, manchmal sogar schmecken. In allem, das Dich umgibt. In jedem Herzschlag eines Menschen, den Du umarmst kannst Du den Funken spüren. Wir alle sind eins und kommen und gehen in diesen Körpern auf eine Reise, um uns und andere zu erfahren. Nichts verlässt uns wirklich, alles ist stets bei uns – in steter Veränderung.

Ich wünsche allen Menschen, dass sie die Kraft und ihren Weg finden, mit dem Verlust durch den Tod Frieden zu schließen. Mit meinem Herzen bin ich bei Euch allen!

 

Anmerkung: Ich habe für mich eine Antwort auf viele Fragen – beispielsweise warum es Selbstmord überhaupt gibt – in den Worten von Neale Donald Walsh in seinen Büchern „Gespräche mit Gott“ gefunden. Er schreibt auf eine für mich plausible und verständliche Art, warum die Seelen, die wir wirklich sind, in unseren menschlichen Körpern solche Erfahrungen machen. Da wir alle eins sind, vollkommen verbunden und das in perfekter energetischer Art, können wir nicht genau wissen, wer wir sind. Denn es gibt nur das EINE und ohne die Referenz des ANDEREN, können wir nicht wirklich erleben und begreifen, was und wer wir sind. Also gehen wir in Form einer Seele in einen körperlichen Zustand und sehen wir uns in dieser Form immer wieder diversen Erfahrungen und Erlebnissen ausgesetzt. So erkennen wir, was und wer wir sind, beziehungsweise was und wer wir nicht sind.
Es wird vielen schwer fallen, ohne weitere Erläuterungen genau nachzuvollziehen, was Walsh genau damit sagen möchte. Doch dies lässt sich in seinen Büchern wunderbar nachvollziehen.

Gedanken der Selbstverleugnung

WOW, die Zeit vergeht. Seit nunmehr drei Wochen melde ich mich heute mit meinen Gedanken wieder einmal zu Wort. Inspiriert von Dingen, die ich jüngst erlebt habe. Es ist nicht neu, wenn ich hier noch einmal erwähne, dass all das Erleben, Lernen, Erfahren und Verstehen in unserem Leben niemals wirklich aufhört. Immer wieder geschehen Dinge, die uns eine neue Erkenntnis an die Hand geben und unsere Wahrnehmung des Außen, aber auch des inneren Selbst verändern. In diesem ganzen “Prozess“ einer bewusster werdenden Wahrnehmung, fallen uns dann immer wieder neue Dinge auf. Ein sich immer wieder selbst erhaltender Kreislauf. Ich habe zum Beispiel durch drei verschiedene Gespräche und Situationen am Wochenende mit sehr lieben Freunden festgestellt, dass ich mir viel weniger Gedanken über und in bestimmten Situationen mache, als früher. Sei es nun, wenn es um Gespräche mit Vorgesetzten geht, Termine mit Banken und Versicherungen oder Kunden bzw. Klienten oder aber beim Kennenlernen neuer Menschen.

Ihr kennt das sicherlich alle. Ihr trefft einen Menschen. Dieser ist sehr interessant und spricht Euch vielleicht intellektuell wie auch körperlich an und plötzlich keimt im Kopf eine Frage auf: „Sehen meine Haare auch gut aus?“ Oder wir sind unsicher, darüber, ob die Schuhe, die wir gerade tragen wirklich zu unserer restlichen Kleidung passen. Dem einen oder der anderen wird folgende, schon in Filmen und Büchern aufgegriffene Situation sicherlich auch bekannt vorkommen: Wir haben mit einem tollen Menschen eine erste Nacht verbracht und wachen gemeinsam am folgenden Tag auf. Unser erster Gedanken ist, ob unser Atem schlecht ist oder wir nun anderweitig am Körper unangenehm riechen.
Egal in welcher dieser Situationen – Wir verlieren uns in wildesten Gedankenspielen darüber, ob wir so, wie wir sind, auch wirklich gut sind. Ob wir so, wie wir sind, dem anderen genügen. Ob wir nicht vielleicht besser oder anders sein könnten oder sogar sollten. Und da sage ich ganz klar, in vollem Bewusstsein und aus tiefstem Herzen: NEIN. Wir sind in diesen Momenten mit den unpassenden Schuhen, den wirren Haaren, den ganz natürlichen Gerüchen unseres Körpers nach einer Nacht voller Leidenschaft absolut und genauso richtig, wie wir sind. Wie sollten wir auch nicht richtig sein können?

All diese Gedanken sind eigentlich nicht bezogen auf die andere Person, die da mit uns den gleichen Moment und die gleiche Situation teilt. Es geht uns nicht darum, dass wir diesem Menschen einen schlimmen Anblick auf Grund schlecht sitzender Haare oder farblich katastrophaler Schuhe ersparen wollen. Im Zweifel ist es uns auch egal, ob unser Atem dem anderen die Luft raubt. Nein, wir sind tief unter diesen selbstlosen Fragen des Wohlbefindens der anderen Person zutiefst egoistisch. Wir benutzen diese andere Person nämlich lediglich als ein Gefäß für unsere Unsicherheiten und Unzufriedenheiten über uns selbst. Wir stellen uns als vollkommene Wesen wieder einmal in Frage und wollen uns nicht zugestehen, dass es nichts, aber auch absolut nichts gibt, was nicht völlig in Ordnung und perfekt wäre. Wir nehmen den anderen als Spiegel für uns und versuchen, uns durch dessen Augen zu betrachten. Dabei machen wir uns schlechter, als wir wirklich sind. Wir bewerten uns durch dritte Augen und wissen nicht einmal, ob es wirklich die Perspektive des anderen ist. Vielleicht findet der andere unsere wirre Frisur großartig, weil sie unsere Kreativität so wundervoll zeigt. Vielleicht ist der andere angetan von unserem Mut, einfach auch einmal gegen die aufgedrückten Regeln der Mode zu verstoßen und Schuhe zu tragen, die nicht so ganz zum Rest unseres Outfits passen. Möglicherweise ist unser Körpergeruch am Morgen eine Inspiration für den anderen, weil er oder sie uns einfach so unglaublich gut riechen kann, dass es beflügelt und ein tiefstes Gefühl der Glückseligkeit verschafft oder aber einfach noch einmal hemmungslose Leidenschaft hervorruft. Großartig, oder?

Aber wir sehen es häufig leider nicht aus dieser Warte, sondern verurteilen uns selbst in unserem eigenen Sein. Am Ende sind wir dadurch blockiert und können unsere Bedürfnisse nicht richtig äußern und unsere wundervollen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht wahrlich zum Ausdruck bringen. Wir sind nicht authentisch und früher oder später ist es genau das, was dieser andere wunderbare Mensch merken und oftmals zunächst unterbewusst erkennen wird. Es wird ihn dazu bringen, sich von uns zu entfernen.

Wenn wir uns selbst nicht so lieben und annehmen können, wie wir sind, kann dies auch ein anderer nicht für besonders lange Zeit. Oder nein, es ist so nicht ganz richtig ausgedrückt. Lieben kann uns ein anderer Mensch sehr wohl auch dann, aber es fällt schwer, dann für lange Zeit bei uns zu sein. Wenn wir uns selber leugnen, uns vor uns selbst verstecken, dann kann auch ein anderer Mensch nicht an unserer wahres Ich herantreten und die wundervollen Momente des Lebens mit uns teilen – wie auch, wenn wir uns doch mit aller Kraft vor uns selber verstecken und uns vor uns selbst verleugnen. Wenn wir es schaffen, uns immer wieder ein wenig mehr von diesen zweifelhaften Gedanken zu befreien, hilft es uns, uns selber zu verstehen. Wir legen damit wieder ein kleines Stück unserer tief versteckten Seele frei und können uns selbst als das wundervolle Wesen erleben, welches wir alle sind.

Als ich heute Morgen meine Morgenseiten schrieb, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich solche Gedanken früher sehr häufig hatte und ich sie derzeit fast gar nicht mehr habe, oder aber dass sich zumindest das Maß an solcherlei Gedanken verringert hat. Es war ein Moment großer innerer Freude. Nicht des Triumphes über mich selbst, nein vielmehr ein Gefühl der Ruhe und Entspanntheit. Es geht auch nicht darum, es jetzt „geschafft“ zu haben, denn ich weiß, dass es leicht passieren kann, dass uns alle ein solcher Gedanke wieder einmal „heimsucht“. Daran ist nichts Schlimmes oder Schlechtes zu finden. Wie immer bleibt uns nur, die Frage zu beantworten, ob wir es erkennen und daraus etwas kreieren wollen oder ob wir uns entscheiden, dies nicht zu tun.

Wir alle entscheiden, jede und jeder für sich, ob wir erkennen und erleben wollen. Das tut niemand sonst für uns. Ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben, zu erkennen und zu erleben. Wozu entscheidest Du Dich?