Sich selbst vergeben dürfen…

Manchmal verletzten wir durch das, was wir sagen oder tun einen Mitmenschen – einen Freund, einen Kollegen, ein Familienmitglied oder auch unseren Lebenspartner. Selbst wenn wir schon eine hohe Bewusstheit in unserem alltäglichen Leben unser eigen nennen, passiert es immer wieder, dass wir auch unbewusst handeln. Es kommt sogar vor, dass wir komplett aus ihr herausfallen und sich alte Muster zur Gänze wieder nach außen dringen.

Dieser Moment ist für alle Beteiligten in der Regel sehr schmerzhaft, denn auch der „Angreifer“ wird früher oder später wieder Schritt für Schritt in seine Bewusstheit zurückkehren und muss sich dann mit Schuldgefühlen und seinem eigenen Schmerz über diesen „Rückfall“ auseinandersetzen.

Einen Rückfall im Sinne des Wortes gibt es nicht. Das ist eine ganz fundamentale Erkenntnis, die wir uns dann immer wieder in unser Herz rufen dürfen. Es gibt immer einen Grund dafür, dass uns eine Situation aus den Händen gleitet und wir einen Teil von uns heraufbeschwören, den wir eigentlich dachten, hinter uns gelassen zu haben. Aber das an sich war schon ein Trugschluss. Es kann aus verschiedensten Gründen passieren, dass diese kleinen, kämpfenden und stechenden Anteile in uns getriggert werden: Stress auf der Arbeit, ein Unwohlsein auf Grund von Krankheit oder einfach irgendeine Unzufriedenheit. Diese Dinge sind dann nicht unbedingt die Gründe für einen Ausbruch, können aber die Auslöser sein. Und wenn sich dann diese Energie aus Angst und Schmerz freisetzt, kann sie in einem Moment der Unbewusstheit unserem Ego dienen, sich kurz vollends zu entfalten. All das innere Aufbegehren bricht heraus und alle vermeintlichen Schutzmechanismen werden wachgerufen. Sie dienen nur dazu, dem Ego zu bestätigen, dass es im Recht ist, so zu handeln. Leider geben sie uns nicht das, wonach wir uns eigentlich sehnen – keinen Schutz, kein Erkennen.

Kurz danach mag es sein, dass die Wogen sich wieder glätten und dennoch verbleiben wir oft noch in einem „leichteren“ Egozustand, der uns sagt, dass wir zu Unrecht gehandelt haben. Hiermit bestätigen wir uns aber eigentlich nur, dass wir weiteres Recht auf Leid haben und wenn wir nicht wieder in die Bewusstheit zurückkehren, dann verbleiben wir im Leiden. Generell ist nichts dagegen einzuwenden, aber wie ich schon einmal schrieb gibt es den feinen Unterschied zwischen der Wahrnehmung eines Zustandes, der uns weh tut und dem daran Festhalten und sich darin beinahe Suhlen. Das Festhalten am Schmerz wird uns Nichts aus diesen Situationen lehren. Wir sind verhaftet und bleiben förmlich stecken, blind und damit unfähig zu erkennen. Wenn wir in die Bewusstheit zurückkehren, können wir die Momente voller Ego als solche erkennen und haben bereits etwas über uns herausgefunden. Schauen wir weiter in uns hinein, kann sich manches Mal auch eine Ursache für unseren Ausbruch zeigen.

Wenn wir einen Menschen von uns stoßen, indem wir ihn mit Aussagen verletzen, die teilweise sehr hart und unerbittlich wirken können – das Ego hat wunderbare Mechanismen, sich sehr extrem auszuleben – dann verbirgt sich hierin oftmals ein altes Muster, welches nach Bestätigung verlangt. Vielleicht trage ich das Gefühl in mir, es nicht wert zu sein, eine harmonische Beziehung mit der betroffenen Person zu führen, vielleicht empfinde ich mich als schwach und klein, als nicht so gut und effektiv in meinem Handeln. Es können wir immer viele Gründe sein.
In jedem Fall werden wir mit einem Teil von uns konfrontiert, den wir nicht mögen. Niemand mag es, einen Menschen zu verletzen, an dem ihm etwas liegt. Warum zeigen wir uns dann aber trotzdem von diesen Seiten? Es sind Fluchtmechanismen oder Bestätigungsstrategien, die in Wörtern getarnt um uns schlagen und Raum schaffen wollen. Wir dürfen uns weiter darin üben, diese kleinen Teile in uns zu erkennen, die wir nicht mögen, denn unsere Chance ist, sie endlich zu akzeptieren und lieben zu lernen. Sie sind Teil von uns und können nicht abgetrennt werden. Je mehr wir sie als das begreifen, umso weniger werden sie um ihr Dasein bemüht sein, zu kämpfen.

Manchmal braucht es Zeit, sich das wieder ins Herz zu rufen, weil äußere Umstände unsere Kräfte ablenken und wir uns nur schwer auf unser inneres Selbst fokussieren können. Auch dann dürfen wir mit uns gnädig sein und uns selbst vergeben. Ja, es ist hilfreich, wenn uns der andere vergibt, aber umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst vergeben können, was wir getan haben. Denn nur so können wir uns als Gesamtheit lieben und anerkennen und uns auch zugestehen, dass wir das bekommen und genießen dürfen, was uns gut tun.

Und manchmal haben wir einen kleinen Engel vor uns sitzen – jemanden, der wie ein sanfter Krieger unsere Seele erkennt und um sie kämpft, im Guten – einen Herzensfreund, der uns vollends versteht, uns aber auch unsere Grenzen aufzeigt und klar macht, wenn wir sie überschritten haben. Er wird sich möglicherweise auch seine Zeit nehmen, um seine Lernaufgabe aus der Situation zu erkennen, aber dennoch hat er uns schon alleine durch seine Präsenz, seine Güte und sein Verständnis geholfen, dass wir uns selber vergeben können.
Wenn wir einen solchen Schatz in unserer Nähe haben, dürfen wir dankbar und glücklich sein, denn trotz der Zweifel an uns selbst wird er uns helfend die Hand reichen – auf seine eigene Art, mit seiner eignen Kraft, definitiv aber immer aus unendlich großer Liebe.

Ich bin dankbar und glücklich, denn im Moment erlebe ich Situationen vermeintlicher Rückfälle und werde immer wieder von einem engelhaften Krieger darin bestärkt, dass ich diese Anteile von mir annehmen darf und stark genug bin, sie zu lieben und dass ich mir vergeben darf für meine kleinen Ausrutscher.

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Eine Reise ins Heilige Land Israel – Meine Woche in Tel Aviv

Einer meiner Freunde ist bereits vor gut drei Jahren beruflich vorrübergehend nach Israel gezogen. Nun war es wirklich einmal an der Zeit, ihn dort zu besuchen und damit auch die Chance zu ergreifen, ein Land zu besuchen, welches ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich kannte. Kurzum habe ich einen Flug gebucht und mich für eine Woche nach Israel aufgemacht.

Schon direkt bei der Ankunft im Land wird klar, dass man hier höchsten Wert auf Sicherheit legt. Kurz nach Verlassen des Flugzeugs und noch vor der Passkontrolle wurde ich von einem Sicherheitsbeamten befragt, was ich in Tel Aviv mache, woher ich komme und welchem Beruf ich nachgehe. Dies – so erzählte mein Freund mir – ist eine ganz normale Prozedur und vor allem allein reisende Männer würden besonders häufig befragt. Am besten ist es hier, bei der Wahrheit zu bleiben und nachdem ich genau so die Fragen beantwortet hatte, durfte ich auch schon weiter gehen. Die Passkontrolle an sich umfasst dann noch einmal ähnliche Fragen, verlief jedoch ebenso unkompliziert.

Ich musste dann noch einen Moment auf meinen Koffer warten. Das kennt man ja von Flughäfen und als ich den Sicherheitsbereich verlassen konnte, habe ich mir noch ein wenig Bargeld am Automaten geholt. Ich rate jedem, der keine Kreditkarte hat, dies am Flughafen zu machen. Diese Automaten sind offenbar alle auch maestro-tauglich und somit mit unseren normalen Bankkarten nutzbar. In Tel Aviv selber hatte ich immer mal Schwierigkeiten, wobei es auch dort Automaten gibt, die unser System unterstützen.

Generell gibt es die Möglichkeit vom Flughafen aus mit dem Zug nach Tel Aviv zu fahren, da ich aber Samstagnacht ankam und das in Israel der Sonntag ist, fahren dann keine Züge. Also bleibt die zweite Alternative, nämlich das Taxi. Taxi fahren ist in Israel relativ günstig. Ich habe für die Strecke bis in die Innenstadt umgerechnet knapp 40 Euro bezahlt und das war, wenn ich die Fahrzeit berücksichtige, definitiv günstiger, als bei uns. Außerdem handelt es sich dabei auch um einen Fixpreis. Übrigens gibt es in Israel zwei Möglichkeiten beim Taxifahren. Entweder wird per Taxameter abgerechnet, wie bei uns, oder man verhandelt eben besagten Festpreis für die Route.

Ich musste mir ja keine großen Gedanken wegen der Unterbringung machen, da ich bei Freunden zu Gast war, aber trotz der hohen Kosten für das Leben in Tel Aviv gibt es auch hier preisgünstige Unterbringungsmöglichkeiten. Wer Infos braucht, darf sich gerne per Email melden.

In Tel Aviv angekommen, wurde ich natürlich von meinen Freunden ein wenig herumgeführt. Eine wunderbare Anlaufstelle, um einen ersten Eindruck zu bekommen, ist der Rothschild Blvd., den man einfach mal ganz entspannt entlang flanieren kann. Es ist so gesehen einfach eine riesige Allee, die den Fußgänger und Fahrradweg zwischen den Autospuren führt. Hier spazieren Jung und Alt und es ist einfach eine atmosphärisch interessante Straße. Auf dem Boulevard finden sich auch kleine „Buden“, die von der Größe her an unsere Kioske erinnern. Dort werden jedoch wunderbare Sandwiches und Kaffee angeboten. In der Regel finden sich dort auch Sitzmöglichkeiten, um die Mahlzeiten direkt zu sich nehmen zu können. Bestellt wird am Tresen und dann macht man es sich einfach gemütlich. In Sachen Sandwiches habe ich in Tel Aviv übrigens ganz großartige Geschmackserlebnisse haben dürfen. Ich kann nur empfehlen, hier die Bandbreite an Belag einfach einmal auszuprobieren. Der Kaffee ist ebenfalls einfach lecker. Generell bietet Tel Aviv auch eine Bandbreite an Cafés, die zum Verzehr Sandwiches und diverse Brotsorten mit wunderbaren Belägen anbieten und jedem Anbeter von Starbucks und ähnlichen Kaffeebuden sei gesagt, dass die israelischen Angebote um Längen besser sind, als das, was man in den üblichen Franchise-Schuppen so einheitlich und genormt über den Tresen gereicht bekommt.

Insgesamt war der Aufenthalt in Israel allein schon in Bezug auf Speisen und Getränke eine tolle Erfahrung. Ich habe jede Mahlzeit absolut genossen. Beispielsweise gibt es im alten Hafen des Stadtteil Jaffa ein Fischrestaurant namens Hadayagim. Zu jedem Hauptgang bekommt man hier eine riesige Auswahl an Saucen und kleinen Salaten, die alle Geschmackssinne ansprechen. Da kann ich nur sagen, einfach lecker. Ich möchte hier aber auch gar nicht allzu viele Lokale oder Örtlichkeiten empfehlen, denn der eigentliche Reiz dieser Stadt ist, sich einfach auf den Weg zu machen und durch die Straßen zu spazieren. Es gibt an jeder Ecke etwas Spannendes zu entdecken. Kleine Märkte, Gebäude im Bauhaus-Stil, wunderschöne Parkanlagen, den Strand und vieles mehr. An drei Tagen habe ich die Stadt einfach nur so kennen gelernt und mich entspannt am Abend all diesen Eindrücken hingegeben. Man sollte keine Berührungsängste haben und in den Gastronomien einfach die Angestellten zu fragen, was die einzelnen Dinge so kosten, da ja alles auf Hebräisch geschrieben ist. In der Regel spricht immer irgendjemand auch gutes Englisch und somit ist das alles auch gar kein Problem.
Generell ist das Essen auswärts zwar nicht billig, aber für unsere Verhältnisse auch nicht sehr überteuert. Allerdings sind Lebensmittel in den Supermärkten verhältnismäßig teuer. So kostet eine Packung Putenbrustaufschnitt mit ca. 200g Inhalt gerne mal um die € 10,-.

Wenn man schon einmal in Israel ist, dann sollte man natürlich auch auf jeden Fall einen Ausflug nach Jerusalem machen. Das ist von Tel Aviv auf gar kein Problem. Es gibt neben den oben beschriebenen Zügen und Taxis ja auch noch ein wunderbares Busnetz in der Stadt. Wer an der Linie 5 wohnt, hat da sowieso schon gute Karten, denn die führt auch direkt zum Busbahnhof. Man sollte nur zur Sicherheit den Busfahrer fragen, ob man auch in die richtige Richtung fährt. Der Busbahnhof liegt jedenfalls südlich. Dort findet man gelbe Großraumtaxis mit ca. 10 Plätzen. Die meisten davon haben Schilder hinter der Windschutzscheibe, welche das Ziel anzeigen. Diese sind allerdings oft in hebräischer Schrift. Also einfach einen Fahrer fragen. Die Fahrt mit einem solchen Großraumtaxi kostet gerade mal um die 6,- €. Für einen Transfer von einer Stadt in die andere ist das ein wirkliches Schnäppchen. Das Großraumtaxi fährt allerdings erst los, wenn alle Plätze belegt sind, was aber sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt weniger als 15 Minuten dauerte und das, obwohl ich bei Letzterer der erste Fahrgast im Minibus war. Generell ist das Busliniensystem in Tel Aviv großartig. Es gibt nämlich neben den Bussen, die auf ihren Linienstrecken an den beschilderten Haltestellen halten – so wie wir es auch kennen – ebenfalls Kleinbusse, welche auf den Linienwegen der Busse fahren. Diese haben dann in der Windschutzscheibe auch ein Schild mit der Zahl der Buslinie. Der Vorteil dieser Minibusse ist, dass man sie überall auf dem Linienweg anhalten kann und dann einfach zusteigt und genauso auch jederzeit zum Fahrer sagen kann, dass man aussteigen möchte. Eine großartige Innovation, wie ich finde und mit rund € 1,80 auch ein Schnäppchen.

Zurück aber zu Jerusalem: Die Fahrt mit dem Minibus dauert ca. eine Stunde, sofern der Verkehr nicht stockt oder staut. In der Regel endet die Route in der Nähe eines der Tore in die Altstadt, was für erstmalige Besucher sicherlich auch die Hauptattraktion darstellen dürfte. Empfehlenswert ist es hier schon, sich einen kleinen Reiseführer zuzulegen, denn allein in der Altstadt gibt es so unglaublich viele tolle Dinge zu sehen. In jedem Fall sollte man sich den Besuch der Klagemauer nicht entgehen lassen. Es ist einfach ein beeindruckender Ort, der unglaublich energetisiert ist. Nur unweit der Klagemauer hat man zweimal täglich die Möglichkeit auf den Tempelberg zu gehen. Dazu sollte man aber seinen Reisepass dabei haben, denn jeder wird hier kontrolliert und auch mitgebrachte Taschen und Rucksäcke werden durchsucht. Man sollte ebenfalls rechtzeitig an der Aufstiegsrampe anstehen, da wirklich nur für eine begrenzte Zeit Touristen hinauf gelassen werden. Es lohnt sich aber in jedem Fall, weil die Bauwerke einfach beeindruckend sind. Wer dort noch ein wenig Kurioses erleben möchte, kann sich ja mal auf die Suche nach dem Schnitzel Wiener Art im österreichischen Kaffeehaus des christlichen Hospiz im muslimischen Viertel Jerusalems machen.
Es lohnt sich in jedem Fall, einen ganzen Tag für die Altstadt einzuplanen, da es auch hier unglaubliche viele Dinge zu sehen gibt, die man einfach beim Schlendern entdecken kann.

Ich hatte während meines Aufenthalts aber auch das Glück, den israelischen Independence Day miterleben zu dürfen. An diesem Tag wird einfach nur gefeiert. Abends gegen 20h geht das Ganze los und führt sich fort bis zum nächsten Kalendertag am Abend. An diesem Tag sind viele Geschäfte auch geschlossen und somit hat nahezu jeder Israeli die Möglichkeit, zu feiern und das nicht zu knapp. Auf den Straßen tummeln sich die Menschen, auf den größeren Plätzen gibt es Feierlichkeiten und auch privat findet auf den Balkonen und Dachterrassen vieler Häuser oftmals die eine oder andere private Party statt. Es ist ein wenig wie Karneval, nur ohne Kostüme. Atmosphärisch war es in jedem Fall eine wunderbare Nacht und das obwohl ich gar nicht groß ausgegangen bin. Es reicht schon das Schnupper der nächtlichen Partyluft.

Zum Ende dieses nun doch längeren Blogeintrags bleibt mir nur festzustellen, dass ich mich ein wenig in Tel Aviv und das Land Israel verliebt habe und ich sicherlich nicht das letzte Mal dort zu Besuch gewesen bin.

שלום