GIFTED – BEGABT

Im Moment durchlebe ich eine Phase, in der mein Geist, meine Seele und mein Körper wohl nicht so ganz im Einklang mit sich sind. In den vergangenen Wochen habe ich so ziemlich alles, was an Infekten umgeht, förmlich angezogen. Ich war mehrfach erkältet und nun hängt der Segen im Verdauungstrakt schief. Dabei fühle ich mich eigentlich gar nicht außer Balance, im Gegenteil. Die eher unangenehmen Tage empfinde ich viel entspannter und beware viel besser die Ruhe als ich es aus anderen Momenten von mir kenne. Situationen, die mir nicht behagen, durchlebe ich mit einer inneren Gelassenheit und gebe ihnen möglichst wenig weitergehende Bedeutung. Ich kann eigenltich immer noch meine kleine Aufgabe, Erkenntnis und Erfahrung darin sehen bzw. daraus gewinnen. Trotzdem schwirrt in mir die Frage, was der Auslöser dafür ist, dass mein Körper alles aufgreift, was da draußen so herum schwirrt. Möglicherweise bekam ich heute darauf eine Antwort.

Es können ja auch die verborgenen Dinge, die uns beschäftigen ein Auslöser für das Ungleichgewicht sein. Dinge, die wir noch gar nicht an der Oberfläche unserer inneren Wahrnehmung spüren könnten. Vielleicht bin ich auch hin und wieder nicht sehr achtsam mit meinem Körper umgegangen. Den einen oder anderen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt hatte ich zum Beispiel auch und besonders zuträglich ist dieses Getränk für den Körper ja nun wirklich nicht. Ich habe auch nach wie vor mein recht umfangreiches Sportprogramm durchgezogen, ohne wirklich darauf zu hören, ob mein Körper etwas anderes signalisiert hat. Vielleicht wollte er zwischendurch auch einfach mal Ruhe und ich habe sie ihm nicht gegeben.

Da mein Bauchgefühl besonders gestern nicht sehr gut war, nachdem eigentlich in den Tagen davor schon eine sehr deutliche Besserung zu spüren war, habe ich heute Morgen auf mein Körpergefühl gehört. Anstatt zwei Stunden Muskelausdauertraining zu machen, wie ich es sonst in der Regel am Sonntagmittag zu tun pflege, habe ich bei meiner wundervollen Yogalehrerin ein außer der Reihe stattfindende Vorweihnachtsstunde mitgemacht. Es war keine „klassische“ Yogastunde – die gibt es in der Hinsicht ja sowieso nicht. Wir haben zunächst ein Mantra gesungen und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht gerne singe. Das liegt darin begründet, dass ich nicht gerade der Beste darin bin, einen Ton zu halten beziehungsweise erst zu treffen. Ich kannte das Mantrasingen aus anderen Yogapraxen bereits und es ist ganz erstaunlich, wie in einem solch geschützten Raum meine Gefühle aus Scham, Unsicherheit und Angst weichen können. Wie auch immer, wir sangen mehrere Male diese Zeile und im Anschluss daran bot uns unsere Yogalehrerin an, eine Karte aus einem Kartendeck zu ziehen – zum Abschluss des Jahres oder auch als ein Signal für das kommende Jahr. Was immer es für uns bedeuten mag.

So zog ich also eine Karte aus dem aufgefächerten Stapel und nahm zuerst das Bild darauf wahr. Ein in violetten Farbtönen gehaltenes Muster. Auf den ersten Blick recht formlos, doch bei genauerem Betrachten mit einer sehr klares Struktur. Ich empfand Bild und Farbgebung als sehr angenehm. Das Wort, welches darunter stand, lautete GIFTED – begabt.
Als ich dieses Wort las wär mir, als wäre der Boden unter mir im Begriff, sich aufzulösen und augenblicklich, schossen mir Tränen in die Augen. Mich überkam dieses Gefühl, welches ich schon von früher her kannte, nämlich nicht wirklich talentiert zu sein. Das Gefühl, keine richtige Begabung zu haben. Und ausgerechnet diese Karte hatte ich gezogen. Mein Herz war sofort geöffnet und ließ es mich wieder spüren. Ich atmete weiter, wie es im Yoga üblich ist und ließ die Emotionen und auch die Tränen einfach kommen und langsam aber stetig breitete sich eine wunderbare Wärme aus. Eine Wärme ausgehend von meinem Herzen, welche meinen ganzen Körper durchfloss und sich ausbreitete.

Mir wurde klar, dass sich mir hier gerade eine Selbst-Beschränkung offenbarte. Eine Beschränkung, welche ich mir wahrscheinlich bereits in Kindertagen, definitiv jedoch in meiner Jugend auferlegt hatte: „Du bist nicht begabt, Du hast kein Talent.“

Die Tränen, das spürte ich sofort, waren heilende und reinigende Tränen. Ich durfte in dieser Situation erneut erkennen, dass jeder von uns begabt ist, jeder mindestens ein Talent hat, wundervolle Befähigungen in sich trägt und sich aneignet. Wir alle sind wundersame und einzigartige Wesen, die alle ihren eigenen Teil dessen in sich tragen. Wir finden vielleicht nicht immer den Mut oder den unmittelbarsten Weg, dies auszuleben und zu formen, aber wir alle haben ein Potenzial in uns. Doch auch etwas Neues lag in diesen Tränen, in dieser Emotion. Ich habe festgestellt, dass ich in diesem Denken über andere immer vergaß, dass ich selbst ebenfalls Teil davon sind. Es sind nicht nur alle anderen da draußen befähigt, talentiert und wundervoll. Jeder ist es und das schließt mich mit ein.
Es passiert uns viel zu schnell, dass wir unsere eigenen Befähigungen nicht mehr erkennen, ja sie uns sogar aberkennen und gar nicht mehr zulassen können, was uns mitgegeben worden ist. Wir haben sie vergraben und finden sie nicht mehr wieder oder wir haben sie vor uns selbst verleugnet.

Es darf zu unserer Aufgabe gehören, verschüttete Befähigungen wieder hervorzuholen und sie zu genießen. Sie einzusetzen für das größere Wohl aller und das schließt stets uns selbst mit ein und das sollten wir nie vergessen. Wir sind alles eins – We are all one!

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