Realität kreieren

Das mit der Realität ist ja so eine Sache. Jeder hat seine eigene Wahrheit der Dinge, die um ihn herum passieren und dummerweise gilt das auch für die Momente, die zwei oder mehrere Menschen gemeinsam erleben. Jeder nimmt diesen Moment für sich anders wahr. Jeder erschafft eine eigene Wahrheit dessen, was er erlebt. In dem Zusammenhang ist das deutsche Wort „wahrnehmen“ schon wundervoll. Man „nimmt“ sich das, was für einen selbst „wahr“ ist und baut daraus seine Realität.

Wenn ich zum Beispiel eine Suppe salze und diese mit Freunden esse, dann finde ich sie wahrscheinlich genau richtig gesalzen. Einer meiner Freunde findet sich jedoch möglicherweise viel zu lasch und möchte nachsalzen, während ein anderer sie unglaublich salzig empfindet. Wir teilen zur gleichen Zeit die gleiche Suppe und dennoch gibt es drei Realitäten dessen, wie salzig besagte Suppe ist und das Schöne ist, es hört ja nicht beim Salz auf. Farbe, Konsistenz, Wärmegrad usw. beschreiben weitere Aspekte der Suppe, welche bei den drei Beteiligten völlig unterschiedliche Wahrnehmungen auslösen können. Spinnen wir dies nun einmal weiter auf komplexere Alltagssituationen, wird eigentlich sehr schnell deutlich, wie vielschichtig Realität ist und welche unglaubliche Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten sich in jedem Moment der Wahrnehmung verbergen. Nicht umsonst hören wir immer wieder einmal im Zusammenhang mit Zeugenaussagen, dass diese sich oftmals in vielen Details völlig voneinander unterscheiden, je nachdem welche und wie viele Zeugen dazu befragt werden konnten.

Wenn ich diesen Gedanken noch etwas weiter verfolge, muss ich zwangläufig zu dem Schluss kommen, dass es so etwas wie „Objektivität“ nicht geben kann, zumindest nicht aus dem Auge eines in diesem System der Realitätserschaffung integrierten Beteiligten. Vor dem inneren Auge des großen Ganzen mag es so etwas geben, doch das entzieht sich dessen, was ich weiß.

Zurück also zur Wahrnehmung, Realitätsbildung und Objektivität. Wir denken so oft, dass wir, wenn wir aus einer Situation heraustreten oder aber von jemandem etwas geschildert bekommen, dass wir dies „objektiv“ betrachten können. Das scheint mir vor diesem Hintergrund einer der größten Trugschlüsse zu sein, den man ziehen kann. Ich bilde mir in dem Moment, in dem mir ein Ereignis geschildert wird meine Realität auch wieder nur aus den Aspekten, die ich für „wahr nehme“ und kann dann wohl kaum behaupten, sie objektiv betrachtet zu haben. Was wir wohl eher mit „Objektivität“ meinen, ist die Tatsache, dass wir in diesen Ereignissen nicht emotional und auch nicht auf Ebene unseres Egos verhaftet sind und so vielleicht ein wenig wertneutraler in unserer Wahrnehmung bleiben können. Letzten Endes, kann keiner von uns einen objektiven Standpunkt zu etwas einnehmen.
Was also bleibt ist die Feststellung, dass es, je nachdem, wie viele Beobachter einem Ereignis beiwohnen, eine gleichgroße Anzahl an Realitäten wahrgenommen werden. Es ist natürlich nicht auszuschließen, wenngleich auch unwahrscheinlich, dass dabei zwei oder mehrere Beobachter eine komplett gleiche Wahrnehmung haben.

Ich gehe nun aber noch einen Schritt weiter zu dem mich eine Erzählung einer Freundin gebracht hat. Wir sind hin und wieder in Situationen, in denen wir von unserer Umgebung und unserem Umfeld sozusagen Zeichen bekommen. Es kann so etwas wie eine Melodie sein, beispielsweise die Titelmelodie eines Films, welcher eine besondere und motivierende Wirkung auf uns hatte. Wir zweifeln möglicherweise gerade an einer Entscheidung und dann tauscht diese Melodie immer wieder auf. Letztlich ist sie ein kleiner Spiegelaus dem Außen, welcher uns die Möglichkeit gibt, zu ergründen, ob die Zweifel gerechtfertigt sind. Je nachdem, wie die Melodie für uns besetzt ist, können wir so schnell erkennen, was es uns sagen soll. Nun schilderte mir besagte Freundin, dass das doch ein tolles Zeichen sei und fügte ein Zuspruch suchendes, „oder?“ hinzu.

Es steht weder mir noch sonst jemandem zu, dies final zu beantworten, denn ich denke, dass es wir selbst sind, die bei solchen Fragen die Antwort auf das „oder?“ geben müssen, denn wir „nehmen wahr“ und kreieren so unsere Realität. Ich sagte ihr also, dass sie wenn sie die Melodie als ein gutes Zeichen dafür sehe, auf dem richtigen Weg zu sein und die Zweifel loslassen zu dürfen, sich das in ihrer Realität entfalten wird. Wenn sie jedoch Zweifel über die Bedeutung der Melodie habe und denkt, sich das alles zurechtzubiegen und es nur ein komischer Zufall sei, sich genau das kreiert: Komische Zufälle, die mir eine Melodie spielen, die etwas in mir auslöst in einer Situation, in der ich zweifele und mir zurechtbiege, dass das etwas bedeuten könnte – nicht mehr, nicht weniger.

Wir selbst sind es, die Realität erschaffen und haben in jedem Moment die Kraft dazu, zu entscheiden, wohin unser Weg uns führt. Das ist sicherlich hin und wieder schwer zu greifen, aber in dem Moment, in dem ich die Möglichkeit habe, etwas das mir begegnet auf vielfache Weise wahrzunehmen, wird es umso deutlicher, wie viel Kraft dessen, was Realität erzeugt, in mir selbst liegt.

Wir können jederzeit üben, bewusster unsere Realität zu bilden. Am Morgen, wenn wir erwachen und sehen, dass es regnet, können wir entscheiden ob wir uns einen Tag mit schlechtem Wetter kreieren oder mit den Gedanken an die wundervolle Schönheit des Regens und seinen Platz im Kreislauf der Natur in einen ebenso wundervollen Tag starten.
Dieser winzige Moment hat bereits einen großen Einfluss auf unsere Realität.

Baue Dir Deine Realität und sei Dir Deiner eigenen Macht darüber bewusst. Es ist und bleibt DEINE Realität, DEINE Wahrheit. Niemand kann sie Dir wegnehmen.

Erkennen und Integrieren

Manche unserer Traumen liegen tief in unserem Seeleninneren verborgen. Wir können sie teilweise nur schlecht erkennen, selbst wenn sie sich immer wieder zeigen. Es bedarf dann oftmals eines Spiegels in Form eines Partners, Freundes oder einer Situation, die uns hilft, genauer hinzuschauen. Und damit ist der erste wichtige Schritt getan. Wenn wir einmal den Anblick unseres Traumas erhascht haben, können wir mit ihm arbeiten. Wir haben die Chance zu erkennen, wodurch wir uns zu bestimmten Reaktionen haben hinreißen lassen und in den Schmerz gezielt hineinhorchen.

Oftmals haben sich diese Schmerzkörper – ich verwende dieses Wort von Eckhard Tolle aus seinem Buch Jetzt – Die Kraft der Gegenwart sehr gerne, weil es einfach so zutreffend ist. Diese Schmerzkörper haben häufig eine große Macht über uns. Das ist ihr großes Talent. Sie tarnen sich durch ihre Kraft, Stärke und überwältigende Präsenz im Moment ihres Auftretens. Wir haben dann manchmal keine Möglichkeit, zu erkennen, dass wir uns in der daraus resultierenden absoluten Unbewusstheit völlig unseren Ängsten hingeben. Wir geben dem Trauma damit alle Energie, um wieder an die Oberfläche zu kommen und das ist eigentlich das, was wir durch so viele Schutzstrategien im Laufe von Jahren versucht haben, zu verhindern.

Das Unangenehme dabei ist allerdings, dass sie sich nie auf Dauer verbergen lassen, sondern uns immer wieder einen Besuch abstatten. Immerhin wollen sie gesehen werden und die nötige Aufmerksamkeit und Beachtung in den Momenten der Wahrnehmbarkeit. Im Endeffekt sind Schmerzen nur dazu da, dass wir sie erkennen, ihre Ursachen erspüren und uns ihnen stellen. Dazu müssen wir aber in Bewusstheit agieren. Eine kleine Herausforderung im Alltag. Eigentlich dürfen und können wir sie schon im Moment des ersten Erlebens genauso betrachten, doch oftmals fehlt und in jungen Jahren noch die Kraft und die Erkenntnis und leider in der westlichen Welt auch die Anleitung dazu, wie das genau funktioniert.

So verwurzeln sich diese Erlebnisse aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenleben in uns und wir begeben uns immer wieder in Situationen, die aus uns all diese alten traumatischen Empfindungen herausholen und die Spiegel werden zumeist immer größer, damit wir sie endlich erkennen. Wenn wir dies dann einmal geschafft haben, können wir uns vielleicht doch wieder auf unsere Bewusstheit fokussieren und genauer hinschauen. Dann benötigen wir aber Werkzeuge, um diese alten Anhängsel auch wirklich los zu werden. Es reicht dabei nicht, sie einfach nur als solche zu erkennen, sondern wir müssen sie annehmen, wie sie sind, den Schmerz gehen und die Erkenntnis darüber in uns einfließen lassen. Die Mittel und Wege dazu sind für jeden Menschen anders und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ich habe durch meine Ausbildung zum Theki-Meister meinen Weg gefunden, damit zu arbeiten. Andere Menschen meditieren oder praktizieren Yoga. Wieder andere gehen zu einem Reiki-Heiler oder tanzen sich vom Scherz frei. Es gibt kaum Grenzen dabei, wie ein Loslassen des Schmerzes funktionieren kann, so lange wir uns nicht in der Arbeit mit dem Schmerz zerstreuen. Fernsehen zu schauen, im Internet zu surfen und ähnliche Dinge werden uns leicht wieder aus der Bewusstheit herausholen. Diese Beschäftigungen sind gut, wenn wir merken, dass uns die Kraft fehlt, hinzuschauen. Dann kann kurzfristige Zerstreuung kleine Wunder wirken. Aber es führt kein Weg daran vorbei, den Schmerzkörper zu erkennen, anzuschauen und transformiert als Erfahrung in uns aufzunehmen und zum Teil unseres Selbst werden zu lassen, der nicht mehr weh tut. Wir dürfen stets darauf vertrauen, dass uns das alles nur widerfährt, damit wir am Ende im besten Falle all unsere Schmerzkörper transformiert und in unser innerstes Seelenselbst integrieren konnten.

Im Kleinen wie im Großen

Wenn man sich einmal auf den Weg macht, sich mit Quantenmechanik oder der Relativitätstheorie zu beschäftigen, stößt man leicht auch auf das Buch Die Entstehung der Realität von Jörg Starkmuth. Das Thema dieses Buches ist es, dass wir alle unsere Realität selber kreieren, sozusagen aktiv selbst erschaffen und mit jeder Tat, jedem Gedanken und jeder Haltung eben diese beeinflussen. In spirituellen Kreisen ist dies keine Neuigkeit mehr. Die alten Kulturen der Menschheitsgeschichte schienen schon zu ihren Zeiten mit diesen Dingen sehr viel vertrauter zu sein, als wir es heute sind. Auch in verschiedenen Büchern, Filmen und Serien spiegeln sich Variationen von Ideen der Selbsterschaffung von Realität wieder.
In der Literatur hat es dafür bereits verschiedene Werke gegeben, die uns zeigen, wie Realitäten auf diese Art entstehen (Der Wolkenatlas oder Shikasta)und auch jüngst in der Fernsehgeschichte hat es dazu Filme und Serien (Babylon 5 oder Sense 8) gegeben. Sie alle lehren uns aber auch, dass das Erschaffen von Realität oftmals unter Schmerzen stattfinden kann.

Viele von uns erleben eben solche selbsterfüllenden Momente der Realitätserschaffung bereits in ihrem Alltag, da sie sich bewusst und aufmerksam auf ihrem Lebensweg bewegen. Ich dürfte jedoch neulich beobachten, wie sich solch eine Realität nicht nur für einzelne Menschen kreiert, sondern dass auch Institutionen, Unternehmen oder Vereine als größere Einheiten den gleichen Phänomenen von Realitätserschaffung unterlegen sind. Ich möchte heute versuchen, zu schildern, was ich dabei wahrgenommen habe.

Unsere Wirtschaft ist immer noch dahin ausgerichtet, dass das höchste Streben eines Unternehmens rein auf dessen Wachstum abzielt. Kaum ein Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender sieht etwas anderes als einen wichtigeren Antriebsrahmen seines Unternehmens.
Grundsätzlich möchte ich dies auch gar nicht als etwas Schlechtes beurteilen – genauso wenig als etwas Gutes. Jedoch werden in solchen Prozessen auch einmal ungünstige Entscheidungen getroffen. Gute ist es, wenn man dabei auf die Warnungen aus den Kreisen der Mitarbeiterschaft hört, sofern es welche gibt. Ich durfte aber schon erleben, dass diese nahezu gänzlich ignoriert wurden. Auf den höheren Entscheidungsebenen werden ab einem gewissen Punkt nur zu gern die Augen vor der Realität verschlossen. Man wähnt für sich einen bestimmten Moment als eine große Chance, eine Möglichkeit des Fortschritts für das eigene Unternehmen und will auf Biegen und Brechen höher aufsteigen, zu den Größeren gehören, um sich seinen Weg an die Spitze immer weiter zu bahnen. Grundsätzlich ist an ambitioniertem Streben zunächst nichts auszusetzen, dennoch sollten man dabei niemals vergessen, welche Reaktionen auf bestimmte Aktionen folgen können. Denn schon an diesem Punkt kann ein „Wegsehen“ bedeuten, dass große Summen an Unternehmenskapital zu häufig für unüberlegten Aktionismus verbrannt werden, weil im Vorfeld die aufkommenden Unstimmigkeiten nicht bereits aktiv und offen bereinigt worden sind. In der Folge kann das bedeuten, dass ein strenger Sparkurs die einzige Option zu sein scheint, die dem Unternehmen wieder auf den rechten Weg hilft. Die liquiden Mittel sind reduziert, also werden Mitarbeiter – häufig die älteren und erfahreneren Kollegen – entlassen oder befristete Verträge laufen aus. Ressourcen und Arbeitsmittel werden gekürzt und das obwohl die Aufträge mitunter weiterhin in gleichen Größenordnungen vorliegen. Die Menge der Projekte, für die einzelne Mitarbeiter zuständig sind, verdoppeln sich und das Arbeitspensum sowie die Anspannung steigt.

Eine Unzufriedenheit macht sich Schritt für Schritt unter den Mitarbeitern breit. Junge Kollegen werden ohne fundierte Einarbeitung und mit fehlender Routine auf die Posten von den erfahreneren Kollegen gesetzt, die dann ihren Hut nehmen dürfen. Es folgt unweigerlich eine Überforderung und wenn die Führungsebene dies mit Schulterzucken abtut, ist weitere Demotivation und Missstimmung vorprogrammiert – man versucht, das Problem auszusitzen, indem man wegschaut, doch wir alle wissen, dass darin keine Lösung liegen kann.

Oftmals sind die Mitarbeiter weiterhin dem Unternehmen treu ergeben, aus Loyalität, weil sie bereits seit Jahren für die Firma einstehen oder einfach aus einem Pflichtbewusstsein heraus, welches sie empfinden, wenn sie sich vertraglich einer Firma anschließen und damit ihre Arbeitskraft gegen ein entsprechendes Gehalt eintauschen. Dennoch wächst Frustration. Die Führung sieht die Belastung des Mitarbeiterstabs nicht – oder will sie nicht sehen und die Mitarbeiter fühlen sich mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen. Es klappt ja alles noch und die Produkte werden nach wie vor fristgerecht geliefert. Okay, an manchen Stellen vielleicht nicht mehr ganz so sauber gearbeitet, wie im vergangenen Jahr, aber immerhin einsatzfähig, ganz nach ihrem Verwendungszweck.

Und dann, eines lieben Tages passiert es, dass in einem Projekt die Marge nicht ganz dem entspricht, was man sich vorgestellt hat und anstatt den Fehler im System bei sich zu suchen, wird die Verfehlung im Außen gesucht. In der Projektleitung, im Mitarbeiterstab, bei den Dienstleistern, die man sich dazu gebucht hatte. Die Verantwortung für das Geschehen wird in der Hierarchie nach unten abgegeben, wobei die Augen weiterhin verschlossen bleiben vor den immer maroder werdenden Strukturen im moralischen Mauerwerk der Mitarbeiter. Diese versuchen trotz Druck, Stress und Überlastung zwar nach wie vor, ihr Bestes zu geben, aber irgendwann kapitulieren sie vor einem immer größer werdenden Berg an Verantwortung und Arbeitspensum. Krankheiten machen sich breit. Nicht etwa nur eine dreitägige Erkältung, nein, die Mitarbeiter liegen bei bestem Wetter mit Sommergrippen oder Bronchitis im Bett, schlafen schlecht und sind übermüdet. Fehler schleichen sich in der Arbeit ein und die Spirale dreht das Unternehmen immer weiter nach unten.

Alles was ich hier beschrieben habe, sind jedoch nach wie vor nur die „weltlichen“ Effekte, die eine entsprechende Haltung und ein entsprechendes Führungsverhalten auslösen. Doch auch in größeren Kontexten sind Zeichen zu erkennen, wenn man sie denn erkennen will: Ganz plötzlich sagen beispielsweise prominente Unterstützer ihr Engagement wieder ab oder können ebenfalls aus Krankheitsgründen an wichtigen Events nicht mehr teilnehmen. Ein Fachberater sagt kurzfristig seine Mitarbeit aus persönlichen Gründen ab und damit verzögert sich ein Projekt nahezu so sehr, dass es nicht mehr rechtzeitig gefertigt werden kann und damit immense Mehrkosten für das Unternehmen verursachen könnte.

Auf den ersten Blick sind all diese Vorkommnisse in keinem direkten Kausalzusammenhang mit der sonstigen Verfassung des Unternehmens. Was aber, wenn Autoren wie Starkmuth in ihrem Buch Recht haben? Was ist, wenn eine geistige Grundhaltung bzgl. aller möglichen Variablen der Realitätsgestaltung verursachen, dass die Realität, die ein Unternehmen erlebt, ebenfalls davon abhängig ist, welche wahrscheinlichste Möglichkeit sie durch ihre Handlungen und Aktionen hervorrufen? Ich habe solche Entwicklungen bereits erlebt und bin davon überzeugt, dass wir die kreative Macht haben, unsere Realität selber zu erschaffen, den Weg, der vor uns liegt zu verändern und zu kreieren. Da wir aber mit allem verbunden sind, ist es gar nicht anders möglich, dass auch die Geschicke von Konstrukten wie Unternehmen, mit denen wir verbunden sind, ebenfalls durch diese Weichen, die wir stellen in ihren Wegen gelenkt werden. Ist also die moralische Haltung in einem Unternehmen auf Grund von Entscheidungen der Führungsebenen sehr gering, so wird sich dies rein energetisch auf sehr viele Operationen innerhalb eines Unternehmens auswirken und mehr und mehr Schwierigkeiten im Workflow erschaffen.

Gibt es einen Weg, mit dem ein Unternehmen und dessen Führungen eine solche Entwicklung abwenden können? Sicherlich gelten auch hier die gleichen Regeln, wie sie für jedes einzelne Lebewesen gelten.
In Achtsamkeit, Bewusstheit und Ehrlichkeit liegen auch hier die Schlüssel dafür, dass sich die Realität auf einem Weg entwickelt, der förderlich ist – egal ob für eine Einzelperson oder ein Unternehmen.

Der Wolkenatlas – David Mitchell

6 Charaktere – 6 Geschichten – 6 Orte auf der Welt – zu 6 verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte.
Was haben ein Anwalt auf einem Handelsschiff im Südpazifik um 1849 und ein Buchverleger im heutigen England gemeinsam? Was verbindet eine Journalistin im San Francisco der 1970er Jahre mit einem Schäfer in der postapokalyptischen Welt des Jahres 2321? Wie beeinflusst ein junger Komponist in Belgien kurz vor dem zweiten Weltkrieg das Schicksal einer geklonten Fast-Food-Serviererin in Neo Seoul im Jahr 2144?
David Mitchell zeigt uns, dass nicht nur alle Menschen im Hier und Jetzt verbunden sind, sondern dass die Bande sich auch durch die Zeit erstrecken. Wie wir über Zeit und Raum hinweg in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft verknüpft und wiederholen all unsere Fehler immer wieder, bis wir gelernt haben, was wir zu lernen haben.

David Mitchell kreiert durch Erzählungen in verschiedene Epochen der Zeit eine Perspektive auf unsere Welt und eine Wahrnehmung von Realität, die ganz deutlich zeigt, was spirituelle Lehren alter Kulturen schon immer nahe bringen wollten: Alles ist in steter Interaktion miteinander und die Taten des Einzelnen haben Auswirkungen auf Raum und Zeit. Realität kreiert sich direkt aus Worten, Taten und Gedanken. Nichts ist unabhängig, alles ist verschränkt in einem großen Ganzen.

Der Roman von 2004 hatte in Deutschland zunächst nicht besonders große Aufmerksamkeit erlangt, während er in England seinerzeit mit Preisen ausgezeichnet worden ist. Mit der Verfilmung von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern im Jahr 2012 gewann der Roman jedoch auch in Deutschland zunehmend Beachtung. In der Verfilmung glänzen unter anderem Stars wie Halle Berry, Tom Hanks, Huge Weaving, Susan Sarandon und Hugh Grant. Sie alle spielen verschiedene Rollen in den unterschiedlichen Geschichten, welche auf eine subtile Art miteinander verwoben sind. Eine Verbindung, die Mitchell in seiner literarischen Vorlage durch Wortgeschick und narrative Techniken kreieren musste, wurde vom Regie-Trio in der Verfilmung geschickt durch diesen multiplen Einsatz der Schauspieler untermauert und verdeutlicht selbst dem unbedarften Zuschauer, dass auch dort Bande vorherrschen, wo wir sie nur erahnen mögen.

Dennoch trifft der Film in seiner Erzählart nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Während der Roman viel langsamer und kontinuierlich von der Vergangenheit in die Zunkunft erzählt, um dann wieder rückwärts in die Vergangenheit zu verlaufen und sein Ende zu finden, verlangt der Film dem Zuschauer eine große Auffassungsgabe ab. In einer schnellen Komposition springt der Zuschauer von einer Erzählzeit in die nächste und wieder zurück, und ist gezwungen, in sehr kurzer Zeit eine Unmenge an Figuren und Geschichten auf- und wahrzunehmen. Wenn man sich jedoch mit ein wenig innerer Ruhe in die Geschichten sinken lässt, wird man am Ende durch eine wundervolle Komposition von Bildern, Worten und Emotionen belohnt.

Für mich gehört Der Wolkenatlas vor allem als Buch, aber auch als Verfilmung zu den beeindruckenden Werken der jüngeren Literatur und Filmgeschichte. Ich hege keinen Zweifel daran, dass dieses Werk den Test der Zeit bestehen wird und auch in einigen Jahrzehnten noch Perspektiven aufzeigt, die für unsere Nachkommen von Interesse sein werden. Sein spiritueller Tiefgang zeigt, dass die Menschen langsam aber auch stetig begreifen, dass wir eins sind und die Individualität ihre Grenzen hat und Einschränkungen aufruft, die wir ablegen dürfen und vielleicht sogar ablegen müssen, wenn wir als Menschheit unseren Weg auf diesem Planeten weiter beschreiten mögen.

Sich selbst vergeben dürfen…

Manchmal verletzten wir durch das, was wir sagen oder tun einen Mitmenschen – einen Freund, einen Kollegen, ein Familienmitglied oder auch unseren Lebenspartner. Selbst wenn wir schon eine hohe Bewusstheit in unserem alltäglichen Leben unser eigen nennen, passiert es immer wieder, dass wir auch unbewusst handeln. Es kommt sogar vor, dass wir komplett aus ihr herausfallen und sich alte Muster zur Gänze wieder nach außen dringen.

Dieser Moment ist für alle Beteiligten in der Regel sehr schmerzhaft, denn auch der „Angreifer“ wird früher oder später wieder Schritt für Schritt in seine Bewusstheit zurückkehren und muss sich dann mit Schuldgefühlen und seinem eigenen Schmerz über diesen „Rückfall“ auseinandersetzen.

Einen Rückfall im Sinne des Wortes gibt es nicht. Das ist eine ganz fundamentale Erkenntnis, die wir uns dann immer wieder in unser Herz rufen dürfen. Es gibt immer einen Grund dafür, dass uns eine Situation aus den Händen gleitet und wir einen Teil von uns heraufbeschwören, den wir eigentlich dachten, hinter uns gelassen zu haben. Aber das an sich war schon ein Trugschluss. Es kann aus verschiedensten Gründen passieren, dass diese kleinen, kämpfenden und stechenden Anteile in uns getriggert werden: Stress auf der Arbeit, ein Unwohlsein auf Grund von Krankheit oder einfach irgendeine Unzufriedenheit. Diese Dinge sind dann nicht unbedingt die Gründe für einen Ausbruch, können aber die Auslöser sein. Und wenn sich dann diese Energie aus Angst und Schmerz freisetzt, kann sie in einem Moment der Unbewusstheit unserem Ego dienen, sich kurz vollends zu entfalten. All das innere Aufbegehren bricht heraus und alle vermeintlichen Schutzmechanismen werden wachgerufen. Sie dienen nur dazu, dem Ego zu bestätigen, dass es im Recht ist, so zu handeln. Leider geben sie uns nicht das, wonach wir uns eigentlich sehnen – keinen Schutz, kein Erkennen.

Kurz danach mag es sein, dass die Wogen sich wieder glätten und dennoch verbleiben wir oft noch in einem „leichteren“ Egozustand, der uns sagt, dass wir zu Unrecht gehandelt haben. Hiermit bestätigen wir uns aber eigentlich nur, dass wir weiteres Recht auf Leid haben und wenn wir nicht wieder in die Bewusstheit zurückkehren, dann verbleiben wir im Leiden. Generell ist nichts dagegen einzuwenden, aber wie ich schon einmal schrieb gibt es den feinen Unterschied zwischen der Wahrnehmung eines Zustandes, der uns weh tut und dem daran Festhalten und sich darin beinahe Suhlen. Das Festhalten am Schmerz wird uns Nichts aus diesen Situationen lehren. Wir sind verhaftet und bleiben förmlich stecken, blind und damit unfähig zu erkennen. Wenn wir in die Bewusstheit zurückkehren, können wir die Momente voller Ego als solche erkennen und haben bereits etwas über uns herausgefunden. Schauen wir weiter in uns hinein, kann sich manches Mal auch eine Ursache für unseren Ausbruch zeigen.

Wenn wir einen Menschen von uns stoßen, indem wir ihn mit Aussagen verletzen, die teilweise sehr hart und unerbittlich wirken können – das Ego hat wunderbare Mechanismen, sich sehr extrem auszuleben – dann verbirgt sich hierin oftmals ein altes Muster, welches nach Bestätigung verlangt. Vielleicht trage ich das Gefühl in mir, es nicht wert zu sein, eine harmonische Beziehung mit der betroffenen Person zu führen, vielleicht empfinde ich mich als schwach und klein, als nicht so gut und effektiv in meinem Handeln. Es können wir immer viele Gründe sein.
In jedem Fall werden wir mit einem Teil von uns konfrontiert, den wir nicht mögen. Niemand mag es, einen Menschen zu verletzen, an dem ihm etwas liegt. Warum zeigen wir uns dann aber trotzdem von diesen Seiten? Es sind Fluchtmechanismen oder Bestätigungsstrategien, die in Wörtern getarnt um uns schlagen und Raum schaffen wollen. Wir dürfen uns weiter darin üben, diese kleinen Teile in uns zu erkennen, die wir nicht mögen, denn unsere Chance ist, sie endlich zu akzeptieren und lieben zu lernen. Sie sind Teil von uns und können nicht abgetrennt werden. Je mehr wir sie als das begreifen, umso weniger werden sie um ihr Dasein bemüht sein, zu kämpfen.

Manchmal braucht es Zeit, sich das wieder ins Herz zu rufen, weil äußere Umstände unsere Kräfte ablenken und wir uns nur schwer auf unser inneres Selbst fokussieren können. Auch dann dürfen wir mit uns gnädig sein und uns selbst vergeben. Ja, es ist hilfreich, wenn uns der andere vergibt, aber umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst vergeben können, was wir getan haben. Denn nur so können wir uns als Gesamtheit lieben und anerkennen und uns auch zugestehen, dass wir das bekommen und genießen dürfen, was uns gut tun.

Und manchmal haben wir einen kleinen Engel vor uns sitzen – jemanden, der wie ein sanfter Krieger unsere Seele erkennt und um sie kämpft, im Guten – einen Herzensfreund, der uns vollends versteht, uns aber auch unsere Grenzen aufzeigt und klar macht, wenn wir sie überschritten haben. Er wird sich möglicherweise auch seine Zeit nehmen, um seine Lernaufgabe aus der Situation zu erkennen, aber dennoch hat er uns schon alleine durch seine Präsenz, seine Güte und sein Verständnis geholfen, dass wir uns selber vergeben können.
Wenn wir einen solchen Schatz in unserer Nähe haben, dürfen wir dankbar und glücklich sein, denn trotz der Zweifel an uns selbst wird er uns helfend die Hand reichen – auf seine eigene Art, mit seiner eignen Kraft, definitiv aber immer aus unendlich großer Liebe.

Ich bin dankbar und glücklich, denn im Moment erlebe ich Situationen vermeintlicher Rückfälle und werde immer wieder von einem engelhaften Krieger darin bestärkt, dass ich diese Anteile von mir annehmen darf und stark genug bin, sie zu lieben und dass ich mir vergeben darf für meine kleinen Ausrutscher.