Realität kreieren

Das mit der Realität ist ja so eine Sache. Jeder hat seine eigene Wahrheit der Dinge, die um ihn herum passieren und dummerweise gilt das auch für die Momente, die zwei oder mehrere Menschen gemeinsam erleben. Jeder nimmt diesen Moment für sich anders wahr. Jeder erschafft eine eigene Wahrheit dessen, was er erlebt. In dem Zusammenhang ist das deutsche Wort „wahrnehmen“ schon wundervoll. Man „nimmt“ sich das, was für einen selbst „wahr“ ist und baut daraus seine Realität.

Wenn ich zum Beispiel eine Suppe salze und diese mit Freunden esse, dann finde ich sie wahrscheinlich genau richtig gesalzen. Einer meiner Freunde findet sich jedoch möglicherweise viel zu lasch und möchte nachsalzen, während ein anderer sie unglaublich salzig empfindet. Wir teilen zur gleichen Zeit die gleiche Suppe und dennoch gibt es drei Realitäten dessen, wie salzig besagte Suppe ist und das Schöne ist, es hört ja nicht beim Salz auf. Farbe, Konsistenz, Wärmegrad usw. beschreiben weitere Aspekte der Suppe, welche bei den drei Beteiligten völlig unterschiedliche Wahrnehmungen auslösen können. Spinnen wir dies nun einmal weiter auf komplexere Alltagssituationen, wird eigentlich sehr schnell deutlich, wie vielschichtig Realität ist und welche unglaubliche Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten sich in jedem Moment der Wahrnehmung verbergen. Nicht umsonst hören wir immer wieder einmal im Zusammenhang mit Zeugenaussagen, dass diese sich oftmals in vielen Details völlig voneinander unterscheiden, je nachdem welche und wie viele Zeugen dazu befragt werden konnten.

Wenn ich diesen Gedanken noch etwas weiter verfolge, muss ich zwangläufig zu dem Schluss kommen, dass es so etwas wie „Objektivität“ nicht geben kann, zumindest nicht aus dem Auge eines in diesem System der Realitätserschaffung integrierten Beteiligten. Vor dem inneren Auge des großen Ganzen mag es so etwas geben, doch das entzieht sich dessen, was ich weiß.

Zurück also zur Wahrnehmung, Realitätsbildung und Objektivität. Wir denken so oft, dass wir, wenn wir aus einer Situation heraustreten oder aber von jemandem etwas geschildert bekommen, dass wir dies „objektiv“ betrachten können. Das scheint mir vor diesem Hintergrund einer der größten Trugschlüsse zu sein, den man ziehen kann. Ich bilde mir in dem Moment, in dem mir ein Ereignis geschildert wird meine Realität auch wieder nur aus den Aspekten, die ich für „wahr nehme“ und kann dann wohl kaum behaupten, sie objektiv betrachtet zu haben. Was wir wohl eher mit „Objektivität“ meinen, ist die Tatsache, dass wir in diesen Ereignissen nicht emotional und auch nicht auf Ebene unseres Egos verhaftet sind und so vielleicht ein wenig wertneutraler in unserer Wahrnehmung bleiben können. Letzten Endes, kann keiner von uns einen objektiven Standpunkt zu etwas einnehmen.
Was also bleibt ist die Feststellung, dass es, je nachdem, wie viele Beobachter einem Ereignis beiwohnen, eine gleichgroße Anzahl an Realitäten wahrgenommen werden. Es ist natürlich nicht auszuschließen, wenngleich auch unwahrscheinlich, dass dabei zwei oder mehrere Beobachter eine komplett gleiche Wahrnehmung haben.

Ich gehe nun aber noch einen Schritt weiter zu dem mich eine Erzählung einer Freundin gebracht hat. Wir sind hin und wieder in Situationen, in denen wir von unserer Umgebung und unserem Umfeld sozusagen Zeichen bekommen. Es kann so etwas wie eine Melodie sein, beispielsweise die Titelmelodie eines Films, welcher eine besondere und motivierende Wirkung auf uns hatte. Wir zweifeln möglicherweise gerade an einer Entscheidung und dann tauscht diese Melodie immer wieder auf. Letztlich ist sie ein kleiner Spiegelaus dem Außen, welcher uns die Möglichkeit gibt, zu ergründen, ob die Zweifel gerechtfertigt sind. Je nachdem, wie die Melodie für uns besetzt ist, können wir so schnell erkennen, was es uns sagen soll. Nun schilderte mir besagte Freundin, dass das doch ein tolles Zeichen sei und fügte ein Zuspruch suchendes, „oder?“ hinzu.

Es steht weder mir noch sonst jemandem zu, dies final zu beantworten, denn ich denke, dass es wir selbst sind, die bei solchen Fragen die Antwort auf das „oder?“ geben müssen, denn wir „nehmen wahr“ und kreieren so unsere Realität. Ich sagte ihr also, dass sie wenn sie die Melodie als ein gutes Zeichen dafür sehe, auf dem richtigen Weg zu sein und die Zweifel loslassen zu dürfen, sich das in ihrer Realität entfalten wird. Wenn sie jedoch Zweifel über die Bedeutung der Melodie habe und denkt, sich das alles zurechtzubiegen und es nur ein komischer Zufall sei, sich genau das kreiert: Komische Zufälle, die mir eine Melodie spielen, die etwas in mir auslöst in einer Situation, in der ich zweifele und mir zurechtbiege, dass das etwas bedeuten könnte – nicht mehr, nicht weniger.

Wir selbst sind es, die Realität erschaffen und haben in jedem Moment die Kraft dazu, zu entscheiden, wohin unser Weg uns führt. Das ist sicherlich hin und wieder schwer zu greifen, aber in dem Moment, in dem ich die Möglichkeit habe, etwas das mir begegnet auf vielfache Weise wahrzunehmen, wird es umso deutlicher, wie viel Kraft dessen, was Realität erzeugt, in mir selbst liegt.

Wir können jederzeit üben, bewusster unsere Realität zu bilden. Am Morgen, wenn wir erwachen und sehen, dass es regnet, können wir entscheiden ob wir uns einen Tag mit schlechtem Wetter kreieren oder mit den Gedanken an die wundervolle Schönheit des Regens und seinen Platz im Kreislauf der Natur in einen ebenso wundervollen Tag starten.
Dieser winzige Moment hat bereits einen großen Einfluss auf unsere Realität.

Baue Dir Deine Realität und sei Dir Deiner eigenen Macht darüber bewusst. Es ist und bleibt DEINE Realität, DEINE Wahrheit. Niemand kann sie Dir wegnehmen.

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