Das Leben – ein mitunter absurdes Theaterstück

So manches Mal spielt uns das Leben ja absurde Szenen bzw. lässt es uns in absurden Szenen mitspielen. Wir haben dann die Möglichkeit, daraus eine Tragödie zu machen oder auch eine Komödie. Ich habe eine solche Szene gerade erst am Wochenende erfahren und weil sie mir so absurd und dann auch wieder so „unwichtig“ vorkommt, möchte ich sie heute mit Euch teilen.

Anfangen muss ich allerdings etwas früher. Mein letztes Fahrrad habe ich mir als Schüler gekauft. Es war in der Oberstufe und ich bin damit das letzte Schuljahr immer zum Unterricht gefahren. Dieses Rad habe ich dann mit ins Studium genommen und letztlich ist es nach Ende des Studiums beim Umzug nach Köln einfach in neuen Händen geblieben. Das ist nun über 10 Jahre her. Ein Bedürfnis auf ein Fahrrad in Köln hatte ich nicht. Ich war auf Grund des Studententickets schön auf das Bahnfahren geprägt und war schon fast die gesamte Unizeit nie mit dem Fahrrad gefahren.
Ich habe mir dann erst wieder ein Fahrrad, als ich über einen Zeitraum von knapp drei Jahren auf Grund einer Beziehung immer mal wieder für einige Tage oder Wochen in Spanien gewesen bin. Dort mit freiem Oberkörper Richtung Strand zu radeln hat einfach sehr viel Spaß gemacht und sich bestens angefühlt. Dennoch hatte ich nie das Bedürfnis nach einem Rad in der Großstadt.

Nun gehe ich seit ich in Köln lebe in ein kleines, privat-betriebenes Fitness-Studio und mache unter anderem regelmäßig die gleichen Kurse. Sprich, ich kenne den einen oder die andere regelmäßige Kursteilnehmerin ebenfalls. Hin und wieder trafen wir uns im Anschluss auf ein Getränk und immer wieder kam der Hinweis, dass ich mit der Bahn ja definitiv langsamer und auch weniger flexibel sei und ob ich mir nicht ein Rad kaufen wolle. Doch nein, es ward immer noch nicht die rechte Zeit.

Nun habe ich seit ein paar Wochen einen Projektauftrag in einer Firma und deren Sitz liegt in unmittelbarer Nähe zu meiner Wohnung. Zunächst ging ich zu Fuß und fand das alles ganz fein, doch im Laufe der ersten Wochen kam mir nun selber der Gedanke, dass es mit dem Fahrrad noch viel praktischer sei. Kurzum, der Entschluss ward gefasst und am vergangenen Donnerstag gab ich bei einem Fachhändler in der Nähe eine entsprechende Bestellung auf. Bereits am Folgetag konnte ich mein Fahrrad abholen.

Voller Freude über diese neue Art der Freiheit habe ich das Gefährt innerhalb weniger Stunden direkt mehrfach genutzt. Für die Fahrt zum Sport am frühen Abend, zu Freunden zum Essen am späteren Abend. Auch am Samstag ging es direkt weiter mit Einkäufen und erneut einer Fahrt zum Sportstudio. Am Sonntag wollte ich dann den Mädels, die ihren Beitrag zu meiner Entscheidung geleistet hatten natürlich mein Fahrrad zeigen. Wir sind sonntags immer im gleichen Kurs und so lag es auf der Hand. Als ich zum Ende der Trainingseinheiten dann das Studio verließ musste ich mit einem kleinen Schreck feststellen, dass der Fahrradständer zwar noch viele parkende Fahrräder aufwies, jedoch der Platz, an welchem meines stand, nun leer war. Natürlich weit und breit auch keine Spur vom geknackten Schloss…

Nicht einmal 48 Stunden hatte es also gedauert und das Gefährt war im Großstadtmoloch untergegangen. Es war angenehmes Wetter und im Café nebenan saßen ca. 15 Menschen draußen und genossen bei herbstlichem Wetter ihr Heißgetränk mit einem Stück Kuchen. So etwas stört offenbar den heutigen Fahrraddieb kaum.

Klaro, ein kleiner Schock durchfährt wohl jeden, wenn er feststellt, dass er sich gerade als Opfer eines Diebstahls erkennt. Nun ist in so einem Moment ein kühler Kopf jedoch angebrachter, denn der übliche Schriftkram steht an und da das Fahrrad versichert gewesen ist, war ja klar, dass es im Prinzip nur eine Formsache wird und ich den Schaden soweit ersetzt bekommen würde. Ich habe mich also auf gemacht zum Polizeirevier meines Vertrauens und eine entsprechende Anzeige erstattet. Nach 48 Stunden.

Der Diebstahl an sich ist ja eine Sache und die Tatsache einer Versicherung relativiert das alles recht schnell, vor allem, wenn den Sachbearbeiter bei der Versicherung ein Jugendfreund der eigenen Eltern ist und man weiß, dass das eben alles auch noch ein wenig unkomplizierter macht. Also meldete ich ungefähr 72 Stunden nach dem Fahrraderwerb den Verlust meiner Versicherung. Dennoch denke ich darüber nach, dass das große Ganze es im Ende sowieso wieder ausgleicht. Sollte es ein armer Mann gewesen sein, der kein Geld hat und seinem Sohn aber zu Weihnachten eine Freude machen wollen, so hat er meinen Segen. Allerdings haben solche monetär armen Menschen in der Regel nicht das Werkzeug in der Hosentasche, mit dem sie mal eben ein zumindest nicht ganz billiges Fahrradschloss knacken können. Also denke ich mir, dass der Dieb es aus gierigen Gründen getan haben wird und das Universum sich auch dafür schön einen Ausgleich sucht, vielleicht durch einen großen LKW – wer weiß. Und nein, wünschen tu ich es diesem Menschen nicht, aber das große Ganze geht nun mal seinen Weg.

Trotz dieser Erkenntnis war meine Vorfreude, morgens ab sofort in 5 Minuten im Büro sein zu können, zerstört und der zeitliche „Aufwand“ mir nun einen Ersatz zu organisieren, die ganze Abwicklung mit Polizei und Versicherung etc. fühlte sich ein wenig anstrengend an. Und das, wo ich doch jahrelang ohne Fahrrad ausgekommen war. Auf der einen Seite also innere Ruhe und Ausgeglichenheit, auf der anderen Seite aber auch ein Anflug von Genervtheit und damit ja irgendwie auch nicht wirklich innere Ausgeglichenheit. Tja und dann lese ich heute am Morgen, dass in Liberia die katholische Kirche nun Schwulen und Lesben für das Ausbreiten von Ebola die Schuld gibt und damit erneut heftige Übergriffe auf diese Randgruppe verübt werden und dass in Köln mal wieder eine „rechte“ Demo stattfand, die Dinge aufgezeigt hat, die mir ein Kopfschütteln abverlangen und damit denke ich unweigerlich an ganz viele Menschen, die tiefes Unrecht und Schmerz erleiden müssen und erkenne deutlich, dass ich den ganzen Kram rund um den Fahrraddiebstahl einfach gar nicht so ernst nehmen muss, denn es geht mir blendend. Und wenn mir etwas wichtig ist, dann nehme ich mir einfach die Zeit dafür, auch wenn es „äußere“ Umstände ein wenig umständlich werden lassen.

In diesem Sinne Euch allen eine wunderbare Woche und Ihr Fahrradliebhaberinnen kauft Euch am besten ein zweites Fahrradschloss – je aufwendiger der Dieb das Knacken einschätzt, umso unwahrscheinlicher ein Diebstahl J

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