„Ich bin dann mal vegan“ von Bettina Hennig

Ich habe lange nichts von mir hören lassen und bin selbst wieder einmal erstaunt, wie schnell die Zeit manchmal subjektiv vergeht. Aber ich möchte einem Versprechen nachkommen, dass ich einer tollen Frau bei unserer kurzen, aber für mich sehr nachhaltig wirkenden, wundervollen Begegnung gemacht habe.
Bettina Hennig habe ich bei einer kleinen privaten Wohnzimmerlesung einer Kollegin kennenlernen dürfen, als sie ihr frisch gedrucktes Buch „Ich bin dann mal vegan“ erstmals einer Gruppe von Menschen vorgestellt hat. Es hat mich beeindruckt, dass dieses Thema mich allein in dieser Lesung so sehr zum Lachen gebracht hat, dass ich nicht anders konnte, als ein Exemplar zu erstehen und es auf meiner Leseliste direkt an oberste Stelle zu setzen. Nun bin ich manchmal nicht der schnellste Leser, aber ich mache heute das an Bettina gegebene Versprechen wahr und werde über ihr Buch schreiben und was es mit mir gemacht hat:

Bettina Hennig vermag es, ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen. Nachdem ich sie kennenlernen durfte und weiß, wie ihrer Stimme klingt, ihre Intonation wirkt, wie sachte sie in angebrachten Momenten mit Sarkasmus und Ironie spielt, aber auch genau weiß, wann jene stilistische Mittel ob der Ernsthaftigkeit des Erlebten und Erzählten nicht angebracht sind, hatte ich sie in jedem Moment des Lesens bei mir. Es war so, als würde eine Bekannte neben mir sitzen, die mir eine Geschichte erzählt. Ich lausche ihren Worten, die sich beim Lesen der Buchstaben durch ihre Stimme in meinem Kopf zu einem Abenteuer entfalten und genau das ist dieses Buch: Ihr eigenes Abenteuer.

Als Leser erfahren wir von Dingen, die Bettina Hennig nahe gehen, von Dingen, die sie Weinen und Nachdenken bringen. Wir hören von absurden Situationen, die mich mehrfach zum Lachen brachten, aber wir erfahren auch spannende Fakten und bekommen verschiedene Quellen, um selber zu recherchieren und uns ein eigenes Bild zu machen.

Bettina Hennig vermittelt ihren Weg in eine Lebensweise ohne den Konsum tierischer Lebensmittel, in eine Welt, in der sie nach bestem Wissen und Gewissen auf jegliche tierische Güter verzichtet. Sie vermittelt diesen Weg aber weder in einer erzieherischen Weise, um dem Leser das Gewissen wach zu rütteln. Nein, vielmehr schafft sie Raum für einen Erfahrungsbericht, der Dinge spiegelt, die uns allen aus dem Alltag bekannt sind oder uns Dinge aufzeigt die wir nicht wahrhaben wollen. Wir lernen aber auch die absurde Welt der moralischen Zeigefinger kennen, die beispielsweise in Internetforen erhoben werden, wenn man einmal leichtsinnigerweise ein Lebensmittel als „SAU-lecker“ bezeichnet.  Wir erfahren, welche Intrigen die agrarindustrielle Lobby spinnt und wie volksverdummend die Bildzeitung ist, obwohl lediglich die Frage nach einer Quelle für veganen Nuss-Nougat-Brotaufstrich gestellt wurde und erleben, dass am Ende zwar hochmoralisch diskutiert, diffamiert, beschimft und besser gewusst wird, aber niemand einer Einsteigerin am Ende die Frage nach dem Brotaufstrich beantwortet.

Bettina beschreibt aber auch die Schwierigkeiten, denen sie in ihrem privaten Umfeld entgegentreten musste, weil sie sich immer wieder dem Rechtfertigungsdruck von außen ausgesetzt sieht und man ihr Moralisierung unterstellt, wo sie nicht einmal einen Anflug davon vornimmt. Sie beschreibt ihre Verwunderung darüber, wie ihre Lebensweise auf andere wirkt und ihr plötzlich grundlos eine Art Missionierungsdrang zugeschrieben wird. Sie lässt uns an den Veränderungen teilhaben, die sie durch ihr Bewusstwerden erlebt. Veränderungen, wie sie jede/r erfährt, wenn er oder sie vor bestimmten Dingen die Augen nicht mehr verschließt.

Ich erkenne vieles wieder in dem, was Bettina schreibt, auch wenn mein Weg und meine Veränderung anders verläuft. Die Dinge, vor denen ich die Augen nicht mehr verschließe, sind anders gelagert, aber ich erkenne das Bedürfnis, das entsteht, anderen helfen zu wollen, weil man merkt, dass es einem besser geht und habe jeden Moment des Spiegels meines Selbst in dieser Geschichte genießen können.

Die Fakten, die Bettina teilt, lassen mich nachdenken, lassen mich erkennen, dass das Lernen und Erkennen niemals aufhört. Aber sie lassen Platz dafür, die eigenen Entscheidungen zu treffen, die eigene Geschwindigkeit der Veränderung zu wählen und den Weg selbst zu bestimmen.

Bettina schreibt aus dem inneren Selbst, sie verheimlicht nicht und das macht ihre Reise authentisch und zu einem Lesegenuss. Dieses Buch ist nicht nur etwas für ernährungsinteressierte oder vegan-affine Menschen. Dieses Buch darf themenunabhängig als Lektüre genossen werden, die eine Reise im Leben einer beeindruckenden Frau schildert.

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