Veränderungen im Außen – Veränderungen im Innen

Jeder von uns geht seinen eigenen Weg durchs Leben. Wir treffen dabei stets Entscheidungen, welche diesen Weg bestimmen, verändern und welche uns an Weggabelungen und Kreuzungen eine bestimmte Richtung einschlagen lassen. Manchmal sind diese Richtungswechsel für uns subjektiv gut, manchmal scheinen sie kaum eine Wirkung zu haben und manche empfinden wir als schlecht. Wenn uns bewusst wird, dass wir in unserem Leben auf einem Weg sind, der uns nicht gut tut, der uns körperlich, seelisch oder geistig schmerzt oder gar zerstört, dann dürfen wir uns glücklich schätzen, denn wir haben die Möglichkeit für uns erkannt, diesen Pfad zu verlassen. Es gibt Momente, in denen wir den Weg einfach verlassen und über freien, angenehmen Boden auf einen anderen Pfad wechseln können. Es gibt aber auch Wegwechsel, die für uns nicht einfach sind. Wir müssen dann einen Weg verlassen und ins Unterholz, über schlammigen Grund oder durch hohes Gras laufen und niemand kann uns genau sagen, was dort auf uns wartet. Manch einer muss den Weg auch durch undurchsichtiges, enges Dickicht und Gestrüpp hindurch verlassen.

Es fällt uns also nicht immer leicht, zu erkennen, wie wir den Pfad wechseln können. Dies manifestiert sich in der uns allen bekannten Angst vor Veränderung. Doch jeder von uns hat die Fähigkeit zu erkennen, wenn es an der Zeit ist. Es stellt sich nur die Frage, ob wir uns trauen, die Entscheidung zur Veränderung zu treffen.

Veränderungen können wir auf zwei verschiedene Arten vornehmen. Ich habe schon oftmals davon geschrieben, dass wir in Situationen einfach die Umstände verändern können, damit es uns besser geht. Wir können den Job wechseln, wenn uns die Arbeit nicht gut tut oder wir können den Wohnort wechseln, wenn wir uns in der Umgebung nicht wohl fühlen. Dies können hilfreiche Schritte sein, wenn wir von einem Pfad auf den anderen wechseln mögen. Doch es gibt auch hin und wieder Entscheidungen, die wir treffen müssen, in denen uns die bloße Veränderung äußerer Umstände nicht helfen wird.

Wie können wir die Dinge loslassen, die uns tief in der Seele Schmerzen bereiten? Reicht es da wirklich, wenn wir einfach aus einer Situation heraus gehen? Werden wir dann nicht schnell wieder in eine vergleichbare Situation gebracht? Es ist ein erster Schritt, wenn wir uns mit unserem Außen beschäftigen, doch reicht das wirklich? Langfristig kann Veränderung nur im Inneren stattfinden, auch wenn wir versuchen, sie im Außen vorzunehmen.

Wir können uns das Außen jederzeit zu nutzen machen und dadurch vieles erkennen, uns selber besser verstehen und das Menschsein an sich erfahren. Aber reicht es aus, den Wohnort zu wechseln, weil wir uns an der Stelle, an der wir stehen, nicht wohl fühlen? Es ist der erste Schritt zur Erkenntnis, aber wir sollten hier nicht aufhören, sondern nach dem physischen Ortswechsel tief in unserem Inneren schauen, was dort einen „Ortswechsel“ benötigt.

Wenn wir einen Job kündigen, weil unser Chef uns zu viel Arbeit aufhalst, während andere Kollegen unseres Empfindens nach viel weniger Arbeit auf den Tisch bekommen, dann können wir den Job wechseln. Wenn wir aber nicht auch in unserem Inneren schauen, verstehen und verändern, wofür diese „viele Arbeit“ steht, dann werden wir an anderer Stelle erneut einen Menschen treffen, der uns „viel Arbeit“ aufhalst.
Wenn ein Drogensüchtiger sich aus seinem sozialen Umfeld löst, weil dort zu viele andere Menschen um ihn herum sind, die für seinen Rauschmittelkonsum stehen, dann hat er damit einen ersten Schritt getan, sollte jedoch auch schauen, woher diese Sucht rührt. Wovor flüchtet er? Was mag er nicht ins Bewusstsein dringen lassen? Schaut er sich dies nicht an, wird er sich stets wieder in Situationen und von Menschen umgeben finden, die den Konsum von Suchtmitteln unterstützen.

Das Außen zu verändern kann nie der einzige oder der letzte Schritt zur Befreiung sein. Wir sollten stets schauen, wo in uns der Ort ist, den wir im Außen bereits bereit sind zu ändern, damit wir ihn in uns auch verändern können. Unsere Realität generiert sich stets aus dem, was wir in sie hinein geben. Daher werden wir immer das bekommen, was unser Inneres ins Außen gibt. Aber unser Inneres kann nicht aus dem entstehen, was wir als Außen wahrnehmen.
Es ist jedoch keine Einbahnstraße, das gilt es hier, nicht falsch zu verstehen. Der Austausch findet stets in beiden Richtungen statt, aber der Effekt ist nicht gleich. Das Außen zeigt uns, was unser Inneres ist, braucht und empfindet. Das Außen darf als unser Ansporn und die Motivation gesehen werden, unser Inneres zu verändern, damit sich das Außen auch verändern kann.
Das Außen verändert sich jederzeit, egal ob wir unser Inneres verändern oder nicht. Wenn es nicht manifestiert, was wir aus unserer Veränderung im Inneren heraus kreieren, dann zeigt es uns unsere innere Unausgeglichenheit auf unterschiedlichste Weise, bis wir endlich begreifen und zulassen, was in unserem Inneren nach Veränderung verlangt.

Je mehr unser wahres Selbst mit unserem manifestierten Ich in Balance ist, umso stärker empfinden wir unser Außen als angenehm und wohltuend.

Wollen wir also Veränderung schaffen, die uns Glück und Zufriedenheit bringt, können wir mit einer Veränderung der äußeren Umstände beginnen, sollten aber dabei immer im Auge behalten, dass dies nur ein Zeichen für das Bedürfnis nach Veränderung in unserem Inneres ist.
Unser wahres Selbst kennt den Weg, immer, auch wenn wir ihn mal verlassen oder aus den Augen verloren haben und unsere Realität zeigt uns, wie wir auf den Weg zurück finden.

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Wieviel können wir zulassen

Ich habe oft über Liebe geschrieben und darüber, dass ich in allem und jedem Liebe sehe. In allen Menschen und in allen Taten ist sie versteckt. Ich werde häufig gefragt, wie es denn aber funktionieren soll, diese Haltung gegenüber den Menschen auch im wahren Leben aufrecht zu erhalten. Viel zu oft tun uns Dinge, die anderen Menschen tun einfach weh, weil sie einen Schmerz aus unserem Inneren hervorholen, Manchmal passt das Verhalten anderer Menschen einfach nicht in unser ethisches und vertretbare Bild davon, wie wir miteinander umgehen sollten.

Einer findet es nicht schlimm, auf der Straße von einem unaufmerksamen Mitmenschen angerempelt zu werden, ein anderer findet es ganz furchtbar. Wir haben alle unsere eigene Perspektive auf eben diese Dinge und damit gibt es nun einmal ebenso viele Wahrheiten und Realitäten, wie es Menschen gibt.

Dennoch müssen wir nicht alles einfach so hinnehmen. Wir tragen die eigene Verantwortung darüber, was wir uns gefallen lassen wollen und was nicht. Wir haben die Möglichkeit, Grenzen aufzuzeigen und anderen zu verstehen zu geben, dass sie zu weit gegangen sind. Natürlich entstehen daraus schnell Konflikte oder Streitigkeiten, aber eben dort kommt die Bewusstheit über die Liebe in allen Dingen ins Spiel.

Wenn ich mir in diesen Momenten des Sturms vor Augen führe, dass jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt, kann ich weiterhin die Liebe in allem sehen und werde sanftmütiger, urteilsfreier und ausgeglichener im Umgang mit Konflikten und Streitigkeiten. Und eben diese Ruhe benötige ich, um dem oder den anderen Menschen zu verstehen zu geben, was die Situation mit mir gemacht hat und welche Schmerzen sie bei mir beispielsweise hervorgerufen hat. Und ich kann mir selber helfen, meine eigenen Grenzen zu erkennen, zu beurteilen, ob eine Freundschaft für mich noch die Wertigkeit hat, die sie einst hatte oder gar ob ich eine Partnerschaft noch weiter so führen möchte, wie sie sich entwickelt hat.

Das Wundervolle an einer solchen achtsamen Betrachtungsweise ist, dass wir alle Menschen sanft und ohne Groll gehen lassen können. Wir schenken ihnen vielleicht sogar ein inneres Lächeln, wenn wir ihnen klar machen, dass der gemeinsame Weg endet oder zumindest vorübergehend jeder seine eigene Abzweigung nehmen muss.

Es fällt uns natürlich nicht leicht, dies immer in unserem Herzen zu tragen, denn wir wollen einen Verlust einfach nicht erleiden und sind sogar oftmals gewillt, über einen sehr langen Zeitraum hinweg Kompromisse zuzulassen, die uns vielleicht gar nicht richtig zusagen. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Wir merken, dass ein kleiner Zweifel von uns viel zu sehr ausgebauscht wurde, wir ihm viel zu viel Bedeutung gegeben haben und können von ihm Abstand gewinnen.

Wenn wir die Liebe, die in allem verborgen ist so oft wie möglich im Herzen tragen und dort spüren, haben wir ein großes Stück Glückseligkeit im Leben gefunden.

Realität kreieren

Das mit der Realität ist ja so eine Sache. Jeder hat seine eigene Wahrheit der Dinge, die um ihn herum passieren und dummerweise gilt das auch für die Momente, die zwei oder mehrere Menschen gemeinsam erleben. Jeder nimmt diesen Moment für sich anders wahr. Jeder erschafft eine eigene Wahrheit dessen, was er erlebt. In dem Zusammenhang ist das deutsche Wort „wahrnehmen“ schon wundervoll. Man „nimmt“ sich das, was für einen selbst „wahr“ ist und baut daraus seine Realität.

Wenn ich zum Beispiel eine Suppe salze und diese mit Freunden esse, dann finde ich sie wahrscheinlich genau richtig gesalzen. Einer meiner Freunde findet sich jedoch möglicherweise viel zu lasch und möchte nachsalzen, während ein anderer sie unglaublich salzig empfindet. Wir teilen zur gleichen Zeit die gleiche Suppe und dennoch gibt es drei Realitäten dessen, wie salzig besagte Suppe ist und das Schöne ist, es hört ja nicht beim Salz auf. Farbe, Konsistenz, Wärmegrad usw. beschreiben weitere Aspekte der Suppe, welche bei den drei Beteiligten völlig unterschiedliche Wahrnehmungen auslösen können. Spinnen wir dies nun einmal weiter auf komplexere Alltagssituationen, wird eigentlich sehr schnell deutlich, wie vielschichtig Realität ist und welche unglaubliche Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten sich in jedem Moment der Wahrnehmung verbergen. Nicht umsonst hören wir immer wieder einmal im Zusammenhang mit Zeugenaussagen, dass diese sich oftmals in vielen Details völlig voneinander unterscheiden, je nachdem welche und wie viele Zeugen dazu befragt werden konnten.

Wenn ich diesen Gedanken noch etwas weiter verfolge, muss ich zwangläufig zu dem Schluss kommen, dass es so etwas wie „Objektivität“ nicht geben kann, zumindest nicht aus dem Auge eines in diesem System der Realitätserschaffung integrierten Beteiligten. Vor dem inneren Auge des großen Ganzen mag es so etwas geben, doch das entzieht sich dessen, was ich weiß.

Zurück also zur Wahrnehmung, Realitätsbildung und Objektivität. Wir denken so oft, dass wir, wenn wir aus einer Situation heraustreten oder aber von jemandem etwas geschildert bekommen, dass wir dies „objektiv“ betrachten können. Das scheint mir vor diesem Hintergrund einer der größten Trugschlüsse zu sein, den man ziehen kann. Ich bilde mir in dem Moment, in dem mir ein Ereignis geschildert wird meine Realität auch wieder nur aus den Aspekten, die ich für „wahr nehme“ und kann dann wohl kaum behaupten, sie objektiv betrachtet zu haben. Was wir wohl eher mit „Objektivität“ meinen, ist die Tatsache, dass wir in diesen Ereignissen nicht emotional und auch nicht auf Ebene unseres Egos verhaftet sind und so vielleicht ein wenig wertneutraler in unserer Wahrnehmung bleiben können. Letzten Endes, kann keiner von uns einen objektiven Standpunkt zu etwas einnehmen.
Was also bleibt ist die Feststellung, dass es, je nachdem, wie viele Beobachter einem Ereignis beiwohnen, eine gleichgroße Anzahl an Realitäten wahrgenommen werden. Es ist natürlich nicht auszuschließen, wenngleich auch unwahrscheinlich, dass dabei zwei oder mehrere Beobachter eine komplett gleiche Wahrnehmung haben.

Ich gehe nun aber noch einen Schritt weiter zu dem mich eine Erzählung einer Freundin gebracht hat. Wir sind hin und wieder in Situationen, in denen wir von unserer Umgebung und unserem Umfeld sozusagen Zeichen bekommen. Es kann so etwas wie eine Melodie sein, beispielsweise die Titelmelodie eines Films, welcher eine besondere und motivierende Wirkung auf uns hatte. Wir zweifeln möglicherweise gerade an einer Entscheidung und dann tauscht diese Melodie immer wieder auf. Letztlich ist sie ein kleiner Spiegelaus dem Außen, welcher uns die Möglichkeit gibt, zu ergründen, ob die Zweifel gerechtfertigt sind. Je nachdem, wie die Melodie für uns besetzt ist, können wir so schnell erkennen, was es uns sagen soll. Nun schilderte mir besagte Freundin, dass das doch ein tolles Zeichen sei und fügte ein Zuspruch suchendes, „oder?“ hinzu.

Es steht weder mir noch sonst jemandem zu, dies final zu beantworten, denn ich denke, dass es wir selbst sind, die bei solchen Fragen die Antwort auf das „oder?“ geben müssen, denn wir „nehmen wahr“ und kreieren so unsere Realität. Ich sagte ihr also, dass sie wenn sie die Melodie als ein gutes Zeichen dafür sehe, auf dem richtigen Weg zu sein und die Zweifel loslassen zu dürfen, sich das in ihrer Realität entfalten wird. Wenn sie jedoch Zweifel über die Bedeutung der Melodie habe und denkt, sich das alles zurechtzubiegen und es nur ein komischer Zufall sei, sich genau das kreiert: Komische Zufälle, die mir eine Melodie spielen, die etwas in mir auslöst in einer Situation, in der ich zweifele und mir zurechtbiege, dass das etwas bedeuten könnte – nicht mehr, nicht weniger.

Wir selbst sind es, die Realität erschaffen und haben in jedem Moment die Kraft dazu, zu entscheiden, wohin unser Weg uns führt. Das ist sicherlich hin und wieder schwer zu greifen, aber in dem Moment, in dem ich die Möglichkeit habe, etwas das mir begegnet auf vielfache Weise wahrzunehmen, wird es umso deutlicher, wie viel Kraft dessen, was Realität erzeugt, in mir selbst liegt.

Wir können jederzeit üben, bewusster unsere Realität zu bilden. Am Morgen, wenn wir erwachen und sehen, dass es regnet, können wir entscheiden ob wir uns einen Tag mit schlechtem Wetter kreieren oder mit den Gedanken an die wundervolle Schönheit des Regens und seinen Platz im Kreislauf der Natur in einen ebenso wundervollen Tag starten.
Dieser winzige Moment hat bereits einen großen Einfluss auf unsere Realität.

Baue Dir Deine Realität und sei Dir Deiner eigenen Macht darüber bewusst. Es ist und bleibt DEINE Realität, DEINE Wahrheit. Niemand kann sie Dir wegnehmen.

Im Kleinen wie im Großen

Wenn man sich einmal auf den Weg macht, sich mit Quantenmechanik oder der Relativitätstheorie zu beschäftigen, stößt man leicht auch auf das Buch Die Entstehung der Realität von Jörg Starkmuth. Das Thema dieses Buches ist es, dass wir alle unsere Realität selber kreieren, sozusagen aktiv selbst erschaffen und mit jeder Tat, jedem Gedanken und jeder Haltung eben diese beeinflussen. In spirituellen Kreisen ist dies keine Neuigkeit mehr. Die alten Kulturen der Menschheitsgeschichte schienen schon zu ihren Zeiten mit diesen Dingen sehr viel vertrauter zu sein, als wir es heute sind. Auch in verschiedenen Büchern, Filmen und Serien spiegeln sich Variationen von Ideen der Selbsterschaffung von Realität wieder.
In der Literatur hat es dafür bereits verschiedene Werke gegeben, die uns zeigen, wie Realitäten auf diese Art entstehen (Der Wolkenatlas oder Shikasta)und auch jüngst in der Fernsehgeschichte hat es dazu Filme und Serien (Babylon 5 oder Sense 8) gegeben. Sie alle lehren uns aber auch, dass das Erschaffen von Realität oftmals unter Schmerzen stattfinden kann.

Viele von uns erleben eben solche selbsterfüllenden Momente der Realitätserschaffung bereits in ihrem Alltag, da sie sich bewusst und aufmerksam auf ihrem Lebensweg bewegen. Ich dürfte jedoch neulich beobachten, wie sich solch eine Realität nicht nur für einzelne Menschen kreiert, sondern dass auch Institutionen, Unternehmen oder Vereine als größere Einheiten den gleichen Phänomenen von Realitätserschaffung unterlegen sind. Ich möchte heute versuchen, zu schildern, was ich dabei wahrgenommen habe.

Unsere Wirtschaft ist immer noch dahin ausgerichtet, dass das höchste Streben eines Unternehmens rein auf dessen Wachstum abzielt. Kaum ein Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender sieht etwas anderes als einen wichtigeren Antriebsrahmen seines Unternehmens.
Grundsätzlich möchte ich dies auch gar nicht als etwas Schlechtes beurteilen – genauso wenig als etwas Gutes. Jedoch werden in solchen Prozessen auch einmal ungünstige Entscheidungen getroffen. Gute ist es, wenn man dabei auf die Warnungen aus den Kreisen der Mitarbeiterschaft hört, sofern es welche gibt. Ich durfte aber schon erleben, dass diese nahezu gänzlich ignoriert wurden. Auf den höheren Entscheidungsebenen werden ab einem gewissen Punkt nur zu gern die Augen vor der Realität verschlossen. Man wähnt für sich einen bestimmten Moment als eine große Chance, eine Möglichkeit des Fortschritts für das eigene Unternehmen und will auf Biegen und Brechen höher aufsteigen, zu den Größeren gehören, um sich seinen Weg an die Spitze immer weiter zu bahnen. Grundsätzlich ist an ambitioniertem Streben zunächst nichts auszusetzen, dennoch sollten man dabei niemals vergessen, welche Reaktionen auf bestimmte Aktionen folgen können. Denn schon an diesem Punkt kann ein „Wegsehen“ bedeuten, dass große Summen an Unternehmenskapital zu häufig für unüberlegten Aktionismus verbrannt werden, weil im Vorfeld die aufkommenden Unstimmigkeiten nicht bereits aktiv und offen bereinigt worden sind. In der Folge kann das bedeuten, dass ein strenger Sparkurs die einzige Option zu sein scheint, die dem Unternehmen wieder auf den rechten Weg hilft. Die liquiden Mittel sind reduziert, also werden Mitarbeiter – häufig die älteren und erfahreneren Kollegen – entlassen oder befristete Verträge laufen aus. Ressourcen und Arbeitsmittel werden gekürzt und das obwohl die Aufträge mitunter weiterhin in gleichen Größenordnungen vorliegen. Die Menge der Projekte, für die einzelne Mitarbeiter zuständig sind, verdoppeln sich und das Arbeitspensum sowie die Anspannung steigt.

Eine Unzufriedenheit macht sich Schritt für Schritt unter den Mitarbeitern breit. Junge Kollegen werden ohne fundierte Einarbeitung und mit fehlender Routine auf die Posten von den erfahreneren Kollegen gesetzt, die dann ihren Hut nehmen dürfen. Es folgt unweigerlich eine Überforderung und wenn die Führungsebene dies mit Schulterzucken abtut, ist weitere Demotivation und Missstimmung vorprogrammiert – man versucht, das Problem auszusitzen, indem man wegschaut, doch wir alle wissen, dass darin keine Lösung liegen kann.

Oftmals sind die Mitarbeiter weiterhin dem Unternehmen treu ergeben, aus Loyalität, weil sie bereits seit Jahren für die Firma einstehen oder einfach aus einem Pflichtbewusstsein heraus, welches sie empfinden, wenn sie sich vertraglich einer Firma anschließen und damit ihre Arbeitskraft gegen ein entsprechendes Gehalt eintauschen. Dennoch wächst Frustration. Die Führung sieht die Belastung des Mitarbeiterstabs nicht – oder will sie nicht sehen und die Mitarbeiter fühlen sich mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen. Es klappt ja alles noch und die Produkte werden nach wie vor fristgerecht geliefert. Okay, an manchen Stellen vielleicht nicht mehr ganz so sauber gearbeitet, wie im vergangenen Jahr, aber immerhin einsatzfähig, ganz nach ihrem Verwendungszweck.

Und dann, eines lieben Tages passiert es, dass in einem Projekt die Marge nicht ganz dem entspricht, was man sich vorgestellt hat und anstatt den Fehler im System bei sich zu suchen, wird die Verfehlung im Außen gesucht. In der Projektleitung, im Mitarbeiterstab, bei den Dienstleistern, die man sich dazu gebucht hatte. Die Verantwortung für das Geschehen wird in der Hierarchie nach unten abgegeben, wobei die Augen weiterhin verschlossen bleiben vor den immer maroder werdenden Strukturen im moralischen Mauerwerk der Mitarbeiter. Diese versuchen trotz Druck, Stress und Überlastung zwar nach wie vor, ihr Bestes zu geben, aber irgendwann kapitulieren sie vor einem immer größer werdenden Berg an Verantwortung und Arbeitspensum. Krankheiten machen sich breit. Nicht etwa nur eine dreitägige Erkältung, nein, die Mitarbeiter liegen bei bestem Wetter mit Sommergrippen oder Bronchitis im Bett, schlafen schlecht und sind übermüdet. Fehler schleichen sich in der Arbeit ein und die Spirale dreht das Unternehmen immer weiter nach unten.

Alles was ich hier beschrieben habe, sind jedoch nach wie vor nur die „weltlichen“ Effekte, die eine entsprechende Haltung und ein entsprechendes Führungsverhalten auslösen. Doch auch in größeren Kontexten sind Zeichen zu erkennen, wenn man sie denn erkennen will: Ganz plötzlich sagen beispielsweise prominente Unterstützer ihr Engagement wieder ab oder können ebenfalls aus Krankheitsgründen an wichtigen Events nicht mehr teilnehmen. Ein Fachberater sagt kurzfristig seine Mitarbeit aus persönlichen Gründen ab und damit verzögert sich ein Projekt nahezu so sehr, dass es nicht mehr rechtzeitig gefertigt werden kann und damit immense Mehrkosten für das Unternehmen verursachen könnte.

Auf den ersten Blick sind all diese Vorkommnisse in keinem direkten Kausalzusammenhang mit der sonstigen Verfassung des Unternehmens. Was aber, wenn Autoren wie Starkmuth in ihrem Buch Recht haben? Was ist, wenn eine geistige Grundhaltung bzgl. aller möglichen Variablen der Realitätsgestaltung verursachen, dass die Realität, die ein Unternehmen erlebt, ebenfalls davon abhängig ist, welche wahrscheinlichste Möglichkeit sie durch ihre Handlungen und Aktionen hervorrufen? Ich habe solche Entwicklungen bereits erlebt und bin davon überzeugt, dass wir die kreative Macht haben, unsere Realität selber zu erschaffen, den Weg, der vor uns liegt zu verändern und zu kreieren. Da wir aber mit allem verbunden sind, ist es gar nicht anders möglich, dass auch die Geschicke von Konstrukten wie Unternehmen, mit denen wir verbunden sind, ebenfalls durch diese Weichen, die wir stellen in ihren Wegen gelenkt werden. Ist also die moralische Haltung in einem Unternehmen auf Grund von Entscheidungen der Führungsebenen sehr gering, so wird sich dies rein energetisch auf sehr viele Operationen innerhalb eines Unternehmens auswirken und mehr und mehr Schwierigkeiten im Workflow erschaffen.

Gibt es einen Weg, mit dem ein Unternehmen und dessen Führungen eine solche Entwicklung abwenden können? Sicherlich gelten auch hier die gleichen Regeln, wie sie für jedes einzelne Lebewesen gelten.
In Achtsamkeit, Bewusstheit und Ehrlichkeit liegen auch hier die Schlüssel dafür, dass sich die Realität auf einem Weg entwickelt, der förderlich ist – egal ob für eine Einzelperson oder ein Unternehmen.

Katastrophen und Menschlichkeit

Ein schweres Erdbeben erschütterte vergangenen Samstag Nepal. Tausende starben, das ganze Land ist im Ausnahmezustand. Es gibt kein fließendes Wasser, ganze Dörfer und Städte sind von der Außenwelt abgeschnitten und kaum zugänglich. Am Fuße des Himalajas sitzen zudem Bergsteiger fest, die sich für 60.000 Euro eine Besteigung des höchsten Berges der Welt als Abenteuer gegönnt haben. Oh ja, ein Abenteuer haben sie in diesem Fall bekommen.
Das Land Nepal verfügt selbst nur über eine Handvoll Hubschrauber, die nun zur Versorgung der leidenden Bevölkerung eingesetzt werden können. Wohl 30 weitere sind in privater Hand und können ebenfalls eingesetzt werden. Doch es ist, wie es immer ist. Wer soll diese privaten Hubschraubereinsätze bezahlen? Kann die kleine Familie im Bergdorf dem Besitzer ein paar Tausender in die Hand drücken, damit sie aus ihrer misslichen Lage befreit werden können?
Das können diese armen Menschen leider nicht. In der Lage dazu sind eher die reichen Touristen, welche nach der erschütternden Erfahrung am Fuße des Berges dringendst wieder in das heimelige Land ihrer Herkunft zurückkehren wollen. Sie können diese Tausender einfach mal eben aus der eigenen Tasche bezahlen und befinden sich im Handumdrehen wieder in „Sicherheit“. Hat einer von ihnen auch nur daran gedacht, dem Piloten des Helikopters etwas mehr zu geben, um einen weiteren Flug zu vollziehen und den Menschen, die nun keine Heimat mehr haben zu helfen?

 

Die Nachrichten sind stets voll von Meldungen über die schlimmen Dinge, die auf der Welt passieren. Vor etwas mehr als einem Monat stürzte ein Airbus der Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf ab und erschütterte wohl die ganze Nation. Die Nachrichten überschlugen sich in den ersten Tagen nach dem Absturz mit neuen Erkenntnissen und vermeintlichen Wahrheiten über das, was an Bord der Maschine passiert sein soll. Es wird wie immer direkt die Frage der Schuld am Absturz gestellt, denn irgendwie liegt unser Interesse scheinbar ausschließlich darin, mit dem Finger auf das zeigen zu können, was die Ursache für die Katastrophe war. Eine Geste, die wie so oft alle Verantwortung im Außen sucht.

Nach wenigen Tagen schien es ausreichend „Beweise“ zu geben, um die Schuld dem Co-Piloten zuweisen zu können, der augenscheinlich den Absturz bewusst herbeigeführt hat. Psychisch instabil, dennoch flugtauglich beurteilt – offenbar ein perfekter Täter, der durch ein imperfektes Sicherungssystem eine Möglichkeit bekam du nutzte. Alle Welt zeigt seither mit dem Schuldfinger auf diesen jungen Mann. Stimmen werden laut, dass Piloten künftig besser untersucht werden müssen, man erwägt, die ärztliche Schweigepflicht zu lockern, um ihre Gesundheitsdaten zugänglicher zu machen. Wilde Strategien zum Schutz der Allgemeinheit werden entwickelt.

Stimmen in der Öffentlichkeit werden lauter, die ihre Wut über das, was passiert ist, an den vermeintlichen Täter abgeben. Er sei ein Idiot, ein Egoist. Beurteilt und verurteilt aus den tiefsten Ängsten der Menschen. Jeder scheint genau zu wissen, was da passiert ist. Immerhin hatte er sich doch Tage vorher im Internet über Selbstmord und auch über den Mechanismus zur Verriegelung einer Cockpit-Tür informiert. Dieser niederträchtige Mensch hatte für seine Missetat alles geplant. Ich habe selbst Gespräche wie diese miterlebt. Am Osterwochenende bei einem Familienbesuch hörte ich ähnliche Äußerungen. Er habe das genau geplant, in diesem Moment, weil er die Strecke und die Gegend so gut kannte und wusste, dass dort das Flugzeug definitiv zerschellen würde.
Ich konnte in diesem Moment nicht anders, als das Gespräch zu unterbrechen und meine Verwandtschaft darauf hinweisen, dass es mindestens einen Denkfehler in diesem Konstrukt gab, abgesehen davon, dass die restlichen Aussagen auch nur spekulative Interpretationen basierend auf fragmentarischen Informationen aus medialer Berichterstattung waren. Ich wies darauf hin, dass diese Tat nicht ins Detail planbar gewesen sein konnte, allein schon weil der Co-Pilot niemals wissen konnte, dass exakt in diesem Moment sein Kollege und damit der Pilot des Flugzeugs das Cockpit verlassen würd. Denn hätte er dies nicht getan, dann wäre unser Täter wohl kaum in der Lage gewesen, seinen „bis ins Details ausgeklügelten“ Plan umzusetzen. Möglicherweise hätte er seinen Plan dann gar nicht mehr umgesetzt, weil ihn auf der nächsten Flugroute sein Mut dazu verlassen hätte? Das wissen wir jedoch nicht, so wie wir auch nicht wirklich wissen, was exakt im Flugzeug geschah. Und wenn der Pilot dadurch, dass er das Cockpit verlassen hat, möglicherweise „ausgelöst“ hat, dass der Co-Pilot diese Tat vollzog, während er sie – rein spekulativ – auf dem nächsten Flug während des Toilettengangs seines Piloten nicht mehr ausgeführt hätte, hat dann der Pilot nicht auch Schuld daran, dass es zum Unglück kam? Ohha, jetzt wird es aber wirr… In der Tat, aber das passiert, wenn wir uns ein komplettes Bild aus fragmentarischen Informationen basteln und dieses dann als Wahrheit bezeichnen. Doch wir neigen eben dazu, in diesen kollektiven Leidenserfahrungen unsere eigene Realität aus den bruchstückhaften Informationen zusammen zu setzen. Diese Realität verwenden wir, um uns zu beruhigen und innere Sicherheit zurück zu bekommen. Wir wollen bestmöglich ein Gesamtbild schaffen und uns selbst wenig weit aus dem heraus bewegen, was die Komfortzone unserer Vorstellungskraft zulässt.

Ich denke über den Absturz und seinen „Verursacher“ ein wenig anders, als es wohl viele andere und gab die hier folgenden Gedanken auch bei jenem familiären Anlass preis und forderte damit einige der Anwesenden etwas heraus.
Mir geht eigentlich nur eine Sache durch den Kopf: Sollte der Co-Pilot in der Tat den Absturz wissentlich und willentlich herbeigeführt haben, dann frage ich mich, welch einen Schmerz dieser Mensch tief in sich getragen haben muss, dass er es als vertretbar empfunden hat, über Hundert andere Menschen mit in den Tod zu reißen.
Diesem Gedanken geht meine grundsätzliche Annahme voraus, dass kein Mensch auf der Welt von sich selbst das Verständnis hat, böse zu sein oder zu handeln. Alles, was er tut, ist in seinem Wertungssystem vertretbar und in jenem Moment die richtige Wahl. Ich meine, ist einer von Euch jemals morgens aufgestanden, hat in den Spiegel geschaut und dabei gedacht: „Ich bin ein böser Mensch und werde heute etwas wirklich Schlechtes tun.“
Sicherlich gibt es Menschen, die bewusst „schlechte Dinge“ tun, aber sie empfinden diese in dem Moment immer noch als „richtig“. Also bleibe ich bei meiner Frage, die einfach nur lautet, welches Leid hat dieser Mensch empfunden, dass er seien Tat als richtig ansah?
Dann sehe ich unsere Gesellschaft, das westliche Zusammenleben, in dem es für jeden Hilfe geben und niemand im Stich gelassen werden soll. Wir haben soziale Systeme, die uns auffangen, wenn wir fallen und so weiter. Wir nennen das zivilisiert. Wie aber kann es sein, dass in einer solchen zivilisierten Welt manche Menschen so leiden, dass sie eben jene Dinge tun? Warum ist es uns als einem der reichsten Länder der Welt nicht möglich, zu verhindern, dass ein Mensch überhaupt erst in eine solche emotionale Schieflage kommt, die ihn im Zweifelsfall zu einer solchen Tat treibt? Was wollen wir uns und unseren Mitmenschen noch alles zumuten in diesem System, dass jeden dazu antreibt, immer der „Beste“ zu sein und stets zur Effektivitäts- und Effizienzmaximierung beitragen zu müssen – ohne Rücksicht auf unser Wohlergehen?

Aber diese Fragen wollen wir oftmals nicht stellen. Wir wollen sie nicht hören, denn wenn wir sie zulassen, dann müssen wir mit dem Finger der Schuldzuweisung auch ein wenig auf uns selber zeigen, denn wir sind Teil dieses Systems, das Menschen so verzweifeln und sie Taten begehen lässt, die ihnen und anderen Schaden zufügen. Wir müssten im Bewusstheit damit leben, dass wir Prozesse unterstützen, die anderen und auch stets uns selbst Schaden zufügen, da wir in unserem Denken und Handeln oftmals nur sehr kurzsichtig agieren. Und deshalb bleiben wir gerne dabei, uns unsere kleine Wahrheit über eine Katastrophe zu bauen, in der wir die Schuld einem Individuum zuweisen, denn damit können wir unsere Verantwortung an den Dingen, die eigentlich in multiverbundenen Prozessen verwoben sind, vermeintlich loslösen und unser Gewissen beruhigen.

Ich trauere neben allen Opfern des Absturzes auch um diesen Mann, dessen Leid möglicherweise zu groß war, um zu erkennen, welche Folgen seine Taten haben würden. Ich gedenke der Familie, der Freunde und der Kollegen, die ihn verloren.
Ein Einzelner hat eine Wirkung erzielt, aber er war nicht der Wirkung Ursache.