Liebe in allem

Heute ist einer von den Tagen, an denen ich mich sehr glücklich und leicht empfinde, denn ich kann die Liebe überall sehen. Wir sollten uns stets versuchen, darin zu üben und danach zu streben, dass wir Liebe in allem sehen, denn alles besteht aus reiner Liebe. Im Universum gibt es nichts anderes, als Liebe. Ich bin nicht der Erste, der darüber schreibt, denn Neale Donald Walsh, Eckhard Tolle und andere haben bereits in ihren Werken und Arbeiten auf sehr plausible, wenngleich auch teilweise verstörende Art, genau das umschrieben. Aber heute ist für mich der Moment gekommen, mein Empfinden darüber nieder zu schreiben und zu teilen.

Es sind kleine Momente der Erkenntnis, die uns dazu verhelfen, Dinge klar zu sehen und als das zu erkennen, was sie wirklich sind. Das Universum hat sich da zunächst als ein wunderbares System kreiert, das perfekt funktioniert. Wie die Planeten um die Sonnen kreisen, so bewegen sich auch Sonnensysteme in Perfektion im Universum. Das Leben an sich ist verkörperte Liebe, weshalb wir den Akt, der Leben hervorbringt auch stets mit dem, was wir als das Gefühl der Liebe kennen, in unmittelbare Verbindung bringen. Aber auch der Tod ist Liebe. Tod bringt Leben hervor, Leben kann nicht sein ohne Tod. Wir gewinnen Nahrung aus sterbenden Lebewesen, seien es nun Pflanzen oder Tiere, doch das Ende eines Lebewesen ist essentiell für das Überleben eines anderen und in der darin liegenden Anmut ist nichts anderes verborgen, als Liebe. Liebe die sich für uns manchmal ein wenig versteckt und kälter anfühlt, als das, was wir selber als Liebe empfinden – aber es ist und bleibt Liebe. Im der wundervollen Dokumentation „Unsere Erde“ gibt es eine Szene, in welcher eine Raubkatze eine Antilope jagt und reißt. Dieser eine Momente, in welchem das gejagte Tier ins Straucheln kommt und stürzt und von der Raubkatze getötet wird, zeigt auf eine ganz besondere Art, was ich meine. Ja, der Akt des Tötens mutet brutal und sehr hart an und wir verbinden dies zunächst nicht mit dem, was Liebe für uns ist. Doch in dem Moment, in dem das Beutetier gewahr wird, was seine Aufgabe ist, sehe ich Frieden und Hingabe in den Augen des bald sterbenden Tieres. Es ist, als würde es genau wissen, dass alles gut ist, trotz des Schmerzes. Ich sehe Liebe in seinen Augen.

Doch Liebe geht weit über das hinaus, was wir in der Natur oder um uns herum sehen können. Liebe ist in all unseren Taten oder besser gesagt, all unsere Taten entstehen aus Liebe oder aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden. Wir können Liebe in vielen Dingen sehen: Iem Blumenstrauß, den der Mann seiner Frau zum Jahrestag mitbringt und im Lächeln, dass sie ihm schenkt, wenn sie den Blumenstrauß überreicht bekommt. Wir sehen Liebe, wenn eine Mutter zu ihrem Kind eilt, dass bei den ersten Gehversuchen hingefallen ist und wir spüren die Liebe im ruhigen Atem unserer Kinder, wenn wir sie in unseren Armen in den Schlaf wiegen.

Liebe liegt aber auch in all den Taten verborgen, die wir oft als schlimm, ungerecht und verabscheuungswürdig empfinden. Doch wenn wir genau hinschauen, können wir sie erkennen. Damit rechtfertigen sich nicht in unser aller Verständnis diese Taten, aber wir können besser verstehen, warum sie geschehen. Liebe liegt auch darin, wenn zwei Menschen sich streiten und sich dabei gegenseitig ihre unschönen Eigenschaften und Verhaltensweisen an den Kopf werfen. Liebe ist darin verborgen, denn beide handeln aus der Angst heraus, die Liebe, die sie durch ihren Partner so stark spüren können, verlieren zu können. Wir handeln dann oftmals unüberlegt und werden hart und teilweise ungerecht, doch eigentlich wollen wir die für spürbare Liebe bewahren.

Ein Mensch, der im Gerichtssaal den Mörder eines Angehörigen erschießt, handelt aus purer Liebe. Aus dem Verlust heraus, den er glaub spüren zu müssen, weil ihm augenscheinlich Liebe genommen wurde. Aber auch im Akt des Mordes – und das wird nicht jeder von Euch so annehmen können – steckt der Wunsch nach Liebe. Es mag Aufmerksamkeit sein, die dieser Mensch so dringend benötigt, dass er eine solche Tat begeht oder vielleicht ebenfalls die Angst davor, gespürte Liebe andernfalls zu verlieren.

Wir alle handeln immer nur aus diesen beiden Motiven, weil wir lieben oder weil wir Liebe suchen. Es gibt keine Ausnahme. Wenn wir uns schnellen Sex in einer Bar suchen, dann suchen wir eigentlich die Liebe zu uns selbst, weil wir sie gerade nicht erkennen können und den anderen benötigen, damit er uns zeigt, wie wundervoll und liebenswert wir sind. Wenn wir einem älteren Menschen über die Straße helfen oder eine Wasserkiste die Treppen herauf tragen, handeln wir aus reiner Liebe, denn wir wissen, dass auch wir eines Tages auf liebende Gesten anderer angewiesen sein könnten. Wenn wir eifersüchtig sind, handeln wir aus Liebe, weil wir auch hier Angst haben, dass uns Liebe abhandenkommen könnte.

An Tagen wie heute empfinde ich einen inneren Frieden, weil ich weiß, dass Liebe niemals abhandenkommen kann, denn sie ist immer da. In all ihren Facetten und mit all ihren unterschiedlichen Gesichtern, die wir niemals im Laufe eines Lebens selber kennenlernen können und doch jedes davon schon kannten, bevor wir dieses Leben anfingen. Liebe ist in allem und zeigt sich durch alles, egal wie unmöglich es uns erscheinen mag. Wir müssen nur genau hinschauen und können sie erkennen. Und an Tagen wie diesem versuche ich mich mehr und mehr in Achtsamkeit für die Liebe zu üben, damit ich immer ein wenig mehr in diesem Bewusstsein von Liebe ruhen kann.

Anfang und Ende

Das neue Jahr hat begonnen und wohl nahezu jeder von uns ist wieder im alten Trott. Die Arbeit ruft, die Kinder gehen wieder zur Schule, alle Geschäfte haben wieder zu den normalen Uhrzeiten geöffnet und so schnell wird auch erstmal kein verkaufsoffener Sonntag mehr folgen. Dennoch stelle ich mir die Frage, warum wir wohl in so vielen Dingen immer diese Definition von Anfang und Ende benötigen. Woher kommt diese Sehnsucht, nach klaren Momenten im Leben, die entweder den Start oder das Ende einer gewissen Sache benötigen?

Wenn wir einmal ehrlich sind, ist der 31.12. auch nicht wirklich anders, als der 30.06. in einem Jahr. Mal davon abgesehen, dass das Wetter in der Regel ein wenig anders ist und die Natur sich in einem anderen Abschnitt eines sich stets wiederholenden Zyklus befindet. Vielleicht wäre der Vergleich zwischen dem 31.12. und dem 21.12. ein wenig passender. Dennoch „passiert“ an einem letzten Tag im Jahr nichts, was nicht auch an vielen anderen Tagen im Jahr passieren könnte. Es gibt uns aber eine Art von Halt, wenn wir darüber nachdenken, dass wir ein Jahr hinter uns lassen und ein neues beginnen.

Viele Menschen brauchen scheinbar einen solchen Zeitpunkt. Sie verabschieden sich beispielsweise von einem Lebensabschnitt, der sehr hart und vielleicht auch enttäuschend gewesen ist. Manch einer bedankt sich für das, was er erleben dürfte und schaut mit Spannung auf das, was nun kommt. Aber es ist in der Tat eher das Verabschieden von subjektiv negativen Perioden, die uns abverlangen, ein „Ende“ zu bestimmen. Ein Ende eines Zeitraumes, der unserer Ansicht nach nicht gut gewesen ist. Und nur selten ist eine solche Periode ja genau am 31.12. auch beendet. Oftmals befindet sie sich gerade im Ausklingen oder hatte sich längt in den Monaten und Wochen vor dem Jahreswechsel geklärt.

Letztlich braucht es daher solch einen festen Tag, an dem man sich die guten Vorsätze für die kommende Periode macht, überhaupt nicht. Jeder von uns ist in jedem Moment des Daseins dazu in der Lage, etwas zu verabschieden und einen Übergang in etwas Neues zu vollziehen. Das Neue ist dabei niemals wirklich neu. Alles, was wir erleben, entsteht in einem steten Fluss und geht ineinander über. Wir können beinahe gar nicht entscheiden, dass von einem Moment zum anderen alles verändert ist und wir alles in veränderter Form angehen. Allein der Moment der Entscheidung fließt durch unseren Körper, unseren Geist und unsere Seele und wird dabei sanft und vorsichtig immer konkreter und manifestiert sich schließlich. Für manch einen wirkt ein solcher „Neuanfang“ abrupt und schnell. Das liegt sicherlich daran, dass er für uns oft erst greifbar wird, in dem Augenblick, in dem wir die finale Entscheidung treffen, es anders zu machen. Jedoch haben wir unterbewusst und auch in Momenten der Unaufmerksamkeit bereits ganz oft Dinge getan oder sind Gedanken nachgegangen, die uns eben genau dahin geführt haben – an diesen Punkt, welcher die Veränderung und damit den Anfang eines neuen Abschnitts brachte.

Ein Ende ist immer auch ein Anfang – diesen Satz kennt wohl fast jeder. Oft wird er benutzt und ja, eine offenbar allgemeingültige Wahrheit liegt in ihm. Es ist dennoch unsere Konstruktion von Zeit, die von uns abverlangt, dass wir Relationen herstellen müssen. Zwischen dem, was jetzt passiert und dem, was bereits gewesen ist oder kommen wird. Es ist schlicht diese Art unserer zeitlichen Wahrnehmung, welche uns nötigt, dass etwas zu Ende geht und dann etwas Neues beginnt. Wie ein Buch, dass ich zu Ende lese, um mir anschließend ein anderen zu nehmen.

Doch das Leben ist nicht wie ein Buch, und auch das Ende des Lebens ist nicht wie ein Buch, dessen letzte Seite gelesen wurde. Alles fließt und geht vom einen ins andere über – ohne Anfang – ohne Ende.

Das Ende und ein Anfang – Ein Jahreswechsel

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Jahresrückblick schreiben soll, oder nicht. Eigentlich ist so ein Rückblick ja auch in gewisser Hinsicht, ein Zurückversetzen in die Vergangenheit und damit in etwas, dass nicht mehr existent im aktuellen Moment ist. ABER so ein Rückversetzen kann uns auch einen Moment, ein JETZT erschaffen, das einfach wundervoll ist, weil wir Dankbarkeit, Glück und Liebe spüren. Rein aus dem, was uns die Vergangenheit gezeigt hat…

 

Das war 2014 – in nicht chronologischer Reihenfolge
Beruf wird Berufung – THEKI erweitert meine Wahrnehmung und meine Erkenntnisse – Aromatherapie verbindet sich mit bestehendem Wissen – Yoga schafft Ordnung im Chaos – Übung verschafft Sicherheit und Gewissheit – Fähigkeiten und Talente werden erkannt und gestärkt – neue Herausforderungen stellen sich, werden angenommen, manche überwunden, manche nicht – alter Ballast fällt ab – Raum für Neues ist geschaffen – wundervolle Menschen treten in beträchtlicher Häufigkeit und mit Beständigkeit ins Leben – Kreativität entfaltet sich – die Lust auf Neues wird größer, belohnt mit körperlichen, geistigen und seelischen Glücksmomenten – eine Beziehung geht zu Ende, wobei jenes Ende zu einem Anfang wird – aus der Pubertät mitgetragener Selbsthass gepaart mit Zweifeln löst sich und hinterlässt eine innere Ruhe – Beziehungen zu vielen Menschen, die bereits lange auf meinem Lebensweg mit mir gehen, verstärken sich, einige wenige enden – der Körper manifestiert Loslösungsmechanismen in Form von kleinen Krankheiten, die verunsichern – Akzeptanz und Urvertrauen verhelfen zur inneren Ruhe – neue Freundschaften werden enger, alte Bindungen sind stark wie eh und je – Schreiben bereitet mir mehr und mehr Freude – Ängste vor Offenbarungen des eigenen Selbst werden schwächer – meine Familie ist und bleibt wundervoll – manchmal fehlt der Mut, Dinge voranzutreiben – alles passiert genau im richtigen Moment – meine Umwelt spiegelt mir, auf dem richtigen Weg zu sein – Offenheit und Ehrlichkeit werden mit Vertrauen und Achtung belohnt – Unwahrheiten werden ohne bleibende Zweifel ausgeräumt – inneres Aufbegehren gegenüber alten Tätigkeiten wandelt sich in Gelassenheit – ein Mensch erscheint, der mein Herz auf besondere Weise berührt – meine Lust auf eine innige Bindung, mit dem Potenzial gemeinsam wundervolle Sache zu erschaffen, wächst von Tag zu Tag…

 

Das wird 2015
Einfach nur wundervoll!!!

 

Euch allen ein grandiosen Start ins neue Jahr!

Wenn die Zeit langsam verrinnt…

Ich hatte vor einigen Tagen die wundervolle Gelegenheit, neben einem fantastischen Menschen die Nacht verbringen zu dürfen. Nein, nein, wer nun glaubt, dass es um Sex geht, den muss ich enttäuschen, beziehungsweise den kann ich beruhigen. Es war eine Nacht, in der ich einfach die unbeschreiblich schöne Möglichkeit hatte, festzuhalten und festgehalten zu werden.

Das Großartige an solchen Momenten ist, dass wir das Gefühl von Einheit und Zusammenhalt ganz unmittelbar empfinden. Dort, wo wir uns sonst vielleicht von anderen Menschen abgespalten fühlen, entsteht dieses vertraute Gefühl einer immerwährenden Verbindung, die sich in diesem körperlichen Beisammensein manifestiert. Es fühlt sich so an, als würden wir endlich verstanden werden. Als wären alle unsere Wünsche und Bedürfnisse wie ausgelöscht, weil sie schlicht nicht mehr vorhanden sind. Die Reinheit der sich berührenden Körper zweier Menschen, die es zulassen können, aus tiefstem Herzen Zuneigung füreinander auszudrücken, ist unglaublich beschwingend und es gibt in solchen Momenten nichts, das sich besser anfühlen könnte. Und selbst als dieser Moment endete, habe ich ihn über einen langen Zeitraum nachschwingen gespürt.

Der Wecker hatte uns, wie sonst mich jeden Morgen, um 7.00h geweckt, aber wir konnten uns noch 30 Minuten gönnen, einander zu spüren und mit unseren Sinnen wahrzunehmen. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem eine Trennung unausweichlich wurde. Die alltäglichen Pflichten standen an. Als ich dann um kurz nach 7.30h wieder allein in meiner Wohnung war, traf ich eine Entscheidung. Die alltägliche Routine des Erwachens und des Schreibens meiner Morgenseiten, sowie des Frühstücks habe ich kurzerhand über den Haufen geworfen. Stattdessen nahm ich mir eine weitere halbe Stunde bis 8.00h um einfach nur dazuliegen in der morgendlichen Dämmerung und den Moment nachschwingen zu lassen. Eine Kerze erhellte den Raum ganz sanft und so konnte ich die Augen schließen und schlichtweg den Moment in seiner puren Reinheit fühlen.

Sicherlich kennt Ihr das auch, dass man noch ein paar Minuten hat und die Augen schließt und sobald man das nächste Mal auf die Uhr schaut, ist dieser Zeitraum schon vergangen. Beinahe enttäuscht rafft man sich auf, um die anstehenden kleinen und großen Pflichten zu erfüllen. Doch so war es neulich morgens eben nicht. Es schien fast so, als sei diese halbe Stunde eine halbe Ewigkeit gewesen. So als hätte die noch im Raum befindliche Energie der zwei Körper die Zeit dazu gebracht langsamer zu fließen – beinahe stehen zu bleiben.

Es schien mir fast so, als sei das Universum stehen geblieben, um selbst diesen wunderschönen Moment zu genießen und einfach eine Pause einzulegen. Kann es sein, dass zwei Menschen dazu in der Lage sind? Die Zeit langsamer fließen zu lassen? Aus der Reinheit ihrer Zuneigung?

Ich hatte schon längst die Antwort auf diese Frage für mich gefunden, doch vor ein paar Tagen hat mir dieses Erlebnis sehr unmittelbar gezeigt, dass diese Antwort nicht nur eine Annahme gewesen war, sondern eine kleine innere Wahrheit. Das Universum schenkt uns eben hin und wieder, sofern wir aufmerksam sind, die kleinen Beweise für all die Antworten auf all die Fragen, die in unserem tiefsten inneren Ich schlummern. Sie sind bereits dort und wenn wir wollen, erleben und erfahren wir diese Antworten auch.

Ich freue mich, dass dieser Mensch in mein Leben getreten ist und welchen Weg wir auch immer gemeinsam gehen, wie lang der gemeinsame Pfad auch sein mag, ich freue mich über alles, was er mit sich bringen mag.

Euch eine ruhige Nacht, wunderschöne Träume und vielleicht auch einen intensiven Moment des Festhaltens und Festgehaltenwerdens.

Ein Samstag wie (nicht) jeder andere

Wenn ein Feiertag auf einen Samstag und damit in das Wochenende fällt, gibt es unter den Menschen verschiedene Möglichkeiten, ein solches Ereignis wahrzunehmen. Manch einer sieht darin ein Beschneidung seiner Möglichkeiten, weil er seine regulären Einkäufe nicht erledigen kann und dies die Woche so schwierig werden lässt, weil doch da auf Grund der Arbeit eh schon kaum Zeit bleibt. Andere freuen sich aber beispielsweise für die Angestellten im Einzelhandel, die so definitiv auch einmal ein Wochenende aus zwei freien Tagen genießen können.
Was mir immer als erstes in meiner Wahrnehmung auffällt ist, dass sich so ein Samstag dann einfach nicht wie ein Samstag anfühlt, sondern der Tag eine ganz andere, eben eine Sonntagsanmutung erfährt. Obwohl ich heute Morgen aufgestanden bin, wie an jedem anderen Samstag auch, nämlich so, dass ich meinen Yoga Kurs um 10.30 Uhr erreiche, war direkt diese andere Aura zu spüren.

Es waren zwar auch unglaubliche viele Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs, so dass eigentlich vom Verkehrsaufkommen kaum ein anderer Eindruck entstand. Vielleicht war schon asureichend, dass keine LKWs unterwegs waren, die dies. Es hat sich aber auch in den Menschen gezeigt, die ich auf dem Weg getroffen habe. Sie waren allesamt etwas ruhiger und gelassener. Der typische Samstags-Stress stand nicht in ihren Gesichtern, denn sie mussten ja nicht wie üblich von einem ins andere Geschäft hetzen, um oben erwähnte Besorgungen zu machen. Wer diese vergessen hatte, der konnte nun eh nichts mehr daran ändern und wer vorbereitet war, hatte seine etwaige Besorgungshektik bereits spätestens am Vortag ausgelebt.

So kam ich nun nach dem Yoga zurück und konnte diese spürbare Entspannung und für einen Samstag untypische Entschleunigung vollkommen genießen. Das sonnig-warme Herbstwetter tat sein Übrigens dazu, um mich zu beflügeln. Kurzerhand habe ich einen kleinen Stopp eingelegt und mich ein wenig in die Sonne gesetzt. Ja, wäre mir mein Fahrrad vergangene Woche nicht gestohlen worden, hätte ich wahrscheinlich eine kleine Raderkundung am Nachmittag vorgenommen. Aber ohne ein entsprechenden Ersatz ist das eher schwierig umzusetzen. An dieser Stelle danke ich meinen lieben Nachbarn dafür, dass sie mir eines ihrer Räder geliehen haben, welches aber eben nicht unbedingt für eine Berg- & Tal-Tour jenseits befestigter Wege gemacht ist, aber ich kann mich damit sehr gut innerstädtisch bewegen, bis mein Ersatz geliefert werden kann.

Aber zurück zum Thema… Zu Hause angekommen entschloss ich mich alternativ dazu, einfach einen kleinen Spaziergang zu machen, meine derzeitige Lektüre mitzunehmen und mich auf einer Parkbank in der Sonne niederzulassen. Nach dem Mittagessen habe ich eben dies getan und fand auf dem Grüngürtel eine passende, freie Bank. Ich habe mich dort am linken Rand niedergelassen und schmökerte weiter in dem wunderbaren Buch von Bettina Hennig (ja, darüber berichte ich auch noch) und genoss den Moment des Daseins in vollen Zügen. Einfach sein und genießen. Ich dachte noch einen Moment darüber nach, dass diese Momente einfach bei vielen von uns nach wie vor zu kurz kommen und wir uns oftmals über diese Tatsache hinwegtäuschen, indem wir vermeintliche Genussmomente generieren, die aber an sich dann oftmals doch auch wieder Elemente von Flucht oder Ablenkung beinhalten.

Nach einer Weile, ich war völlig vertieft ins Lesen, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass eine Fahrradfahrerin auf die Bank zusteuerte. Sie stellte Ihr Rad ab und kramte ein wenig in ihrern mitgebrachten Sachen herum. Ich war so ins Lesen vertieft, dass ich wohl nach außen sehr ignorant gewirkt haben könnte, weil ich nicht einmal aufgeschaut habe. Aber das kann eben mal passieren, wenn wir uns von etwas sehr fesseln lassen. Dann sind wir im ‚flow‘ und das ist unbewertet zu sehen.

Als die Frau sich sortiert hatte, sprach sie mich ganz höflich an, womit ich absolut nicht gerechnet hatte, und fragte mich freundlich, ob sie sich dazusetzen dürfe und ich beantwortete diese Frage mit einem Lächeln auf den Lippen und einem wortgeformten „Natürlich“, worauf hin sie Platz nahm und sich ebenfalls eine kleine Lektüre in Form einer Zeitschrift vornahm.

Da saßen wir nun beide auf dieser Bank, ich auf der linken Seite, sie auf der rechten Seite und zwischen uns unser beider Taschen. Wir hatten uns nie zuvor gesehen und bis auf die wenigen Worte auch keine Unterhaltung geführt oder uns gegenseitig mit Namen vorgestellt. Ich, männlich, kurze und glatte Haare, dunkelblond, eher schlank und schmal in meiner dunklen Jeans mit Sweatshirtjacke und diese Frau, lockige und fast schulterlange Haare, rötlich-braun, recht groß und in der Statur kräftiger als ich. Sie trug eine Jacke, deren Farbe mich in Erinnerungen an meine Kindheit zurückversetzte, da sie der Nouance einer Schaumtönung glich, welche meine Mutter verwendete, als ich noch sehr jung war.

Wir waren in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich und doch waren wir irgendwie auch gleich. Beide saßen wir dort und genossen die Energie der herbstlichen Sonnenstrahlen. Beide hatten wir etwas gegen den Durst dabei und gönnten uns von Zeit zu Zeit einen Schluck, um bei diesen Lesepausen die visuellen Eindrücke der Umgebung wirken zu lassen. Und dann lasen wir wieder ganz in Ruhe und in völliger Harmonie über die Gegenwart des anderen unsere Lektüren und obwohl wir uns bisher nie begegnet waren und möglicherweise nie wieder begegnen werden, fühlte ich eine Verbundenheit die mit einer ganz natürlichen Geborgenheit einherging.

Dies war einer dieser Momente, in denen es für mich körperlich, geistig und seelisch spürbar gewesen ist, dass alles in stetem Austausch und in ständiger Verbindung zueinander steht und das diese Verbundenheit nicht durch ein langzeitiges und gegenseitiges „Kennen“ entsteht, sondern dass es immer da sein kann, wenn die Beteiligten es zulassen und annehmen können. Zeit spielte in dieser Situation keine Rolle, so wie sie nie eine Rolle spielt, wenn wir uns in Phasen des ‚flows‘ befinden. Als ich mich dann entschloss, den Heimweg anzutreten, habe ich mich verabschiedet und meiner Banknachbarin ein schönes Wochenende gewünscht, was sie erwiderte. Innerlich voller Freude und Zufriedenheit spazierte ich nach Hause, wo ich nun den Rest dieser wunderbaren Tages weiter verbringen werde.

Dieser Tag, der ein Samstag ist und sich dennoch so anders als ein Samstag anfühlt.

Dieser Tag, der wie jeder andere Tag ist und sich nur deshalb anders anfühlt, weil wir ihm eine andere Bedeutung geben, als anderen Tagen.

Dieser Tag, welcher der wundervollste Tag ist, den ich habe, so wie jeder Tag der wundervollste Tag ist, in dem Moment, in dem wir ihn gerade haben…

Sonnige Herbstgrüße und alles Liebe für Euch!