Wieviel können wir zulassen

Ich habe oft über Liebe geschrieben und darüber, dass ich in allem und jedem Liebe sehe. In allen Menschen und in allen Taten ist sie versteckt. Ich werde häufig gefragt, wie es denn aber funktionieren soll, diese Haltung gegenüber den Menschen auch im wahren Leben aufrecht zu erhalten. Viel zu oft tun uns Dinge, die anderen Menschen tun einfach weh, weil sie einen Schmerz aus unserem Inneren hervorholen, Manchmal passt das Verhalten anderer Menschen einfach nicht in unser ethisches und vertretbare Bild davon, wie wir miteinander umgehen sollten.

Einer findet es nicht schlimm, auf der Straße von einem unaufmerksamen Mitmenschen angerempelt zu werden, ein anderer findet es ganz furchtbar. Wir haben alle unsere eigene Perspektive auf eben diese Dinge und damit gibt es nun einmal ebenso viele Wahrheiten und Realitäten, wie es Menschen gibt.

Dennoch müssen wir nicht alles einfach so hinnehmen. Wir tragen die eigene Verantwortung darüber, was wir uns gefallen lassen wollen und was nicht. Wir haben die Möglichkeit, Grenzen aufzuzeigen und anderen zu verstehen zu geben, dass sie zu weit gegangen sind. Natürlich entstehen daraus schnell Konflikte oder Streitigkeiten, aber eben dort kommt die Bewusstheit über die Liebe in allen Dingen ins Spiel.

Wenn ich mir in diesen Momenten des Sturms vor Augen führe, dass jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt, kann ich weiterhin die Liebe in allem sehen und werde sanftmütiger, urteilsfreier und ausgeglichener im Umgang mit Konflikten und Streitigkeiten. Und eben diese Ruhe benötige ich, um dem oder den anderen Menschen zu verstehen zu geben, was die Situation mit mir gemacht hat und welche Schmerzen sie bei mir beispielsweise hervorgerufen hat. Und ich kann mir selber helfen, meine eigenen Grenzen zu erkennen, zu beurteilen, ob eine Freundschaft für mich noch die Wertigkeit hat, die sie einst hatte oder gar ob ich eine Partnerschaft noch weiter so führen möchte, wie sie sich entwickelt hat.

Das Wundervolle an einer solchen achtsamen Betrachtungsweise ist, dass wir alle Menschen sanft und ohne Groll gehen lassen können. Wir schenken ihnen vielleicht sogar ein inneres Lächeln, wenn wir ihnen klar machen, dass der gemeinsame Weg endet oder zumindest vorübergehend jeder seine eigene Abzweigung nehmen muss.

Es fällt uns natürlich nicht leicht, dies immer in unserem Herzen zu tragen, denn wir wollen einen Verlust einfach nicht erleiden und sind sogar oftmals gewillt, über einen sehr langen Zeitraum hinweg Kompromisse zuzulassen, die uns vielleicht gar nicht richtig zusagen. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Wir merken, dass ein kleiner Zweifel von uns viel zu sehr ausgebauscht wurde, wir ihm viel zu viel Bedeutung gegeben haben und können von ihm Abstand gewinnen.

Wenn wir die Liebe, die in allem verborgen ist so oft wie möglich im Herzen tragen und dort spüren, haben wir ein großes Stück Glückseligkeit im Leben gefunden.

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In inniger Zweisamkeit

Beinahe jeder von uns hat in seinem Leben das Ziel, den EINEN Menschen zu treffen. Wir haben dabei vor Augen, dass wir mit diesem Wesen eine lange Zeit verbringen möchten. Diese Idee verschafft uns ein Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit, die es genau betrachtet nicht gibt. Dennoch streben wir danach und sich auf der Suche nach unserem Seelenverwandten, mit dem wir durch dick und dünn gehen können und der selbst dann an unserer Seite bleibt, wenn die Welt um uns herum dem Untergang geweiht scheint.

Es ist aber auch ein Zeichen unserer Zeit, dass es offenbar zunehmend mehr Menschen schwer fällt, diese Art von Verbundenheit mit einem anderen Menschen einzugehen. Daraus entstanden sind unzählige Versuche zu erklären, worin die Gründe dafür liegen könnten. Verschiedene Ratgeber wollen uns erklären, wie Mann und Frau „funktionieren“, um so den Angebeteten an uns zu binden. Wissenschaftler suchen nach beweisbaren Fakten, die uns Klarheit verschaffen sollen. Die Religionen rufen uns dazu auf, alles in unseren Kräften stehende zu tun, solche Bindungen einzugehen und dennoch scheint es keine Lösung zu geben, die verlässlich ist.

Ich glaube, dass die Lösung für dieses groß geredete „Problem“ viel einfacher ist, als wir wissbegierigen Menschen so vermuten. Eine der wichtigsten Regeln ist, dass wir lernen müssen, wir selbst zu sein. Immer dann, wenn wir nach Programmen, Prägungen und erlernten Mustern agieren und unserem Geliebten etwas „vorspielen“, riskieren wir unmittelbar das Scheitern einer innigen Beziehung. Ich sollte mir in jedem Moment mit meinem Partner bewusst sein, wer ich wirklich sein will, was ich wirklich empfinde und was ich mir im Zusammensein mit dem anderen Menschen wünsche.

Im zweiten Schritt geht es darum, dass wir uns wohlwollend und verständnisvoll in einen verbalen Austausch mit unserem Partner begeben. Ich sollte niemals von meinem Gegenüber erwarten, dass er oder sie erahnt, wie es mir in den verschiedenen Situationen des Alltags geht. Ich werde zu großer Wahrscheinlichkeit mit einer solchen Haltung enttäuscht werden. Habe ich aber im Kopf, dass die Wahrnehmung meines Partner in Bezug auf alle Erlebnisse immer anders sein kann, als meine eigene Wahrnehmung und gebe ihm und mir dann im Anschluss durch ein Gespräch die Möglichkeit, die jeweils andere Perspektive auch zu erkennen und zu verstehen, wird sich daraus eine immer inniger werdende Bindung ergeben. Außerdem gibt ein solch offener Austausch auch sehr schnell Aufschluss darüber, ob wir in dem anderen wirklich den Menschen gefunden haben, den wir in ihm vermuten.

Es ist überaus hilfreich, wenn in diesen Gesprächen nicht nach Schuld gesucht wird. Vor allem sollten wir uns selber nicht schuldig fühlen. Wenn mein Partner mir sagt, dass ich ihn durch eine Äußerung oder ein Verhalten verletzt habe, darf ich natürlich darüber traurig sein und mich entschuldigen, wenn mein Herz es mir signalisiert. In diesem Moment jedoch Schuld zu empfinden, kann mich in einen Verhaltensmodus bringen, der die Beziehung ebenfalls gefährdet. Schuld verleitet uns gerne dazu, uns aus Rücksichtnahme auf den anderen in unserem Verhalten zu verändern. Jedoch verändern wir uns nicht aus unserem tiefsten inneren Selbstverständnis heraus, sondern nur, um unserem Partner einen Gefallen zu tun und überdies dient dieser Gefallen nicht dem Wohl des Partners, sondern nur unserem Bild von uns selbst. Wir möchten unser Verständnis darüber, wer wir selber sind, wieder ins rechte Licht rücken – nicht beim anderen, sondern bei uns.

Es ist nicht einfach, die alltäglich aufkommenden Situation und Erlebnisse immer völlig wertfrei zu vermitteln, aber es ist eine Übung, die sich für beide Partner lohnt. Wir können so gemeinsam erfahren, wer wir sind, wer der andere ist und was wir zusammen sein wollen.

In beiderseitiger Anerkennung und Wertschätzung darüber, dass wir uns gegenüber dem anderen öffnen und ohne Zurückhaltung offenbaren, wie wir uns in den verschiedenen Momenten der Beziehung fühlen, eröffnet sich ein Dialogfluss, der beiden die wundervolle Möglichkeit gibt, immer mehr zu einer spürbaren Einheit zu werden. Es entfaltet sich so ein unglaubliches Potenzial an gemeinsamen Erkenntnissen und dies lässt uns dem anderen immer näher kommen.

Der Weg zu all dem liegt in uns selbst. Wir dürfen uns gegenüber ehrlich sein. Wir dürfen zu dem stehen, was wir sind. Wir dürfen erkennen, was wir nicht sein wollen. Wir dürfen das sein, was unser Herz uns zeigt. Wenn wir es schaffen, uns selber treu zu sein und uns zu achten, werden wir ganz allmählich beinahe automatisch auch dem anderen eben diese Achtung entgegen bringen. Sind wir nicht wir selber, sondern spielen wir ein kleines Spiel, weil wir beeindrucken und uns ins „beste“ Licht rücken wollen, geben wir ein verzerrtes Bild von uns ins Außen ab. Unser Partner wird sich dann an dieses Bild gewöhnen. Wenn wir irgendwann zwangsläufig die Illusion unseres verzerrten Bildes nicht mehr aufrechterhalten können, wird dies den Partner verstören. Er wird das Gefühl bekommen, plötzlich einen anderen Menschen um sich zu haben. Er wird Zweifel darüber haben, was an uns real war und was wir vorgespielt haben. Hieraus ergeben sich Konflikte, die dann schon beinahe nicht mehr überwindbar sind und häufig zum Ende einer Beziehung führen.

Liebe sehnt sich nach Grenzenlosigkeit und Unmittelbarkeit:
Erkenne Dich selbst, liebe Dich selbst und sei Du selbst.
Gib preis, was Du empfindest.
Sei achtsam, Behutsam und respektvoll mit Dir und dem anderen.
Beobachte und nimm wahr, jedoch verurteile nicht.

In schlechter Stimmung

Gestern war ein subjektiv gesehen guter Tag!
Eine liebe Freundin berichtete mir von einem guten Erlebnis und ich hatte eine tolle Sitzung mit einer Klientin. Ich durfte leckeren Rotwein mit Freunden genießen und habe mich erneut in das Fahrradfahren verliebt. Ich hatte bis vor kurzem kein Fahrrad und war erprobter Bus- und Bahnnutzer der öffentlichen Verkehrsmittel in Köln. Doch nun geht es wieder ans Radeln. Wunderbar!

Doch heute Morgen bin ich aufgewacht und es hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Was war passiert? Mein Kopf schmerzte – nein nicht durch zu viel Rotwein, sondern vielmehr von der linken Schulter herauf. Das war aber noch nicht alles, denn auch eine unangenehme, gedrückte Stimmung hatte sich über Nacht in mir manifestiert. Manch einer würde es mit der Herbststimmung begründen, doch ich war noch nie anfällig für diese depressiven Schübe, wie sie manch anderer in der dunkleren Jahreshälfte verspürt. Es dürfte also etwas anderes dahinter stecken. Erschwerend hinzu kam, dass mein Wecker auch nicht geklingelt hatte wie geplant, denn der Akku war über Nacht zur Neige gegangen. Ich war zwar noch rechtzeitig wach geworden, um meinen Yogakurs pünktlich zu erreichen, aber irgendwie fühlte ich mich einfach nach keinerlei Aktivität.

Da ich aus der Erfahrung weiß, dass Yoga, Meditation, Theki und viele andere Dinge auch in solchen Empfindungsphasen sehr zuträglich sein können, habe ich mir ein kleines Frühstück bereitet, geduscht und soweit fertig gemacht, um in die Yogastunde zu gehen. Dennoch – ich hatte zu viel getrödelt und war um 10.12h bereit, mich auf den Weg zu machen. Um 10.30h ging der Kurs los. Ich habe mir mein Fahrrad geschnappt, ohne welches ich den Kurs niemals erreicht hätte und bin, wenn auch etwas verschwitzt und gestresst, rechtzeitig angekommen.

Meine Yogalehrerin unterrichtete wie immer eine sehr schöne Stunde, aber ich war einfach nicht bei mir, nicht so wie sonst. Meine Hände sind auf der Matte gerutscht, was mir oft so geht, aber heute nervte es mich. Ich konnte nicht frei und tief atmen und so eine gewisse innere Sperre war einfach vorhanden. Als ich die Stunde verließ, war ich immer noch in gedrückter Stimmung, mit Schmerzen in Kopf und linker Schulter und radelte nach Hause – unzufrieden, genervt, unausgeglichen. Dort angekommen habe ich meinen Einkaufszettel geschrieben, da ich dringend noch Lebensmittel benötigte, um am Wochenende genug Nahrung zubereiten zu können. Auch dazu hatte ich keine Lust und meine Motivation lag förmlich am Boden. Doch eins war klar: Würde ich nicht losgehen, hätte ich kaum auch nur ein gescheites Gericht am Wochenende kochen können. Also habe ich mich aufgerafft – mit innerer Ablehnung und Widerwillen. Ich schrieb meiner Yogalehrerin noch eine „Entschuldigung“ darüber, dass ich heute nicht ganz bei mir gewesen sei und hoffte, dass das im Raum nicht als zu große Last geschwebt sei.

Als ich das Haus verließ sah ich den kleinen Sohn von meinen Nachbarn mit seinem Gefährt auf dem Weg rollern. Freudig lächelte er mich an und sagte „Hallo“ und ich habe natürlich zurückgegrüßt, woraufhin er mir noch freudiger erzählte, dass er heute Geburtstag habe, worauf ich ihn fragte, wie alt er denn geworden sei und er mir drei seiner Finger zeigte und dies auch wörtlich noch einmal bestätigte. Ich habe ihm gratuliert und mich innerlich plötzlich viel wohler gefühlt. Es war ein kleiner erster Sonnenschein, den mir dieses junge Wesen beschert hatte. Mit seinem freigiebigen Lächeln hatte er mein Herz berührt. Dankbarkeit!

Ich habe meine kleinen Einkäufe erledigt, doch immer noch gab es Dinge in mir, die einfach außer Balance gewesen sind. Die Freude über das Lächeln verschwand wieder hinter dem Schmerz und der gedrückten Grundstimmung. Ich bin in den Lebensmittelgeschäften häufiger fast mit anderen Kundinnen und Kunden zusammengestoßen, mir stand mehrfach jemand im Weg und weitere dieser kleinen, nervigen Dinge passierten die gesamte Zeit über. Ich musste in verschiedene Geschäfte, um alles zu bekommen, was ich wollte und als ich dann zu guter Letzt im Supermarkt noch die verbliebenen benötigten Waren zusammengesucht hatte und zur Kasse ging, waren 2 lange Schlangen zu sehen. Sowas nervt mich selbst dann nicht, wenn ich genervt bin – glücklicherweise. Denn eine dritte Kasse öffnete kurz darauf und zwei junge Frauen vor mir schwenkten nach nebenan, genauso wie eine Frau meines Alters aus der Schlange an der Kasse nebenan. Auch ich machte mich daran, die leere Kasse anzusteuern und die Frau mit ihrem Einkaufwagen war in Wartestellung, bis ich mich eingereiht hatte. Doch ich deutete ihr vorzugehen mit den Worten „Sie warten bereits länger als ich.“ Mit einem freundlichen Lächeln bedankte sie sich und mein Herz ging wieder ein Stück weiter auf. Als sie bezahlt hatte verabschiedete sie sich von mir und auch ich wünschte ihr einen schönen Tag.

Auf dem Weg nach Hause kam mir dann eine kleine südeuropäisch anmutende Frau entgegen. Sie hatte ein süßes, niedliches Gesicht. Eines, das einfach Wärme und Freude zeigt. Kurz bevor wir an einander vorbei gingen, schaute sie kurz hoch und das Lächeln in ihrem Gesicht wurde noch ein wenig größer und auch ich lächelte. Nein, kurz darauf wurde daraus sogar ein breites Grinsen und ich wurde innerlich ruhiger und entspannter.

Zu Hause angekommen las ich die Antwort meiner Yogalehrerin, welche unter anderem beinhaltete, dass egal wie ich schlecht ich drauf sei, wäre ich stets eine Bereicherung für die Stunde. Ich fühlte mich geschmeichelt und direkt in diesem Moment musste ich erneut lachen und verstand sofort, warum mir danach gewesen war, ihr eine „Entschuldigung“ zu schreiben: Ich verstand, dass ich heute einfach Schwierigkeiten hatte, zu akzeptieren, dass ich mich nicht ganz wohl fühlte. Ich konnte mir auch selber nicht so gut verzeihen, dass ich mich nicht freier und entspannter vor, während und nach dem Yoga fühlte. Und ich bekam in dieser Antwort und durch all diese Begegnungen genau das, was ich brauchte, um dies zu erkennen und zu verstehen.

Ich danke dem Tag, dass er mir all diese wundervollen Menschen geschickt hat, um mir zu zeigen, dass die unschönen Momente im Leben sich immer wieder verändern und dann doch auch wieder die Sonne scheint – wenn wir sie in unser Herz lassen und dass es völlig in Ordnung ist, sich auch hin und wieder einfach mal ungut zu fühlen.
Liebe Dich dabei, akzeptiere Dich dabei, verurteile Dich nicht. Es ist ein Teil von Dir und dieser Teil darf genauso „sein“, wie alle anderen auch.

Ein wundervolles, herbstlich buntes Wochenende Euch allen!

Im Fluss des Herzens

Was für ein wundervoller Tag! Schon beim Aufstehen wird mir durch die Strahlen der Sonne, welche sich durch die kleinen Löcher meiner Außenjalousien auf dem Boden meiner Wohnung visuell manifestieren klar, dass es das Universum heute gut mit uns meinen wird. Das Universum meint es ja stets gut mit uns, auch wenn wir das nicht immer so empfinden, aber das ist eine andere Geschichte. Heute meint es das Universum „gut“ mit uns auch in unserem Sinne. 🙂
In meinem Kopf kreisen noch Gedanken darüber, dass ich bestimmte Dinge meines Lebens endlich „abschließen“ muss, damit ich andere anfangen kann. Ein übliches Denken in unserem von Dualismen geprägten Leben. Wir sind so sehr darauf geprägt, dass alles einen Anfang und ein Ende hat. So sehr, dass wir bei Geschichten und Erzählungen, welche sich nicht diesen Regeln unterwerfen, schon abschalten und ihnen nicht weiter Aufmerksamkeit schenken. Sie entsprechen nicht unserer Gewohnheit. Wir mögen klare Start- und Endpunkte… Beziehungen, Lebensabschnitte, berufliche Aktivitäten, Bewegungen… alles hat für uns Anfang und Ende…
Trotz der Sonnenstrahlen, welche ich natürlich schnell durch Hochziehen der Jalousien vollends in meine Wohnung strahlen lasse, habe ich diese Gedanken über das „Abschließen“, um neuen Dingen Raum zu geben.
Ich freue mich aber nach mehrtägiger Pause auch auf meinen Sport – ein Ritual welches ich normalerweise allsonntäglich verfolge – und bereite mich darauf vor: Ein kräftigendes Frühstück, Tasche packen und noch schnell auf den üblichen Social Media Plattformen allen ein frohes Osterfest gewünscht… Es ist ja nun mal einfach so praktisch und dabei auch noch so zeitsparend, wie man hier mehr als 500 Fliegen auf einen Streich erlegen kann. Wahnsinn!
Selbst die Email einer lieben Freundin lässt sich so noch schnell beantworten. Eine Freundin, welche einen für mich wunderschönen Traum lebt. Sie wohnt mit Ihrem Freund und Ihrem Sohn in Frankreich. In einem Steinhaus mit großem Garten und Weideland für Schafe und Hühner sind sie weitestgehend autark von allem, da sie größtenteils Selbstversorger sind. Strom kommt aus der eigenen Solaranlage und Wasser aus dem Bachlauf neben dem Grundstück. Wie wundervoll sich das Leben dort anfühlt durfte ich vergangenen Oktober für ein paar Tage bei einem Besuch selbst erleben. Sofort hatte ich bei ihren Worten über das neue Blumenbeet, welches sie angelegt hatten, entsprechende Bilder vor dem geistigen Auge und konnte mich fast vor Ort spüren. Noch vor kurzem hatte ich den beiden mitgeteilt, wie wohl ich mich bei dem Gedanken fühle, so zu leben, aber dass mir dazu wohl noch der Mut dazu fehlt – vor allem der Mut, ein solches Projekt allein zu vollziehen.
Ich kenne zwar einen Menschen, der diesen Traum mit mir teilt, aber im Moment besteht für uns nicht die Möglichkeit, diesen gemeinsam auch umzusetzen. Abschließen – ich muss das Thema abschließen. Wieder habe ich diese Gedanken in meinem Kopf.
Plötzlich hatte mich die Gegenwart wieder zurück. Ich wollte doch zum Sport.
Softwasser_2928-50Ich wusste irgendwie schon beim Verlassen meiner Wohnung, dass es heute anders sein würde, aber gut – jeder Tag ist ja irgendwie anders als der vorherige… Das können auch unsere Rituale nicht verschleiern. Also auf!
Im Innenhof beim Verlassen meines Wohnhauses fällt mir auf, wie wunderschön die Stimmung an diesem Tag ist. Eltern und ihre Kinder haben sich versammelt und genießen den sonnigen Morgen zusammen. Ich spaziere langsam durch den Hof und wünsche allen einen schönen Ostertag und als ich kurz darauf auf die Straße trete wird mir bewusst, wie besonders Ostern in der Stadt ist. An Ostern herrscht nahezu absolute Ruhe – in Stadtvokabular gesprochen. Wie angenehm!
In meinem Fitnesstempel angekommen wird mir gewahr, welche „Andersheit“ heute auf mich wartet. Von den beiden Kursen, die ich nahezu jeden Sonntag besuche, fällt der zweite aus. Wie schade, aber es hilft ja kein Klagen. Die Dinge sind, wie sie sind und die Veränderung, welche sich hieraus für den restlichen Tagesverlauf ergibt, ist weder eine Bedrohung, noch eine Herausforderung. Ich werde sie einfach annehmen und umsetzen. Denn eigentlich wollte ich mich nach dem Sport mit einem sehr lieben Freund auf einen Kaffee und/oder einen Spaziergang treffen. Kurzerhand wird das Treffen um eine Stunde vorgezogen – warum also aus der Ruhe bringen lassen.
Nach dem Kurs wird mir klar, wie gut es war, dass der zweite Kurs nicht stattgefunden hat. Die Sportpause hat meinen Körper etwas schwächeln lassen und mit einem wohligen schummerigen Gefühl in den Muskeln begebe ich mich nach der kühlenden Dusche zu meiner Kaffeeverabredung.
Softwasser_2887-50Es wäre sicherlich möglich, wenn auch eine kleine Herausforderung, hier die gesamten Inhalte unserer Gespräche niederzuschreiben. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Daher lasse ich die Herausforderung Herausforderung bleiben und stelle zusammenfassend fest, dass ich einen wunderbaren Nachmittag verbracht habe. In unserem Gespräch kommt auch das Thema einer Lebensweise etwas dichter an der Natur usw. auf. Und plötzlich ist es da – nicht aufdringlich und auch nicht als festgelegte, unwiederbringlich umzusetzende Verpflichtung, sondern als Idee, als Option, als Möglichkeit: Zwei Menschen, die ähnliche Vorstellungen und Empfindungen haben und diese seit ihrer ersten Begegnung ganz unbefangen miteinander teilen, realisieren, dass sie auch ähnlich über eine Art gemeinschaftlichen „Lebensraum“ denken und fühlen… Der Spaziergang nach dem gemeinsamen Kaffee lässt uns weiter über die vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenlebens von Menschen sprechen und in dem Moment als sich unsere Wege für heute trennen – quasi vor meiner Haustür – entsteht eine wunderbare Gewissheit: In dieser Freundschaft steckt die Möglichkeit, eine gemeinsame Idee zu verwirklichen. Ohne Zwang, ohne Verpflichtung, ohne Druck, aber mit dem Wissen: Es ist möglich!
Ich sehe es wieder einmal deutlich vor Augen: Das Leben zeigt uns beständig Optionen auf. Wir müssen nur lauschen, wenn sie in unser Ohr geflüstert werden. Wir müssen hinschauen, wenn sie zu uns herüberwinken. Wir müssen auf unser Herz vertrauen und sie zulassen.
Eine wunderbare Gewissheit nehme ich aus diesem großartigen Tag mit: Es ist nicht wirklich notwendig, Dinge mit dem Label „abgeschlossen“ zu versehen, um neuen Raum zu schaffen. Es ist einzig und allein notwendig, die Dinge, die aus unserem Herzen sprechen, beständig anzuhören und Aufmerksamkeit walten zu lassen, wenn uns das Leben Möglichkeiten eröffnet, diese umzusetzen. Wenn wir ihnen diesen Raum zur Entfaltung geben, öffnet sich eine neue Tür, die durchschritten werden kann und der Weg ebnet sich weiter und weiter. Und selbst dort, wo er sich zunächst nicht ebnen mag, finden wir plötzlich eine Umleitung. Sie verlangt von uns manchmal mehr Zeit und manchmal auch mehr Kraft, aber der Weg ist durch sie ist immer noch da.
Softwasser_2850-50„Anfang und Ende“, denke ich plötzlich noch, während ich nach der Verabschiedung zu meiner Haustür marschiere, „sind eine reine Illusion.“ Wenn wir das Gefühl haben, dass etwas endet, so endet es nicht wirklich. Wie in einem Fluss mündet es in etwas anderem, etwas Neuem und schenkt uns so vorher ungesehene Entfaltungsmöglichkeiten. „Im Fluss“, denke ich weiter, „bleibe im Fluss Deines Herzens und alles wird zueinander fließen.“

Danke und Euch allen ein frohes, sonniges Osterfest im Kreise wunderbarer Menschen, Wesen und Erlebnisse!

Begegnungen

Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns ihnen entziehen können. Es passiert nahezu ständig und meistens ohne viel zutun unsererseits. Wir begegnen anderen Menschen. Oftmals nehmen wir dies im ganzen Stress und Wahn unseres Alltags gar nicht wahr. Wir hetzen morgens zu unserer Arbeitsstätte und sehen möglicherweise die freundlich lächelnde, ältere Dame nicht, die auf den gleichen Bus wartet, wie wir. Wir sitzen im Büro und starten unseren Tag und bemerken die Kollegen nicht, welche auf dem Flur an unserer Tür vorbeigehen und sich Neuigkeiten erzählen. In der Mittagspause an der Essensausgabe in der Kantine fällt uns nur selten bewusst auf, dass einige Menschen unseren Weg kreuzen, uns entgegen kommen oder mit uns in die gleiche Richtung gehen.
Natürlich wäre es eine Herausforderung, wenn wir all diese Begegnungen bewusst speichern würden, die uns tagtäglich wiederfahren. Unser Bewusstsein hätte sicher gut zu tun und möglicherweise ist dies auch der Grund, warum die meisten dieser Ereignisse nur unterbewusst wahrgenommen werden.
Bewusst werden wir uns Begegnungen oftmals dann, wenn sie uns kurzfristig oder nachhaltig ärgern. Wir erinnern uns daran, dass jemand uns die Vorfahrt im Straßenverkehr genommen hat. Wir erinnern uns, wenn sich ein anderer Mensch an der Kasse vor uns drängelt. Eine Auseinandersetzung, eine Diskussion oder ein Streit brennen sich uns in unsere Erinnerungen ein.
In all diesen Momenten sind wir unserem Ego unterlegen, welches sich aufbäumt und sein Recht einfordert, dass wir UNS an erster Stelle sehen und WIR SELBST doch Recht haben, besser sind, würdiger sind als das andere Wesen.
Ginge es in diesen Situationen um Leben und Tod oder wäre die andere Person eine Bedrohung für uns, wäre dieses Handeln nachvollziehbar. Aber in der Regel geht es in all diesen Alltagssituationen nur darum, unser Ego zu streicheln und uns selbst zu bezeugen, wie gut wir sind. Tauchen wir tief in unser wahres Selbst, in unsere Seele, dann können wir in diesen Situationen und aus unseren Reaktionen sehr viel erkennen. Wir können sehen, dass das, was uns am anderen gerade ärgert, eigentlich etwas ist, was wir an unserem eigenen Handeln nicht leiden können. Wir erkennen in unserem Gegenüber unsere eigene „Fehlbarkeit“.

Es gibt aber auch andere Situationen und Begegnungen. Diese sind ebenfalls stets ein Spiegel unseres Selbst. Generell treffen wir jeden Menschen immer in der richtigen Situation. Es ist immer die Lernaufgabe unseres wahren Selbst in einer solchen Begegnung enthalten – auf die eine oder andere Weise.
Manche Menschen bereichern unser Leben durch die Begegnung mit ihnen auf sehr nachhaltige Art, manche beeinflussen uns nur kurzzeitig. Aber alle Begegnungen haben ihre Aufgabe.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass besonders dann, wenn wir den Mut aufbringen, unsere Komfortzone zu verlassen, sehr intensive und spannende Begegnungen möglich sind.
Wir entscheiden vielleicht, allein in den Urlaub zu fahren. Etwas, dass wir noch nie vorher gemacht haben. Wir buchen eine günstige Unterkunft bei jemandem, der Bed & Breakfast anbietet, ohne diesen Menschen zu kennen. Wir begegnen ihm schließlich und ohne dass wir es planen, sehen wir uns den gesamten Urlaub in bereichernden Gesprächen mit eben diesem Menschen. Vor einigen Jahren ist mir so ein Mensch begegnet. Mir wurde so ein kleiner Stoß gegeben, mich bewusster in meinem Alltag zu bewegen. Gedanken, Ideen und Veränderungen haben sich hieraus ergeben. Teilweise kann so eine Begegnung auch mit Leidenschaft gefüllt sein und selbst wenn diese Leidenschaft nachlässt, bleibt der Kern der Verbindung bestehen.
Es gibt auch Menschen, die wir nicht immer physisch in unserem Alltag bei uns haben, die aber einfach dennoch „da“ sind. Die Verbindung kann dabei sehr unterschiedlich entstanden sein. Meistens wurden prägende Momente miteinander erlebt: Die Geburt eines Kindes, den Tod eines gemeinsamen Freundes, das alltägliche Auf und Ab in den Jahren des frühen Erwachsenseins. Mit manchen teil man ein Hobby, mit anderen ähnliche Erfahrungen oder die Erfolge und Niederlagen in Ausbildung und Beruf festigten die Verbindung. Zu manchen brach der Kontakt zeitweilig vielleicht ab, weil der Lebenspartner Vorbehalte gegen diese Freundschaft hatte. Manchmal gab es nicht einmal konkrete Gründe für diese Unterbrechungen. Dennoch kann die gegenseitige Verbindung auch dies überwinden. Selbst wenn wir jene Menschen manchmal nur einmal im Jahr sprechen, fühlt es sich so an, als sei der letzte gedankliche Austausch erst am Tag zuvor passiert.
Es gibt Momente, da treffen wir Menschen an einem neuen Ort und in einer uns völlig neuen Situation – wenn wir uns zum Beispiel auf ein kleines Abenteuer begeben und unseren Alltag verlassen. Eine Seminarwoche weitab der Stadt mit gleichgesinnten Menschen zum Beispiel. Manchmal sind die Menschen, denen wir so begegnen nur für einen kurzen Moment mit uns auf dem gleichen Weg, aber der Kontakt kann sehr intensiv sein. Besonders dann, wenn solche Begegnungen in einem geschützten Raum stattfinden, haben sie die Chance, sich vollends zu entfalten. Grenzen, die wir uns im Alltag auferlegen – meist aus überflüssigen Regeln, welche sich über Jahrhunderte in der Gesellschaft manifestiert haben – brechen an solchen geschützten Orten auf und es sind nicht mehr einfach die Menschen, die sich begegnen, sondern das wahre innere Selbst offenbart sich und die Seelen treffen aufeinander. Wundervolle Erfahrungen können so erlebt werden. Erfahrungen, die so unbefangen und frei niemals in unserem Alltag stattfinden würden. Wenn die Zeit dann gekommen ist, in das alltägliche Leben zurück zu gehen, bedeutet dies auch oft, dass der physische Kontakt mit diesen Seelen und ihren menschlichen Körpern zu Ende geht. Dennoch bleibt die spirituelle Verbindung zu diesen Menschen bestehen. Sie sind immer bei uns, denn die Seelen haben sich in dieser kurzen Zeit miteinander verschränkt.
Manchmal gibt es Momente, in denen sich uns ein Mensch zunächst versteckt zeigt. Momente, wie beschrieben: auf dem Weg zur Arbeit, in der Kantine oder auch in anderen alltäglich wiederkehrenden Routinen. Aber dieser eine Mensch, der dann kurz unseren Weg kreuzt, strahlt etwas aus, das mit uns in Resonanz geht und sich gut anfühlt. Es ist ein Wort, ein Blick, ein Geruch oder eine Geste. Irgendetwas, was uns angenehm erscheint und unser Innerstes anspricht. Warum dies so ist, können wir in diesen Momenten gar nicht sagen. Aber unsere Intention signalisiert uns, dass wir ihn gern „näher“ bei uns haben wollen. Wir fühlen das Bedürfnis nach gegenseitigem Austausch und Kennenlernen. Wir sollten dann den Mut haben und Kontakt zu diesem Menschen aufnehmen. Es wird nicht immer so sein, dass sich dabei etwas „ergibt“, aber die Chance besteht. Wenn wir auf unser Herz und unser inneres Selbst hören, werden wir stets auf Menschen treffen, die uns genau in diesem Moment begegnen sollen. Innerhalb kurzer Zeit habe ich einen solchen Menschen in mein Herz geschlossen. Es war nicht geplant und auch nicht absehbar. Geboren aus der Intention für eine Verabredung zum Kaffee, zu einem unverbindlichen Gedankenaustausch wurde der Grundstein dazu gelegt. Ein wundervolles erstes Gespräch, wie eine Offenbarung, denn es zeigte, nicht allein mit seinen Empfindungen zu sein. Ein riesiges Lächeln im Herzen aus reiner Dankbarkeit, einem solchen Menschen begegnen zu dürfen, breitete sich aus. Ohne es bewusst voranzutreiben entwickelt sich ein stetiger Austausch. Gedanken fließen, Hilfestellungen werden gegeben und empfangen. Dinge, die ich nur von engen Freunden „erwarten“ würde werden bereits nach wenigen Tagen gegenseitig zugestanden. Worte und Empfindungen ähneln sich und ein unmittelbares Verstehen erwächst nahezu unmittelbar in der ersten Begegnung. Wenn sich Menschen auf eine solche Art treffen, schwingen sie meist auf einer sehr ähnlichen Wellenlänge miteinander und sie empfinden sehr schnell eine starke Verbindung im Herzen.

Ich möchte jeden ermutigen, offener zu sein, für all die herrlichen Begegnungen, die uns tagtäglich wiederfahren. Nehmt sie wahr, lasst Euch von Ihnen durchströmen. Wie in meinen Gedanken zum Vermissen, sind auch Begegnungen wie das Wasser in einem Ozean. Manche Menschen bäumen sich als stürmische Wellen auf und brechen über uns zusammen, andere umfließen uns sanft und geben uns das Gefühl von Geborgenheit. Manchmal lassen wir uns im Meer des Lebens treiben und einige Wassermoleküle begleiten uns für lange Zeit. Sie bleiben dicht bei uns oder kommen nach kurzer Abwesenheit zu uns zurück – je nachdem wohin sie die eigene Strömung gerade treibt. Andere ziehen stürmisch an uns vorbei und wir nehmen sie kaum wahr oder aber sie verlaufen sich mit der Zeit völlig und kehren gar nicht zurück. Wie das Wasser sind wir mit all diesen Menschen in einer steten Verbindung, Zeit und Raum spielen keine Rolle. Sie sind immer mit uns, immer bei uns, immer auch auf dem Weg, eigene Erfahrungen zu machen und so eine Idee zu erhaschen, was es bedeutet, perfekt zu sein.

Ich danke Euch allen, die Ihr da draußen seid. Ich danke Euch, dass Ihr mir begegnet seid und begegnen könnt. Ich freue mich, Euch wieder zu treffen oder auch neu kennen zu lernen. So manche Seele werde ich nur im Vorbeigehen treffen, anderen werde ich gar nicht begegnen. Dennoch bin ich voller Glück und Freude, weil ich weiß, dass Ihr alle hier seid!