Perspektiven der Wahrnehmung

Seit einigen Tagen kränkele ich nun schon etwas herum. Ich hatte mich sowieso schon gefragt, wann denn mein Schutzschild „endlich“ aufgibt und somit Bakterium und Virus freien Einzug in den Körper lässt, wo doch sowieso fast alle um mich herum in den letzten Wochen durch Husten und Schnupfen geplagt waren. Ich habe ja meine eigene Auffassung darüber, warum wir krank werden und die weicht ein wenig von der eindimensionalen Sicht der Schulmedizin ab. Dennoch ist es wahrscheinlicher, wenn sowieso gerade viele Erreger in der Gegen unterwegs sind, dass diese dann auch ihre nervigen Auswirkungen im Körper lostreten können. Wie auch immer, seit Tagen schleppe ich nun irgendetwas mit mir herum, ohne dass es sich wirklich manifestieren wollte. Aber es war da… Abgeschlagen, müde, etwas schwummerig – das sind die typischen Vorboten bei mir, welche ich schon einige Tage unterschwellig spürte. Mir wurde dann im direkten sozialen Umfeld auch das eine oder andere Mal mit beachtlich großer Überzeugung unterbreitet, wie schade es doch sei, wenn ich nun krank würde, wo doch das Wetter am Wochenende so toll werden wird. Mein einziger Gedanke dabei war, dass ich darauf nun mal keinen Einfluss habe, dass das Wetter ausgerechnet dann gut wird, wenn ich mich krank fühle und daher sicherlich mein Leben nicht in einem Zustand katastrophaler Verzweiflung fallen würde. Aber ich kenne ja meine Freunde und Bekannten und weiß, dass sie es ja nur gut meinen und ihr Bedauern ausdrücken wollen.
Wie auch immer, den gestrigen Tag konnte ich trotz dieses kodderigen Grundgefühls sogar sehr genießen. Wie das sein kann? Ja, das ist eine gute Frage. Ich habe, wie beinahe jedem Samstag, meine frühe Yoga-Praxis genossen und wie konnte es auch anders sein, meine Yoga-Lehrerin hatte promt die Kräftigung des Immunsystems auf dem Programm. Wer es nicht weiß: Im Yoga kann man sich durchaus einen Fokus setzen, worin genau sozusagen das Ziel einer Stunde liegen soll. Aber auch der Lehrer kann durch die Wahl der Asanas bestimmte Meridiane und Energiebahnen gezielt aktivieren und mache sind eben gut für die Organe, andere für das Immunsystem und so weiter an. Nach dem Yoga habe ich dann auch noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Das Wetter war ja nun mal so schön und das muss doch genutzt werden. Nein, in der Tat habe ich das genossen, weil ich es genießen wollte und nicht weil es gerade schön war und ich es genießen musste. Außerdem stand noch ein kurzes Treffen mit einer sehr lieben Frau auf dem Programm, die ich vor fast zwei Jahren, nämlich Silvester 2012/2013 kennengelernt habe. Das ist übrigens ein Erlebnis, von dem ich auch einmal schreiben könnte, aber das würde den Rahmen heute sprengen. Es gibt ja noch andere Tage, tage an denen es regnet oder so. Wie auch immer, ich freute mich also auf meine kleine Verabredung, habe darüber hinaus noch ein paar Lebensmittel eingekauft, abends lecker gekocht, gelesen und entspannt. Spricht, ich habe den Tag somit rundherum genossen.
Als ich dann heute Morgen erstmalig wach wurde, war sofort klar, dass ich mein sonntägliches ca. zweistündiges Ausdauersportprogramm mal schön streichen konnte, denn mein Kreislauf machte deutlich, dass das auf gar keinen Fall zur Debatte stand. Ich habe also meinen Mitstreitern in den Kursen kurz eine Nachricht geschrieben, dass ich nicht dabei sein werde, mich danach nochmal umgedreht und kurzerhand bis 11.22h weiter geschlafen. Dann wurde ich jedoch durch die unmissverständliche Botschaft meines Körpers geweckt, die da lautete, dass ich mich schnellstens in Richtung Badezimmer zu bewegen habe. Die kleinen, jedoch beständig und recht kurzfristig stärker werdenden Krämpfe im Darmbereich ließen mich ahnen, dass die Kränkelei nun wohl endlich ihren Weg nach außen finden wollte – Im wahrsten Sinne des Wortes. Details will ich Euch an dieser Stelle ersparen, aber wir wissen wohl alle, wie sich das anfühlt.
Nachdem mein stoffliches Wesen sich nun also diverser Dinge entledigt hatte, warf ich einen Blick nach draußen und mir wurde klar, dass ich ja auch heute einen wundervoll sonnigen Tag „verpasse“, weil ich ja so schrecklich krank bin und alles so grausam und fürchterlich ist und überhaupt das Leben so ungerecht ist, dass es mir das antut… Häh? Moment mal, so denke ich doch gar nicht mehr…
Es ist doch am Ende meine Entscheidung, was genau ich mit dieser Situation mache. Ja, wenn uns der Darm im Stich lässt, wollen wir sicherlich nicht den ganzen Tag unterwegs sein, um dann in diesen Momenten der einsetzenden Krämpfe panisch nach einem stillen Örtchen zu suchen, welches dann auch noch zu großer Wahrscheinlichkeit besetzt ist. Wie könnte es auch frei sein, wenn wir uns doch schon einreden, dass es bestimmt besetzt ist. Das Universum KANN dann ja nicht anders, als uns diesen Wunsch zu erfüllen. Und dennoch kann ich meinen Tag genießen, oder?
Na klar kann ich das. Ich sitze einfach gerade mit einer Kanne Tee – passenderweise hatte ich noch entsprechend magen- und darmwirksamen Kräutertee im Haus – und schreibe mir einfach frei von der Seele, was ich gerade denke und fühle und bin ganz erstaunt ob der Heiterkeit, die sich hoffentlich auch in diesen Worten übertragt. Die Sonne scheint dabei und es fühlt sich wärmer an, als an so manchem Tag im Juli und August diesen Jahres. Was bitte will ich denn mehr?
Jaja, ich weiß, es könnte viel toller sein, wenn da eben nicht der Kräutertee stehen müsste, sondern vielleicht ein Cuba libre mit Eiswürfeln und so einem Papierschirmchen, bei denen ich mich immer noch frage warum die im Design nicht mal auf das neue Jahrtausend aktualisiert werden. Nein, eigentlich frage ich mich, warum die überhaupt noch hergestellt werden. Die gehören in diese Kategorie von Dingen, die die Welt nicht braucht, aber doch immer da sind.
Aber zurück zum Thema: WER bitte entscheidet, dass das eine besser und angenehmer ist, als das andere? Das mache ich doch selbst! Es liegt doch in meiner Verantwortung, wie ich die Dinge, die gerade den Ist-Zustand prägen, sehe und empfinde. Nicht das außen bestimmt meine Wahrnehmung.
Ich höre beinahe in meinen Ohren die Worte, wie ich sie von einigen Freunden, Bekannten, Verwandten oder auch Kollegen kenne: „Ach ja, das ist ja schön, aber schade, dass es nicht noch schöner sein kann und Du dabei gesund bist.“ Bitte? Es könnte noch viel schlimmer sein, worüber ich aber gar nicht nachdenken mag, weil das absolut überflüssig ist. Wieso sollte ich mir ausmalen,, wie viel schlimmer es mir gehen könnte. Es geht mir gut, trotz dieses Gegrummels, also belassen wir es auch dabei. Genauso ist es vertane Energie, sich darüber Gedanken zu machen, wie viel besser es wäre, wenn ich gesund sein würde. Ich BIN es nun mal gerade nicht und daher bin ich doch einfach nur dankbar, dass immerhin die Sonne scheint und ich nicht zu krank bin, sondern ich diese noch genießen kann.
Tja und da kommt sie ins Spiel – die Perspektive. Sie ist einfach der maßgebliche Teil unserer Wahrnehmung. Es ist die Perspektive, die uns die Realität so erleben lässt, wie wir sie erleben. Es ist dabei unsere eigene Entscheidung, welche „Brille“ wir aufsetzen und wie wir damit unsere Umgebung filtern. Es ist Mitte Oktober, die Sonne scheint und es sind gefühlte 30 Grad. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie ich dies wahrnehmen kann:
Ich kann es einfach mal so hinnehmen, dass es trotz der späten Jahreszeit noch einmal richtig warm ist und setze mich nach draußen und genieße die wärmende Kraft, die die Sonne heute hat.
Ich könnte mich aber auch aufregen, dass es den ganzen Sommer über nur so schlecht war und ausgerechnet jetzt, wo die Tage nur so kurz sind und man doch fast gar nichts mehr davon hat, scheint die Sonne aus allen Löchern. Ich könnte mich weiter da hinein steigern aufregen, wie ungerecht die Welt und die Sonne doch ist und den Tag verfluchen und einfach schlecht drauf sein.
Ich kann ebenso gut rumjammern, dass es für Oktober doch viel zu heiß ist und dass es ja nie das gesunde Mittelmaß gibt und wir schon so ewig lang immer nur kalt und Regen oder heiß und Sonne haben und es nie so richtig angenehm ist und auch das ist so ungerecht und ich verfluche die Welt und habe einen bescheidenen Tag.
Das Dumme dabei ist nur, dass es immer noch meine eigene Entscheidung ist, wie ich den Tag erlebe. Die Sonne trägt daran keine Schuld und auch nicht die Tatsache, dass sie gerade ein wenig zu heiß für diese Jahreszeit ist. (Wer sagt überhaupt, wann es für welche Jahreszeit zu heiß ist?) Nein, es ist meine eigene Verantwortung zu entscheiden, wie ich die Sonne an diesem Tag wahrnehme.
Genauso ist es auch mit meiner Kränkelei. Ich könnte nun rumjammern, dass ich ja eigentlich gerne zum Sport wollte und vielleicht mit meinen Sportmädels im Anschluss noch ein letztes Eis aus Kölns bester Innenstadteisdiele hätte genießen können. Es wäre mir möglich mich darüber ärgern, dass das allgemeine Unwohlsein es mir sowieso vermiest, die Sonne zu genießen, einfach weil das krank fühlen sowieso von Haus aus Mist ist und alles dadurch einfach doof wird. Pfff, wenn ich diese Gedanken so aufschreibe, muss ich zwangsläufig an trotzige Kinder denken, die nicht das bekommen, was sie wollen und wenn wir eins wissen, dann dass trotzige Kinder keine angenehmen Zeitgenossen sind. Warum also sollte ich mir selber antun, zu einen trotzigen Kind zu werden, wenn draußen doch so wundervoll die Sonne scheint und ich die Wärme der Sonnenenergie auf meiner Haut spüren kann? Dabei lehne ich mich doch lieber entspannt zurück und höre etwas meditative Musik oder lese ein lustiges Buch. Das lese ich in der Tat gerade und ich habe Autorin Bettina Hennig versprochen, es Euch ans Herz zu legen, wenn es mir gefällt und es gefällt mir bisher sehr gut! Dazu dann zu gegebener Zeit mehr und an dieser Stelle, zurück zum Thema: Ja, Lesen oder Musik in der Sonne hören und dabei entspannt den gegenwärtigen Moment genießen wird sicherlich meinem Metabolismus eher zu Gute komme und die Genesung begünstigen, als die Rumzankerei mit mir selber, die energetisch auf so niedrigem Niveau von statten geht, dass der Körper fast schon verzweifelt, weil er den Weg zum gesunden „Normalzustnd“ gar nicht mehr findet…
Und damit komme ich zwangsläufig erneut zu dem Schluss, dass es eben einfach in mir selbst und an mir selbst ist, wie ich den Tag erlebe und wie meine Realität sich gestalten soll. Da ist kein anderer, der die Schalter drückt oder das wirklich beeinflussen kann.
Dabei fällt mir noch ein, was so oft in Gesprächen mit anderen Menschen auftaucht und von dem auch ich mich natürlich nicht immer frei machen kann. Wenn wir uns nämlich beispielsweise mit Freunden über erlebte Konflikte austauschen und gerne ein Satz fällt wie: „Boah, der hat mich so genervt, dass…“. Eigentlich ist das nicht richtig und es würde helfen, wenn wir während dieses Gedanken einmal die Perspektive wählen, mit der wir in der Lage sind, selbstbestimmt das Leben zu leben. Dazu brauchen wir diesen Satz nur umformulieren und schon hat der, der uns genervt hat, direkt keine Macht und keinen Einfluss mehr auf uns. Wir machen daraus einfach: „Boah, ich hab mich von dem so nerven lassen, dass…“, und alles wird plötzlich viel einfacher. Ich kann sofort entscheiden, dass ich mich einfach ab sofort nicht mehr von dem anderen nerven lasse. Das geht leider nicht, wenn der andere mich genervt hat… wie soll ich da – also wie könnte ich da – hmm…
Eben. Damit obliegt uns nicht mehr die Möglichkeit der Entscheidung. In vielen Situationen reicht dieser kleine Wechsel der Perspektive, der uns ermöglicht, den Tag bewusst zu genießen, egal mit welchen Überraschungen er auf uns wartet.
Ich überlasse Euch nun Eurem Sonntagskuchen oder was auch immer Ihr so zu tun vorhabt. Ich erfreue mich immer noch der Tatsache, dass mein Körper so wunderbar funktioniert und sich zu wehren weiß, wenn etwas in ihm arbeitet, dass da an sich nichts zu suchen hat und genieße weiter die Sonne…
Warum auch nicht..?
Was sollte mich davon abhalten..?
Achja, ich bin ja krank. Boah, ist das Scheiße. Das nervt mich so sehr, dass ich es gar nicht in der Sonne aushalte. Die ist ja eh viel zu heiß für Oktober. Dass es aber auch nie mal Wetter gibt, welches ausgewogen ist. Immer nur kalt und Regen oder Sonne und megaheiß. Mann, das Leben ist aber so was von ungerecht…
Schönen Sontag und einen grandiosen Wochenstart! 😉

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