In schlechter Stimmung

Gestern war ein subjektiv gesehen guter Tag!
Eine liebe Freundin berichtete mir von einem guten Erlebnis und ich hatte eine tolle Sitzung mit einer Klientin. Ich durfte leckeren Rotwein mit Freunden genießen und habe mich erneut in das Fahrradfahren verliebt. Ich hatte bis vor kurzem kein Fahrrad und war erprobter Bus- und Bahnnutzer der öffentlichen Verkehrsmittel in Köln. Doch nun geht es wieder ans Radeln. Wunderbar!

Doch heute Morgen bin ich aufgewacht und es hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Was war passiert? Mein Kopf schmerzte – nein nicht durch zu viel Rotwein, sondern vielmehr von der linken Schulter herauf. Das war aber noch nicht alles, denn auch eine unangenehme, gedrückte Stimmung hatte sich über Nacht in mir manifestiert. Manch einer würde es mit der Herbststimmung begründen, doch ich war noch nie anfällig für diese depressiven Schübe, wie sie manch anderer in der dunkleren Jahreshälfte verspürt. Es dürfte also etwas anderes dahinter stecken. Erschwerend hinzu kam, dass mein Wecker auch nicht geklingelt hatte wie geplant, denn der Akku war über Nacht zur Neige gegangen. Ich war zwar noch rechtzeitig wach geworden, um meinen Yogakurs pünktlich zu erreichen, aber irgendwie fühlte ich mich einfach nach keinerlei Aktivität.

Da ich aus der Erfahrung weiß, dass Yoga, Meditation, Theki und viele andere Dinge auch in solchen Empfindungsphasen sehr zuträglich sein können, habe ich mir ein kleines Frühstück bereitet, geduscht und soweit fertig gemacht, um in die Yogastunde zu gehen. Dennoch – ich hatte zu viel getrödelt und war um 10.12h bereit, mich auf den Weg zu machen. Um 10.30h ging der Kurs los. Ich habe mir mein Fahrrad geschnappt, ohne welches ich den Kurs niemals erreicht hätte und bin, wenn auch etwas verschwitzt und gestresst, rechtzeitig angekommen.

Meine Yogalehrerin unterrichtete wie immer eine sehr schöne Stunde, aber ich war einfach nicht bei mir, nicht so wie sonst. Meine Hände sind auf der Matte gerutscht, was mir oft so geht, aber heute nervte es mich. Ich konnte nicht frei und tief atmen und so eine gewisse innere Sperre war einfach vorhanden. Als ich die Stunde verließ, war ich immer noch in gedrückter Stimmung, mit Schmerzen in Kopf und linker Schulter und radelte nach Hause – unzufrieden, genervt, unausgeglichen. Dort angekommen habe ich meinen Einkaufszettel geschrieben, da ich dringend noch Lebensmittel benötigte, um am Wochenende genug Nahrung zubereiten zu können. Auch dazu hatte ich keine Lust und meine Motivation lag förmlich am Boden. Doch eins war klar: Würde ich nicht losgehen, hätte ich kaum auch nur ein gescheites Gericht am Wochenende kochen können. Also habe ich mich aufgerafft – mit innerer Ablehnung und Widerwillen. Ich schrieb meiner Yogalehrerin noch eine „Entschuldigung“ darüber, dass ich heute nicht ganz bei mir gewesen sei und hoffte, dass das im Raum nicht als zu große Last geschwebt sei.

Als ich das Haus verließ sah ich den kleinen Sohn von meinen Nachbarn mit seinem Gefährt auf dem Weg rollern. Freudig lächelte er mich an und sagte „Hallo“ und ich habe natürlich zurückgegrüßt, woraufhin er mir noch freudiger erzählte, dass er heute Geburtstag habe, worauf ich ihn fragte, wie alt er denn geworden sei und er mir drei seiner Finger zeigte und dies auch wörtlich noch einmal bestätigte. Ich habe ihm gratuliert und mich innerlich plötzlich viel wohler gefühlt. Es war ein kleiner erster Sonnenschein, den mir dieses junge Wesen beschert hatte. Mit seinem freigiebigen Lächeln hatte er mein Herz berührt. Dankbarkeit!

Ich habe meine kleinen Einkäufe erledigt, doch immer noch gab es Dinge in mir, die einfach außer Balance gewesen sind. Die Freude über das Lächeln verschwand wieder hinter dem Schmerz und der gedrückten Grundstimmung. Ich bin in den Lebensmittelgeschäften häufiger fast mit anderen Kundinnen und Kunden zusammengestoßen, mir stand mehrfach jemand im Weg und weitere dieser kleinen, nervigen Dinge passierten die gesamte Zeit über. Ich musste in verschiedene Geschäfte, um alles zu bekommen, was ich wollte und als ich dann zu guter Letzt im Supermarkt noch die verbliebenen benötigten Waren zusammengesucht hatte und zur Kasse ging, waren 2 lange Schlangen zu sehen. Sowas nervt mich selbst dann nicht, wenn ich genervt bin – glücklicherweise. Denn eine dritte Kasse öffnete kurz darauf und zwei junge Frauen vor mir schwenkten nach nebenan, genauso wie eine Frau meines Alters aus der Schlange an der Kasse nebenan. Auch ich machte mich daran, die leere Kasse anzusteuern und die Frau mit ihrem Einkaufwagen war in Wartestellung, bis ich mich eingereiht hatte. Doch ich deutete ihr vorzugehen mit den Worten „Sie warten bereits länger als ich.“ Mit einem freundlichen Lächeln bedankte sie sich und mein Herz ging wieder ein Stück weiter auf. Als sie bezahlt hatte verabschiedete sie sich von mir und auch ich wünschte ihr einen schönen Tag.

Auf dem Weg nach Hause kam mir dann eine kleine südeuropäisch anmutende Frau entgegen. Sie hatte ein süßes, niedliches Gesicht. Eines, das einfach Wärme und Freude zeigt. Kurz bevor wir an einander vorbei gingen, schaute sie kurz hoch und das Lächeln in ihrem Gesicht wurde noch ein wenig größer und auch ich lächelte. Nein, kurz darauf wurde daraus sogar ein breites Grinsen und ich wurde innerlich ruhiger und entspannter.

Zu Hause angekommen las ich die Antwort meiner Yogalehrerin, welche unter anderem beinhaltete, dass egal wie ich schlecht ich drauf sei, wäre ich stets eine Bereicherung für die Stunde. Ich fühlte mich geschmeichelt und direkt in diesem Moment musste ich erneut lachen und verstand sofort, warum mir danach gewesen war, ihr eine „Entschuldigung“ zu schreiben: Ich verstand, dass ich heute einfach Schwierigkeiten hatte, zu akzeptieren, dass ich mich nicht ganz wohl fühlte. Ich konnte mir auch selber nicht so gut verzeihen, dass ich mich nicht freier und entspannter vor, während und nach dem Yoga fühlte. Und ich bekam in dieser Antwort und durch all diese Begegnungen genau das, was ich brauchte, um dies zu erkennen und zu verstehen.

Ich danke dem Tag, dass er mir all diese wundervollen Menschen geschickt hat, um mir zu zeigen, dass die unschönen Momente im Leben sich immer wieder verändern und dann doch auch wieder die Sonne scheint – wenn wir sie in unser Herz lassen und dass es völlig in Ordnung ist, sich auch hin und wieder einfach mal ungut zu fühlen.
Liebe Dich dabei, akzeptiere Dich dabei, verurteile Dich nicht. Es ist ein Teil von Dir und dieser Teil darf genauso „sein“, wie alle anderen auch.

Ein wundervolles, herbstlich buntes Wochenende Euch allen!

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