Gedanken der Selbstverleugnung

WOW, die Zeit vergeht. Seit nunmehr drei Wochen melde ich mich heute mit meinen Gedanken wieder einmal zu Wort. Inspiriert von Dingen, die ich jüngst erlebt habe. Es ist nicht neu, wenn ich hier noch einmal erwähne, dass all das Erleben, Lernen, Erfahren und Verstehen in unserem Leben niemals wirklich aufhört. Immer wieder geschehen Dinge, die uns eine neue Erkenntnis an die Hand geben und unsere Wahrnehmung des Außen, aber auch des inneren Selbst verändern. In diesem ganzen “Prozess“ einer bewusster werdenden Wahrnehmung, fallen uns dann immer wieder neue Dinge auf. Ein sich immer wieder selbst erhaltender Kreislauf. Ich habe zum Beispiel durch drei verschiedene Gespräche und Situationen am Wochenende mit sehr lieben Freunden festgestellt, dass ich mir viel weniger Gedanken über und in bestimmten Situationen mache, als früher. Sei es nun, wenn es um Gespräche mit Vorgesetzten geht, Termine mit Banken und Versicherungen oder Kunden bzw. Klienten oder aber beim Kennenlernen neuer Menschen.

Ihr kennt das sicherlich alle. Ihr trefft einen Menschen. Dieser ist sehr interessant und spricht Euch vielleicht intellektuell wie auch körperlich an und plötzlich keimt im Kopf eine Frage auf: „Sehen meine Haare auch gut aus?“ Oder wir sind unsicher, darüber, ob die Schuhe, die wir gerade tragen wirklich zu unserer restlichen Kleidung passen. Dem einen oder der anderen wird folgende, schon in Filmen und Büchern aufgegriffene Situation sicherlich auch bekannt vorkommen: Wir haben mit einem tollen Menschen eine erste Nacht verbracht und wachen gemeinsam am folgenden Tag auf. Unser erster Gedanken ist, ob unser Atem schlecht ist oder wir nun anderweitig am Körper unangenehm riechen.
Egal in welcher dieser Situationen – Wir verlieren uns in wildesten Gedankenspielen darüber, ob wir so, wie wir sind, auch wirklich gut sind. Ob wir so, wie wir sind, dem anderen genügen. Ob wir nicht vielleicht besser oder anders sein könnten oder sogar sollten. Und da sage ich ganz klar, in vollem Bewusstsein und aus tiefstem Herzen: NEIN. Wir sind in diesen Momenten mit den unpassenden Schuhen, den wirren Haaren, den ganz natürlichen Gerüchen unseres Körpers nach einer Nacht voller Leidenschaft absolut und genauso richtig, wie wir sind. Wie sollten wir auch nicht richtig sein können?

All diese Gedanken sind eigentlich nicht bezogen auf die andere Person, die da mit uns den gleichen Moment und die gleiche Situation teilt. Es geht uns nicht darum, dass wir diesem Menschen einen schlimmen Anblick auf Grund schlecht sitzender Haare oder farblich katastrophaler Schuhe ersparen wollen. Im Zweifel ist es uns auch egal, ob unser Atem dem anderen die Luft raubt. Nein, wir sind tief unter diesen selbstlosen Fragen des Wohlbefindens der anderen Person zutiefst egoistisch. Wir benutzen diese andere Person nämlich lediglich als ein Gefäß für unsere Unsicherheiten und Unzufriedenheiten über uns selbst. Wir stellen uns als vollkommene Wesen wieder einmal in Frage und wollen uns nicht zugestehen, dass es nichts, aber auch absolut nichts gibt, was nicht völlig in Ordnung und perfekt wäre. Wir nehmen den anderen als Spiegel für uns und versuchen, uns durch dessen Augen zu betrachten. Dabei machen wir uns schlechter, als wir wirklich sind. Wir bewerten uns durch dritte Augen und wissen nicht einmal, ob es wirklich die Perspektive des anderen ist. Vielleicht findet der andere unsere wirre Frisur großartig, weil sie unsere Kreativität so wundervoll zeigt. Vielleicht ist der andere angetan von unserem Mut, einfach auch einmal gegen die aufgedrückten Regeln der Mode zu verstoßen und Schuhe zu tragen, die nicht so ganz zum Rest unseres Outfits passen. Möglicherweise ist unser Körpergeruch am Morgen eine Inspiration für den anderen, weil er oder sie uns einfach so unglaublich gut riechen kann, dass es beflügelt und ein tiefstes Gefühl der Glückseligkeit verschafft oder aber einfach noch einmal hemmungslose Leidenschaft hervorruft. Großartig, oder?

Aber wir sehen es häufig leider nicht aus dieser Warte, sondern verurteilen uns selbst in unserem eigenen Sein. Am Ende sind wir dadurch blockiert und können unsere Bedürfnisse nicht richtig äußern und unsere wundervollen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht wahrlich zum Ausdruck bringen. Wir sind nicht authentisch und früher oder später ist es genau das, was dieser andere wunderbare Mensch merken und oftmals zunächst unterbewusst erkennen wird. Es wird ihn dazu bringen, sich von uns zu entfernen.

Wenn wir uns selbst nicht so lieben und annehmen können, wie wir sind, kann dies auch ein anderer nicht für besonders lange Zeit. Oder nein, es ist so nicht ganz richtig ausgedrückt. Lieben kann uns ein anderer Mensch sehr wohl auch dann, aber es fällt schwer, dann für lange Zeit bei uns zu sein. Wenn wir uns selber leugnen, uns vor uns selbst verstecken, dann kann auch ein anderer Mensch nicht an unserer wahres Ich herantreten und die wundervollen Momente des Lebens mit uns teilen – wie auch, wenn wir uns doch mit aller Kraft vor uns selber verstecken und uns vor uns selbst verleugnen. Wenn wir es schaffen, uns immer wieder ein wenig mehr von diesen zweifelhaften Gedanken zu befreien, hilft es uns, uns selber zu verstehen. Wir legen damit wieder ein kleines Stück unserer tief versteckten Seele frei und können uns selbst als das wundervolle Wesen erleben, welches wir alle sind.

Als ich heute Morgen meine Morgenseiten schrieb, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich solche Gedanken früher sehr häufig hatte und ich sie derzeit fast gar nicht mehr habe, oder aber dass sich zumindest das Maß an solcherlei Gedanken verringert hat. Es war ein Moment großer innerer Freude. Nicht des Triumphes über mich selbst, nein vielmehr ein Gefühl der Ruhe und Entspanntheit. Es geht auch nicht darum, es jetzt „geschafft“ zu haben, denn ich weiß, dass es leicht passieren kann, dass uns alle ein solcher Gedanke wieder einmal „heimsucht“. Daran ist nichts Schlimmes oder Schlechtes zu finden. Wie immer bleibt uns nur, die Frage zu beantworten, ob wir es erkennen und daraus etwas kreieren wollen oder ob wir uns entscheiden, dies nicht zu tun.

Wir alle entscheiden, jede und jeder für sich, ob wir erkennen und erleben wollen. Das tut niemand sonst für uns. Ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben, zu erkennen und zu erleben. Wozu entscheidest Du Dich?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s