Ein Samstag wie (nicht) jeder andere

Wenn ein Feiertag auf einen Samstag und damit in das Wochenende fällt, gibt es unter den Menschen verschiedene Möglichkeiten, ein solches Ereignis wahrzunehmen. Manch einer sieht darin ein Beschneidung seiner Möglichkeiten, weil er seine regulären Einkäufe nicht erledigen kann und dies die Woche so schwierig werden lässt, weil doch da auf Grund der Arbeit eh schon kaum Zeit bleibt. Andere freuen sich aber beispielsweise für die Angestellten im Einzelhandel, die so definitiv auch einmal ein Wochenende aus zwei freien Tagen genießen können.
Was mir immer als erstes in meiner Wahrnehmung auffällt ist, dass sich so ein Samstag dann einfach nicht wie ein Samstag anfühlt, sondern der Tag eine ganz andere, eben eine Sonntagsanmutung erfährt. Obwohl ich heute Morgen aufgestanden bin, wie an jedem anderen Samstag auch, nämlich so, dass ich meinen Yoga Kurs um 10.30 Uhr erreiche, war direkt diese andere Aura zu spüren.

Es waren zwar auch unglaubliche viele Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs, so dass eigentlich vom Verkehrsaufkommen kaum ein anderer Eindruck entstand. Vielleicht war schon asureichend, dass keine LKWs unterwegs waren, die dies. Es hat sich aber auch in den Menschen gezeigt, die ich auf dem Weg getroffen habe. Sie waren allesamt etwas ruhiger und gelassener. Der typische Samstags-Stress stand nicht in ihren Gesichtern, denn sie mussten ja nicht wie üblich von einem ins andere Geschäft hetzen, um oben erwähnte Besorgungen zu machen. Wer diese vergessen hatte, der konnte nun eh nichts mehr daran ändern und wer vorbereitet war, hatte seine etwaige Besorgungshektik bereits spätestens am Vortag ausgelebt.

So kam ich nun nach dem Yoga zurück und konnte diese spürbare Entspannung und für einen Samstag untypische Entschleunigung vollkommen genießen. Das sonnig-warme Herbstwetter tat sein Übrigens dazu, um mich zu beflügeln. Kurzerhand habe ich einen kleinen Stopp eingelegt und mich ein wenig in die Sonne gesetzt. Ja, wäre mir mein Fahrrad vergangene Woche nicht gestohlen worden, hätte ich wahrscheinlich eine kleine Raderkundung am Nachmittag vorgenommen. Aber ohne ein entsprechenden Ersatz ist das eher schwierig umzusetzen. An dieser Stelle danke ich meinen lieben Nachbarn dafür, dass sie mir eines ihrer Räder geliehen haben, welches aber eben nicht unbedingt für eine Berg- & Tal-Tour jenseits befestigter Wege gemacht ist, aber ich kann mich damit sehr gut innerstädtisch bewegen, bis mein Ersatz geliefert werden kann.

Aber zurück zum Thema… Zu Hause angekommen entschloss ich mich alternativ dazu, einfach einen kleinen Spaziergang zu machen, meine derzeitige Lektüre mitzunehmen und mich auf einer Parkbank in der Sonne niederzulassen. Nach dem Mittagessen habe ich eben dies getan und fand auf dem Grüngürtel eine passende, freie Bank. Ich habe mich dort am linken Rand niedergelassen und schmökerte weiter in dem wunderbaren Buch von Bettina Hennig (ja, darüber berichte ich auch noch) und genoss den Moment des Daseins in vollen Zügen. Einfach sein und genießen. Ich dachte noch einen Moment darüber nach, dass diese Momente einfach bei vielen von uns nach wie vor zu kurz kommen und wir uns oftmals über diese Tatsache hinwegtäuschen, indem wir vermeintliche Genussmomente generieren, die aber an sich dann oftmals doch auch wieder Elemente von Flucht oder Ablenkung beinhalten.

Nach einer Weile, ich war völlig vertieft ins Lesen, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass eine Fahrradfahrerin auf die Bank zusteuerte. Sie stellte Ihr Rad ab und kramte ein wenig in ihrern mitgebrachten Sachen herum. Ich war so ins Lesen vertieft, dass ich wohl nach außen sehr ignorant gewirkt haben könnte, weil ich nicht einmal aufgeschaut habe. Aber das kann eben mal passieren, wenn wir uns von etwas sehr fesseln lassen. Dann sind wir im ‚flow‘ und das ist unbewertet zu sehen.

Als die Frau sich sortiert hatte, sprach sie mich ganz höflich an, womit ich absolut nicht gerechnet hatte, und fragte mich freundlich, ob sie sich dazusetzen dürfe und ich beantwortete diese Frage mit einem Lächeln auf den Lippen und einem wortgeformten „Natürlich“, worauf hin sie Platz nahm und sich ebenfalls eine kleine Lektüre in Form einer Zeitschrift vornahm.

Da saßen wir nun beide auf dieser Bank, ich auf der linken Seite, sie auf der rechten Seite und zwischen uns unser beider Taschen. Wir hatten uns nie zuvor gesehen und bis auf die wenigen Worte auch keine Unterhaltung geführt oder uns gegenseitig mit Namen vorgestellt. Ich, männlich, kurze und glatte Haare, dunkelblond, eher schlank und schmal in meiner dunklen Jeans mit Sweatshirtjacke und diese Frau, lockige und fast schulterlange Haare, rötlich-braun, recht groß und in der Statur kräftiger als ich. Sie trug eine Jacke, deren Farbe mich in Erinnerungen an meine Kindheit zurückversetzte, da sie der Nouance einer Schaumtönung glich, welche meine Mutter verwendete, als ich noch sehr jung war.

Wir waren in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich und doch waren wir irgendwie auch gleich. Beide saßen wir dort und genossen die Energie der herbstlichen Sonnenstrahlen. Beide hatten wir etwas gegen den Durst dabei und gönnten uns von Zeit zu Zeit einen Schluck, um bei diesen Lesepausen die visuellen Eindrücke der Umgebung wirken zu lassen. Und dann lasen wir wieder ganz in Ruhe und in völliger Harmonie über die Gegenwart des anderen unsere Lektüren und obwohl wir uns bisher nie begegnet waren und möglicherweise nie wieder begegnen werden, fühlte ich eine Verbundenheit die mit einer ganz natürlichen Geborgenheit einherging.

Dies war einer dieser Momente, in denen es für mich körperlich, geistig und seelisch spürbar gewesen ist, dass alles in stetem Austausch und in ständiger Verbindung zueinander steht und das diese Verbundenheit nicht durch ein langzeitiges und gegenseitiges „Kennen“ entsteht, sondern dass es immer da sein kann, wenn die Beteiligten es zulassen und annehmen können. Zeit spielte in dieser Situation keine Rolle, so wie sie nie eine Rolle spielt, wenn wir uns in Phasen des ‚flows‘ befinden. Als ich mich dann entschloss, den Heimweg anzutreten, habe ich mich verabschiedet und meiner Banknachbarin ein schönes Wochenende gewünscht, was sie erwiderte. Innerlich voller Freude und Zufriedenheit spazierte ich nach Hause, wo ich nun den Rest dieser wunderbaren Tages weiter verbringen werde.

Dieser Tag, der ein Samstag ist und sich dennoch so anders als ein Samstag anfühlt.

Dieser Tag, der wie jeder andere Tag ist und sich nur deshalb anders anfühlt, weil wir ihm eine andere Bedeutung geben, als anderen Tagen.

Dieser Tag, welcher der wundervollste Tag ist, den ich habe, so wie jeder Tag der wundervollste Tag ist, in dem Moment, in dem wir ihn gerade haben…

Sonnige Herbstgrüße und alles Liebe für Euch!

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