Blindheit im Erkennen

Der Weg des Erkennens ist immer wieder auch durch Phasen mit Blindheit gekennzeichnet. Wenn wir einmal für uns selbst die Erfahrung gemacht haben, Dinge in uns zu sehen, dann steigt oftmals auch das Bedürfnis, diese Erkenntnis mit anderen zu teilen. Wir wissen natürlich, dass es keinerlei Sinn macht, andere Menschen zu missionieren. Vielmehr können wir besser unsere Erfahrungen teilen und den Menschen an unserer Seite einfach aufzeigen, was wir in diesem Erleben empfunden und erkannt haben.

Doch immer wieder kommt es auch dazu, dass wir dies auch vergessen und einfach zu einem permanent ähnlichen Spiegel für den anderen werden. Für den anderen Menschen ist es nicht unbedingt zuträglich, wenn er durch uns immer nur denselben Aspekt gespielt bekommt. Vor allem, wenn dieser Mensch längst begriffen hat, was dieses Spiegelbild für ihn bedeutet. In dem Glauben, uns – und andere – erkannt zu haben, kann es so leicht geschehen, dass wir unsere Umgebung mit einem Bild geradezu überfluten. Dabei vergessen wir aber vielleicht andere wichtige Komponenten, die ebenfalls in diese Art des Austauschs integriert werden könnten.

Manchmal sollten wir vielleicht einfach nur zuhören und dem anderen schlicht den Raum geben, sich auszudrücken und seine innersten Empfindungen zu formulieren. Es ist nicht immer nötig, das dann durch unsere Brille gefiltert zu kommentieren.
Vielleicht geht es manchmal auch einfach viel mehr um einen praktischen Rat, den der andere viel mehr benötigt, als von uns darauf gestoßen zu werden, was sein Inneres eigentlich gerade ausdrückt.
Manchmal fehlen uns aber auch die Sensibilität und das Einfühlungsvermögen, weil wir auf Grund unserer Erfahrungen des Erkennens eine gewisse Selbstgefälligkeit und Leichtigkeit nach außen tragen. Ja, sicherlich dürfen wir die Leichtigkeit in unserem Sein stets in uns tragen, aber wir sollten dabei unsere Sensibilität nicht verlieren. Verständnis und Trost sind manchmal ebenso gut oder gar besser, als die Lehre unserer Erfahrung zu rezitieren.

Unser Gegenüber wird so oder so die Erfahrungen machen, die es machen soll. Für uns kann in einem solchen Moment die Chance liegen zu erkennen, Zurückhaltung und Geduld zu üben. Vor allem werden wir werden immer dann zu einem sich wiederholenden Spiegel, wenn sich in uns beinahe unmerklich Erwartungshaltungen manifestieren, die wir an den anderen Stellen.

Natürlich, wir stehen stets im Dialog mit unserer Umwelt und dieser bedingt sich gegenseitig. Wir reagieren und geben Anlass, dass unser Gegenüber auf uns reagiert und umgekehrt. Allerdings müssen wir vorsichtig sein: Aus dem Dialog kann unbemerkt ein Monolog werden und der nimmt uns am Ende die Leichtigkeit im Umgang mit all den wundervollen Seelen, die uns im Leben begegnen.

Auch wir dürfen manchmal wieder auf „Null“ schalten und uns fragen, ob wir dem anderen genug Aufmerksamkeit geschenkt haben, um ihn so wahrzunehmen, wie er ist oder aber ob wir vielmehr auf uns selbst fokussiert gewesen sind und dabei an einem überalterten Bildnis des anderen hängen geblieben sind, welches wir uns und ihm immer wieder vorzeigen.

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Erkennen und Integrieren

Manche unserer Traumen liegen tief in unserem Seeleninneren verborgen. Wir können sie teilweise nur schlecht erkennen, selbst wenn sie sich immer wieder zeigen. Es bedarf dann oftmals eines Spiegels in Form eines Partners, Freundes oder einer Situation, die uns hilft, genauer hinzuschauen. Und damit ist der erste wichtige Schritt getan. Wenn wir einmal den Anblick unseres Traumas erhascht haben, können wir mit ihm arbeiten. Wir haben die Chance zu erkennen, wodurch wir uns zu bestimmten Reaktionen haben hinreißen lassen und in den Schmerz gezielt hineinhorchen.

Oftmals haben sich diese Schmerzkörper – ich verwende dieses Wort von Eckhard Tolle aus seinem Buch Jetzt – Die Kraft der Gegenwart sehr gerne, weil es einfach so zutreffend ist. Diese Schmerzkörper haben häufig eine große Macht über uns. Das ist ihr großes Talent. Sie tarnen sich durch ihre Kraft, Stärke und überwältigende Präsenz im Moment ihres Auftretens. Wir haben dann manchmal keine Möglichkeit, zu erkennen, dass wir uns in der daraus resultierenden absoluten Unbewusstheit völlig unseren Ängsten hingeben. Wir geben dem Trauma damit alle Energie, um wieder an die Oberfläche zu kommen und das ist eigentlich das, was wir durch so viele Schutzstrategien im Laufe von Jahren versucht haben, zu verhindern.

Das Unangenehme dabei ist allerdings, dass sie sich nie auf Dauer verbergen lassen, sondern uns immer wieder einen Besuch abstatten. Immerhin wollen sie gesehen werden und die nötige Aufmerksamkeit und Beachtung in den Momenten der Wahrnehmbarkeit. Im Endeffekt sind Schmerzen nur dazu da, dass wir sie erkennen, ihre Ursachen erspüren und uns ihnen stellen. Dazu müssen wir aber in Bewusstheit agieren. Eine kleine Herausforderung im Alltag. Eigentlich dürfen und können wir sie schon im Moment des ersten Erlebens genauso betrachten, doch oftmals fehlt und in jungen Jahren noch die Kraft und die Erkenntnis und leider in der westlichen Welt auch die Anleitung dazu, wie das genau funktioniert.

So verwurzeln sich diese Erlebnisse aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenleben in uns und wir begeben uns immer wieder in Situationen, die aus uns all diese alten traumatischen Empfindungen herausholen und die Spiegel werden zumeist immer größer, damit wir sie endlich erkennen. Wenn wir dies dann einmal geschafft haben, können wir uns vielleicht doch wieder auf unsere Bewusstheit fokussieren und genauer hinschauen. Dann benötigen wir aber Werkzeuge, um diese alten Anhängsel auch wirklich los zu werden. Es reicht dabei nicht, sie einfach nur als solche zu erkennen, sondern wir müssen sie annehmen, wie sie sind, den Schmerz gehen und die Erkenntnis darüber in uns einfließen lassen. Die Mittel und Wege dazu sind für jeden Menschen anders und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ich habe durch meine Ausbildung zum Theki-Meister meinen Weg gefunden, damit zu arbeiten. Andere Menschen meditieren oder praktizieren Yoga. Wieder andere gehen zu einem Reiki-Heiler oder tanzen sich vom Scherz frei. Es gibt kaum Grenzen dabei, wie ein Loslassen des Schmerzes funktionieren kann, so lange wir uns nicht in der Arbeit mit dem Schmerz zerstreuen. Fernsehen zu schauen, im Internet zu surfen und ähnliche Dinge werden uns leicht wieder aus der Bewusstheit herausholen. Diese Beschäftigungen sind gut, wenn wir merken, dass uns die Kraft fehlt, hinzuschauen. Dann kann kurzfristige Zerstreuung kleine Wunder wirken. Aber es führt kein Weg daran vorbei, den Schmerzkörper zu erkennen, anzuschauen und transformiert als Erfahrung in uns aufzunehmen und zum Teil unseres Selbst werden zu lassen, der nicht mehr weh tut. Wir dürfen stets darauf vertrauen, dass uns das alles nur widerfährt, damit wir am Ende im besten Falle all unsere Schmerzkörper transformiert und in unser innerstes Seelenselbst integrieren konnten.

Gefährten auf dem Weg

Es gibt Momente, die mich dazu veranlassen, Dinge zu hinterfragen, die uns in unserem Leben wiederfahren. Es sind manchmal die schönen Dinge, es sind hin und wieder auch die traurigen Dinge. Es können glückliche Momente sein oder auch traumatische Ereignisse. Letztlich gehören sie alle zu unserem Leben, denn „Leben“ bedeutet, Situationen zu erleben, zu begreifen, sie abzuschließen und neue zu suchen.

Eine Nachricht hat mich am vergangenen Wochenende sehr bewegt. Ein lieber Freund hat eine Gefährtin verloren. Sie war für eine ganze Weile immer bei ihm und war ihm eine treue Begleiterin. Ein wunderschönes Tier, anmutig und aufmerksam, immer genau wissend, wenn es einem Menschen in ihrer Nähe nicht gut ging. Sie war manchmal feige, denn sie mochte den Regen nicht. Wie eine kleine Diva warf sie einem beschuldigende Blicke zu, wenn man im Regen mit ihr eine Runde drehen wollte. Möglicherweise liegt es in ihren Genen als Rhodesian Ridgeback-Dame, dass sie Regen einfach nicht mögen sollte. Ich trauerte und habe geweint, aber ich habe mich auch aus diesen Erinnerungen heraus freuen können.

Es war mir ein Vergnügen, sie zweimal als Ferienkind bei mir aufnehmen zu dürfen und obgleich es nur wenige Tage waren, die sie bei mir verbrachte, so hat sie in diesen Momente einfach mein Leben bereichert. So bleibt sie in meinem Herzen und ich bin dankbar dafür.

Wenn ein solcher Wegbegleiter uns verlässt, dann wissen wir oftmals im ersten Moment nicht, warum es uns geschieht. Vor allem, weil ein Verlassen durch den Tod für uns so unwiederbringlich erscheint. Es mutet einfach endgültig an und lässt uns scheinbar ohne eine Wahl zu haben zurück.

Doch Tod und Verlassen gehört zu unserem Leben hinzu, wie ich es bereits geschrieben habe. Im Erleben dieses Verlustes kann für jeden von uns die Erkenntnis verborgen sein, dass wir einfach hin und wieder auch diese Art des „Verlassen werden“ erleben müssen. Diese Erkenntnis zu spüren ist die Wahl, die wir in solchen Momenten haben. In diesem Erlebnis wird für jeden von uns eine Aufgabe liegen, die wir durch die Erfahrung erkennen und lösen können. So wie das erste Mal, wenn unsere Eltern und an der Kindergartentür „verlassen“. Wir können hier lernen, dass es nicht schlimm ist, wenn unsere Eltern für eine gewisse Zeit einmal nicht um uns sind oder aber wir lernen, dass es uns extrem schwer fällt, sie nicht um uns zu haben.

Wenn uns ein tierischen Begleiter verlässt, der empathisch war wie diese Hündin, dann kann es sein, dass es an der Zeit für uns ist, Situationen in denen sie aus ihrer Empathie heraus für uns da war, allein zu lösen oder aber einen anderen Gefährten zur Unterstützung zu uns zu rufen.

Jeder kann für sich selber herausfinden, was sich darin verbirgt. Es wird den Schmerz des Verlustes nicht verschwinden lassen. Es wird diesen Schmerz nur verändern und vielleicht wird uns klar, dass das physische Zusammensein zwar nicht mehr möglich ist, aber dennoch keine wirkliche und endgültige Trennung vollzogen wurde, denn die Verbindung, die wir in diesem Universum zu allem und jedem haben, wird nicht durch das Ende der physischen Existenz getrennt.

Mit jedem Gefährten, der uns verlässt, wird es auch andere Gefährten geben, die neu zu uns stoßen. Die neuen Gefährten mögen nicht immer so dicht bei uns sein und vielleicht auch nicht so beständig. Manche bleiben verborgen im Hintergrund und zeigen sich nur in seltenen Momenten, dann aber umso deutlicher. Andere gehen eine ganze Strecke auf dem Weg unseres Lebens neben uns und biegen nur selten auf eine Nebenstrecke ab. Wieder andere treffen wir nur an bestimmten Kreuzungen und Gabelungen immer wieder. Und hin und wieder begegnet uns ein Gefährte, in dem wieder das Potenzial steckt, ganz dicht, ganz intensiv bei uns zu sein und es ist an uns, was wir daraus erwachsen lassen. Möglicherweise entfaltet sich aus einem Zusammentreffen eine Energie, die in der Verbindung weitaus mehr zu erschaffen vermag, als die Summe dessen, was beide Wesen allein hätten vollbringen können und mit ein wenig Glück haben wir eine lebenslange Liebe finden können.

Ich durfte so jemandem begegnen und freue mich mit Spannung darauf, wieviel und wie intensiv und wie bereichernd unsere Wege sich ab sofort vielleicht gleichen mögen.

Ich freue mich, ich bin dankbar… für jeden Gefährten, der mich verlassen hat, für jeden, der bei mir blieb, für jeden, den ich neu treffen darf, für jeden, dem ich wieder begegne und für den, der mein Herz ganz wundervoll berührt.

GIFTED – BEGABT

Im Moment durchlebe ich eine Phase, in der mein Geist, meine Seele und mein Körper wohl nicht so ganz im Einklang mit sich sind. In den vergangenen Wochen habe ich so ziemlich alles, was an Infekten umgeht, förmlich angezogen. Ich war mehrfach erkältet und nun hängt der Segen im Verdauungstrakt schief. Dabei fühle ich mich eigentlich gar nicht außer Balance, im Gegenteil. Die eher unangenehmen Tage empfinde ich viel entspannter und beware viel besser die Ruhe als ich es aus anderen Momenten von mir kenne. Situationen, die mir nicht behagen, durchlebe ich mit einer inneren Gelassenheit und gebe ihnen möglichst wenig weitergehende Bedeutung. Ich kann eigenltich immer noch meine kleine Aufgabe, Erkenntnis und Erfahrung darin sehen bzw. daraus gewinnen. Trotzdem schwirrt in mir die Frage, was der Auslöser dafür ist, dass mein Körper alles aufgreift, was da draußen so herum schwirrt. Möglicherweise bekam ich heute darauf eine Antwort.

Es können ja auch die verborgenen Dinge, die uns beschäftigen ein Auslöser für das Ungleichgewicht sein. Dinge, die wir noch gar nicht an der Oberfläche unserer inneren Wahrnehmung spüren könnten. Vielleicht bin ich auch hin und wieder nicht sehr achtsam mit meinem Körper umgegangen. Den einen oder anderen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt hatte ich zum Beispiel auch und besonders zuträglich ist dieses Getränk für den Körper ja nun wirklich nicht. Ich habe auch nach wie vor mein recht umfangreiches Sportprogramm durchgezogen, ohne wirklich darauf zu hören, ob mein Körper etwas anderes signalisiert hat. Vielleicht wollte er zwischendurch auch einfach mal Ruhe und ich habe sie ihm nicht gegeben.

Da mein Bauchgefühl besonders gestern nicht sehr gut war, nachdem eigentlich in den Tagen davor schon eine sehr deutliche Besserung zu spüren war, habe ich heute Morgen auf mein Körpergefühl gehört. Anstatt zwei Stunden Muskelausdauertraining zu machen, wie ich es sonst in der Regel am Sonntagmittag zu tun pflege, habe ich bei meiner wundervollen Yogalehrerin ein außer der Reihe stattfindende Vorweihnachtsstunde mitgemacht. Es war keine „klassische“ Yogastunde – die gibt es in der Hinsicht ja sowieso nicht. Wir haben zunächst ein Mantra gesungen und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht gerne singe. Das liegt darin begründet, dass ich nicht gerade der Beste darin bin, einen Ton zu halten beziehungsweise erst zu treffen. Ich kannte das Mantrasingen aus anderen Yogapraxen bereits und es ist ganz erstaunlich, wie in einem solch geschützten Raum meine Gefühle aus Scham, Unsicherheit und Angst weichen können. Wie auch immer, wir sangen mehrere Male diese Zeile und im Anschluss daran bot uns unsere Yogalehrerin an, eine Karte aus einem Kartendeck zu ziehen – zum Abschluss des Jahres oder auch als ein Signal für das kommende Jahr. Was immer es für uns bedeuten mag.

So zog ich also eine Karte aus dem aufgefächerten Stapel und nahm zuerst das Bild darauf wahr. Ein in violetten Farbtönen gehaltenes Muster. Auf den ersten Blick recht formlos, doch bei genauerem Betrachten mit einer sehr klares Struktur. Ich empfand Bild und Farbgebung als sehr angenehm. Das Wort, welches darunter stand, lautete GIFTED – begabt.
Als ich dieses Wort las wär mir, als wäre der Boden unter mir im Begriff, sich aufzulösen und augenblicklich, schossen mir Tränen in die Augen. Mich überkam dieses Gefühl, welches ich schon von früher her kannte, nämlich nicht wirklich talentiert zu sein. Das Gefühl, keine richtige Begabung zu haben. Und ausgerechnet diese Karte hatte ich gezogen. Mein Herz war sofort geöffnet und ließ es mich wieder spüren. Ich atmete weiter, wie es im Yoga üblich ist und ließ die Emotionen und auch die Tränen einfach kommen und langsam aber stetig breitete sich eine wunderbare Wärme aus. Eine Wärme ausgehend von meinem Herzen, welche meinen ganzen Körper durchfloss und sich ausbreitete.

Mir wurde klar, dass sich mir hier gerade eine Selbst-Beschränkung offenbarte. Eine Beschränkung, welche ich mir wahrscheinlich bereits in Kindertagen, definitiv jedoch in meiner Jugend auferlegt hatte: „Du bist nicht begabt, Du hast kein Talent.“

Die Tränen, das spürte ich sofort, waren heilende und reinigende Tränen. Ich durfte in dieser Situation erneut erkennen, dass jeder von uns begabt ist, jeder mindestens ein Talent hat, wundervolle Befähigungen in sich trägt und sich aneignet. Wir alle sind wundersame und einzigartige Wesen, die alle ihren eigenen Teil dessen in sich tragen. Wir finden vielleicht nicht immer den Mut oder den unmittelbarsten Weg, dies auszuleben und zu formen, aber wir alle haben ein Potenzial in uns. Doch auch etwas Neues lag in diesen Tränen, in dieser Emotion. Ich habe festgestellt, dass ich in diesem Denken über andere immer vergaß, dass ich selbst ebenfalls Teil davon sind. Es sind nicht nur alle anderen da draußen befähigt, talentiert und wundervoll. Jeder ist es und das schließt mich mit ein.
Es passiert uns viel zu schnell, dass wir unsere eigenen Befähigungen nicht mehr erkennen, ja sie uns sogar aberkennen und gar nicht mehr zulassen können, was uns mitgegeben worden ist. Wir haben sie vergraben und finden sie nicht mehr wieder oder wir haben sie vor uns selbst verleugnet.

Es darf zu unserer Aufgabe gehören, verschüttete Befähigungen wieder hervorzuholen und sie zu genießen. Sie einzusetzen für das größere Wohl aller und das schließt stets uns selbst mit ein und das sollten wir nie vergessen. Wir sind alles eins – We are all one!

Diese Menschen, die unser Inneres berühren…

Wir treffen jeden Menschen immer genau in dem Moment, in dem wir ihn treffen sollen. Diese Begegnungen eröffnen uns immer wieder neue Möglichkeiten. Wie Türen und Tore auf den Wegen durch das Leben, zeigen sie uns manchmal Abkürzungen oder auch Umwege. In jedem Fall sind sie nie umsonst da, nie einfach nur zufällig, sondern immer, weil es genauso sein sollte.

Ich saß heute früh bei Kerzenschein und habe wie nahezu jedem Morgen meine Gedanken aufgeschrieben. Dabei habe ich auch an einige der Menschen gedacht, die mir in meinem Leben begegnet sind. So manches Mal habe ich durch den einen oder anderen eine Erfahrung gemacht, die man sich sicherlich auf den ersten Blick lieber erspart hätte, aber da wir in unserer Existenz selten ohne diese Erfahrungen wirklich lernen und verstehen, was wir möglicherweise lieber anders manifestieren würden, habe ich nicht einen einzigen dieser Moment in meinem Leben bereut.

Heute Morgen schwirrten mir aber die Begegnungen durch den Kopf, die mir etwas Schönes eröffneten. Manche Menschen treten sozusagen plötzlich in unser Leben, ganz unerwartet. Eigentlich tun sie das alle, aber es fühlt sich hin und wieder eben „besonders“ plötzlich an, weil sie möglicherweise schon lange Zeit in unserer unmittelbaren Nähe gelebt haben und wir ihnen zuvor nie begegneten. Obwohl wir mehrfach an ihnen vorbeigegangen oder –gefahren sein könnten. Auf dem Weg zum Einkaufen vielleicht. Möglicherweise fuhren sie sogar jeden Tag mit uns im gleichen Bus zur Arbeit. Doch wir sehen sie erst, wenn der richtige Moment gekommen ist. Man hat eventuell die gleichen Interessen und fragt sich, warum es überhaupt so lange gedauert hat, dass diese Begegnung endlich stattfinden durfte, wo es doch die Entfernung selbst nicht gewesen sein kann, die einen bisher trennte. Aber wenn der Moment kommt und sich mir dann offenbart, welche wundervollen Seelen sich mir da gerade zeigen, durchflutet mich eine unglaubliche Wertschätzung und ich bin dankbar über diese Erkenntnis. es ist nicht wichtig, dass es gedauert hat. Es ist ein Geschenk, zu wissen, dass sich immer wieder Menschen auf unseren Wegen befinden, die uns helfend die Hand reichen, einfach nur indem sie durch unsere Augen direkt in unsere Seele blicken können und uns sehen, wie wir wirklich sind. Worte sind dann hin und wieder gar nicht notwendig. Denn auch wir schauen ihnen dann direkt in ihre Seele. Wir können sie fühlen, als würde die Aura des anderen auf uns übergehen, uns durchfluten und eins mit uns werden.

Ja, es kommt vor, dass wir diese Menschen treffen. Sie sind wir kleine menschgewordene Engel und oftmals wissen sie das gar nicht. Würden wir es ihnen sagen, werden sie sich beinahe alle versuchen, herauszureden. Sie tischen uns ihre Unzulänglichkeiten auf, damit wir sie nicht erkennen. Dpch sie tragen auch Dinge in sich, die sie das Außen nicht gerne wissen lassen. Doch wenn sie in einem gewissen Moment Sicherheit verspüren, vertrauen sie uns vielleicht eines ihrer eigenen, kleinen und „dunklen“ Geheimnisse an. Dennoch werden sie für uns nicht weniger schön, nicht weniger vertraut und auch nicht weniger perfekt und vollkommen. Im Gegenteil, ich erkenne darin noch viel besser, was sie sind und könnte mich darüber nicht glücklicher schätzen.

Die Angst sich zu offenbaren steckt tief in jedem von uns, denn wir müssen Erwartungen genügen und uns vermeintlich in ein Schema pressen, in welches wir nicht immer hinein passen. Wir versuchen aber, es anderen Recht zu machen. Vielleicht die eigenen Eltern, da sie erwartungsvoll in unserer Ausbildung investiert haben und wir meinen, dass sie nun die Früchte dessen ernten möchten. Vielleicht einer unserer Vorgesetzten, der sich für uns stark gemacht hat und nun den Gegenwert in unübertroffener Leistungserbringung erwarten.
Manchmal erkennen wir sogar fast, dass wie uns zu sehr unter Druck setzen, um zu genügen. Wir suchen Wege aus dem Dilemma. Manche schämen sich, wenn sie dann Hilfe in Anspruch nehmen, da sie unerwartet mit den stetigen Anforderungen nicht zurechtkommen. Sie fühlen sich dadurch vielleicht noch schlechter, denn sie haben erneut Erwartungen nicht erfüllt. Sie haben vielleicht auch Angst, wir könnten uns von ihnen abwenden, weil wir sie direkt von dieser vermeintlich schwachen Seite sehen. In der Essenz dessen, was wir wirklich sind, können wir uns von diesen Seelen nicht abwenden. Die Geste ihres Vertrauens ist ein großartiges Geschenk an uns.

Ein Geschenk, welches uns auch ermöglicht, unsere eigenen Abgründe zu überwinden. Sie helfen uns, zu sehen. Sie helfen uns, unsere Wahrnehmung zu erweitern, den Fokus ein wenig zu vergrößern. Und in dem Moment des Austauschs ist immer ein Ausgleich da. Er mag subjektiv nicht ausgewogen sein, aber auch das ist nur unserer Wahrnehmung zu schulden. Indem sie ihre kleinen Abgründe offenbaren, helfen sie mir, dass ich meine sehen kann. Indem sie ihre Schönheit zu erkennen geben, kann ich auch die meine sehen. Indem ich ihre empfundene Schwäche sehe, kann ich sehen, warum ich mich manchmal schwach empfinde…

Ich möchte sie nicht missen, diese Wesen, die mir begegnen und wie Seelenverwandte in Erscheinung treten. Die, bei denen es keiner Worte bedarf. Die, die uns so nah sind, dass wir nach dem ersten Tag bereits fühlen, wir hätten Jahrhunderte miteinander verbracht. Und das haben wir wohl auch, wie sonst könnte es sich so anfühlen…

Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam diese Reise angetreten haben, auch wenn wir nicht auf allen Abschnitten gemeinsam unterwegs sein können. Ja, ich meine Euch. Die, die jetzt glauben, dass ich sie nicht meinen könnte. Die, die sich herausreden, dass sie so etwas nie für mich oder jemand anderen sein könnten. Aber ihr seid es, in jedem einzelnen Augenblick.
Jeder kann es sein – für jeden – irgendwann.

Einen wundervollen 1. Advent Euch wundervollen Seelen überall dort draußen!