Gefährten auf dem Weg

Es gibt Momente, die mich dazu veranlassen, Dinge zu hinterfragen, die uns in unserem Leben wiederfahren. Es sind manchmal die schönen Dinge, es sind hin und wieder auch die traurigen Dinge. Es können glückliche Momente sein oder auch traumatische Ereignisse. Letztlich gehören sie alle zu unserem Leben, denn „Leben“ bedeutet, Situationen zu erleben, zu begreifen, sie abzuschließen und neue zu suchen.

Eine Nachricht hat mich am vergangenen Wochenende sehr bewegt. Ein lieber Freund hat eine Gefährtin verloren. Sie war für eine ganze Weile immer bei ihm und war ihm eine treue Begleiterin. Ein wunderschönes Tier, anmutig und aufmerksam, immer genau wissend, wenn es einem Menschen in ihrer Nähe nicht gut ging. Sie war manchmal feige, denn sie mochte den Regen nicht. Wie eine kleine Diva warf sie einem beschuldigende Blicke zu, wenn man im Regen mit ihr eine Runde drehen wollte. Möglicherweise liegt es in ihren Genen als Rhodesian Ridgeback-Dame, dass sie Regen einfach nicht mögen sollte. Ich trauerte und habe geweint, aber ich habe mich auch aus diesen Erinnerungen heraus freuen können.

Es war mir ein Vergnügen, sie zweimal als Ferienkind bei mir aufnehmen zu dürfen und obgleich es nur wenige Tage waren, die sie bei mir verbrachte, so hat sie in diesen Momente einfach mein Leben bereichert. So bleibt sie in meinem Herzen und ich bin dankbar dafür.

Wenn ein solcher Wegbegleiter uns verlässt, dann wissen wir oftmals im ersten Moment nicht, warum es uns geschieht. Vor allem, weil ein Verlassen durch den Tod für uns so unwiederbringlich erscheint. Es mutet einfach endgültig an und lässt uns scheinbar ohne eine Wahl zu haben zurück.

Doch Tod und Verlassen gehört zu unserem Leben hinzu, wie ich es bereits geschrieben habe. Im Erleben dieses Verlustes kann für jeden von uns die Erkenntnis verborgen sein, dass wir einfach hin und wieder auch diese Art des „Verlassen werden“ erleben müssen. Diese Erkenntnis zu spüren ist die Wahl, die wir in solchen Momenten haben. In diesem Erlebnis wird für jeden von uns eine Aufgabe liegen, die wir durch die Erfahrung erkennen und lösen können. So wie das erste Mal, wenn unsere Eltern und an der Kindergartentür „verlassen“. Wir können hier lernen, dass es nicht schlimm ist, wenn unsere Eltern für eine gewisse Zeit einmal nicht um uns sind oder aber wir lernen, dass es uns extrem schwer fällt, sie nicht um uns zu haben.

Wenn uns ein tierischen Begleiter verlässt, der empathisch war wie diese Hündin, dann kann es sein, dass es an der Zeit für uns ist, Situationen in denen sie aus ihrer Empathie heraus für uns da war, allein zu lösen oder aber einen anderen Gefährten zur Unterstützung zu uns zu rufen.

Jeder kann für sich selber herausfinden, was sich darin verbirgt. Es wird den Schmerz des Verlustes nicht verschwinden lassen. Es wird diesen Schmerz nur verändern und vielleicht wird uns klar, dass das physische Zusammensein zwar nicht mehr möglich ist, aber dennoch keine wirkliche und endgültige Trennung vollzogen wurde, denn die Verbindung, die wir in diesem Universum zu allem und jedem haben, wird nicht durch das Ende der physischen Existenz getrennt.

Mit jedem Gefährten, der uns verlässt, wird es auch andere Gefährten geben, die neu zu uns stoßen. Die neuen Gefährten mögen nicht immer so dicht bei uns sein und vielleicht auch nicht so beständig. Manche bleiben verborgen im Hintergrund und zeigen sich nur in seltenen Momenten, dann aber umso deutlicher. Andere gehen eine ganze Strecke auf dem Weg unseres Lebens neben uns und biegen nur selten auf eine Nebenstrecke ab. Wieder andere treffen wir nur an bestimmten Kreuzungen und Gabelungen immer wieder. Und hin und wieder begegnet uns ein Gefährte, in dem wieder das Potenzial steckt, ganz dicht, ganz intensiv bei uns zu sein und es ist an uns, was wir daraus erwachsen lassen. Möglicherweise entfaltet sich aus einem Zusammentreffen eine Energie, die in der Verbindung weitaus mehr zu erschaffen vermag, als die Summe dessen, was beide Wesen allein hätten vollbringen können und mit ein wenig Glück haben wir eine lebenslange Liebe finden können.

Ich durfte so jemandem begegnen und freue mich mit Spannung darauf, wieviel und wie intensiv und wie bereichernd unsere Wege sich ab sofort vielleicht gleichen mögen.

Ich freue mich, ich bin dankbar… für jeden Gefährten, der mich verlassen hat, für jeden, der bei mir blieb, für jeden, den ich neu treffen darf, für jeden, dem ich wieder begegne und für den, der mein Herz ganz wundervoll berührt.

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