Wieviel können wir zulassen

Ich habe oft über Liebe geschrieben und darüber, dass ich in allem und jedem Liebe sehe. In allen Menschen und in allen Taten ist sie versteckt. Ich werde häufig gefragt, wie es denn aber funktionieren soll, diese Haltung gegenüber den Menschen auch im wahren Leben aufrecht zu erhalten. Viel zu oft tun uns Dinge, die anderen Menschen tun einfach weh, weil sie einen Schmerz aus unserem Inneren hervorholen, Manchmal passt das Verhalten anderer Menschen einfach nicht in unser ethisches und vertretbare Bild davon, wie wir miteinander umgehen sollten.

Einer findet es nicht schlimm, auf der Straße von einem unaufmerksamen Mitmenschen angerempelt zu werden, ein anderer findet es ganz furchtbar. Wir haben alle unsere eigene Perspektive auf eben diese Dinge und damit gibt es nun einmal ebenso viele Wahrheiten und Realitäten, wie es Menschen gibt.

Dennoch müssen wir nicht alles einfach so hinnehmen. Wir tragen die eigene Verantwortung darüber, was wir uns gefallen lassen wollen und was nicht. Wir haben die Möglichkeit, Grenzen aufzuzeigen und anderen zu verstehen zu geben, dass sie zu weit gegangen sind. Natürlich entstehen daraus schnell Konflikte oder Streitigkeiten, aber eben dort kommt die Bewusstheit über die Liebe in allen Dingen ins Spiel.

Wenn ich mir in diesen Momenten des Sturms vor Augen führe, dass jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen handelt, kann ich weiterhin die Liebe in allem sehen und werde sanftmütiger, urteilsfreier und ausgeglichener im Umgang mit Konflikten und Streitigkeiten. Und eben diese Ruhe benötige ich, um dem oder den anderen Menschen zu verstehen zu geben, was die Situation mit mir gemacht hat und welche Schmerzen sie bei mir beispielsweise hervorgerufen hat. Und ich kann mir selber helfen, meine eigenen Grenzen zu erkennen, zu beurteilen, ob eine Freundschaft für mich noch die Wertigkeit hat, die sie einst hatte oder gar ob ich eine Partnerschaft noch weiter so führen möchte, wie sie sich entwickelt hat.

Das Wundervolle an einer solchen achtsamen Betrachtungsweise ist, dass wir alle Menschen sanft und ohne Groll gehen lassen können. Wir schenken ihnen vielleicht sogar ein inneres Lächeln, wenn wir ihnen klar machen, dass der gemeinsame Weg endet oder zumindest vorübergehend jeder seine eigene Abzweigung nehmen muss.

Es fällt uns natürlich nicht leicht, dies immer in unserem Herzen zu tragen, denn wir wollen einen Verlust einfach nicht erleiden und sind sogar oftmals gewillt, über einen sehr langen Zeitraum hinweg Kompromisse zuzulassen, die uns vielleicht gar nicht richtig zusagen. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Wir merken, dass ein kleiner Zweifel von uns viel zu sehr ausgebauscht wurde, wir ihm viel zu viel Bedeutung gegeben haben und können von ihm Abstand gewinnen.

Wenn wir die Liebe, die in allem verborgen ist so oft wie möglich im Herzen tragen und dort spüren, haben wir ein großes Stück Glückseligkeit im Leben gefunden.

Erkennen und Integrieren

Manche unserer Traumen liegen tief in unserem Seeleninneren verborgen. Wir können sie teilweise nur schlecht erkennen, selbst wenn sie sich immer wieder zeigen. Es bedarf dann oftmals eines Spiegels in Form eines Partners, Freundes oder einer Situation, die uns hilft, genauer hinzuschauen. Und damit ist der erste wichtige Schritt getan. Wenn wir einmal den Anblick unseres Traumas erhascht haben, können wir mit ihm arbeiten. Wir haben die Chance zu erkennen, wodurch wir uns zu bestimmten Reaktionen haben hinreißen lassen und in den Schmerz gezielt hineinhorchen.

Oftmals haben sich diese Schmerzkörper – ich verwende dieses Wort von Eckhard Tolle aus seinem Buch Jetzt – Die Kraft der Gegenwart sehr gerne, weil es einfach so zutreffend ist. Diese Schmerzkörper haben häufig eine große Macht über uns. Das ist ihr großes Talent. Sie tarnen sich durch ihre Kraft, Stärke und überwältigende Präsenz im Moment ihres Auftretens. Wir haben dann manchmal keine Möglichkeit, zu erkennen, dass wir uns in der daraus resultierenden absoluten Unbewusstheit völlig unseren Ängsten hingeben. Wir geben dem Trauma damit alle Energie, um wieder an die Oberfläche zu kommen und das ist eigentlich das, was wir durch so viele Schutzstrategien im Laufe von Jahren versucht haben, zu verhindern.

Das Unangenehme dabei ist allerdings, dass sie sich nie auf Dauer verbergen lassen, sondern uns immer wieder einen Besuch abstatten. Immerhin wollen sie gesehen werden und die nötige Aufmerksamkeit und Beachtung in den Momenten der Wahrnehmbarkeit. Im Endeffekt sind Schmerzen nur dazu da, dass wir sie erkennen, ihre Ursachen erspüren und uns ihnen stellen. Dazu müssen wir aber in Bewusstheit agieren. Eine kleine Herausforderung im Alltag. Eigentlich dürfen und können wir sie schon im Moment des ersten Erlebens genauso betrachten, doch oftmals fehlt und in jungen Jahren noch die Kraft und die Erkenntnis und leider in der westlichen Welt auch die Anleitung dazu, wie das genau funktioniert.

So verwurzeln sich diese Erlebnisse aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenleben in uns und wir begeben uns immer wieder in Situationen, die aus uns all diese alten traumatischen Empfindungen herausholen und die Spiegel werden zumeist immer größer, damit wir sie endlich erkennen. Wenn wir dies dann einmal geschafft haben, können wir uns vielleicht doch wieder auf unsere Bewusstheit fokussieren und genauer hinschauen. Dann benötigen wir aber Werkzeuge, um diese alten Anhängsel auch wirklich los zu werden. Es reicht dabei nicht, sie einfach nur als solche zu erkennen, sondern wir müssen sie annehmen, wie sie sind, den Schmerz gehen und die Erkenntnis darüber in uns einfließen lassen. Die Mittel und Wege dazu sind für jeden Menschen anders und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ich habe durch meine Ausbildung zum Theki-Meister meinen Weg gefunden, damit zu arbeiten. Andere Menschen meditieren oder praktizieren Yoga. Wieder andere gehen zu einem Reiki-Heiler oder tanzen sich vom Scherz frei. Es gibt kaum Grenzen dabei, wie ein Loslassen des Schmerzes funktionieren kann, so lange wir uns nicht in der Arbeit mit dem Schmerz zerstreuen. Fernsehen zu schauen, im Internet zu surfen und ähnliche Dinge werden uns leicht wieder aus der Bewusstheit herausholen. Diese Beschäftigungen sind gut, wenn wir merken, dass uns die Kraft fehlt, hinzuschauen. Dann kann kurzfristige Zerstreuung kleine Wunder wirken. Aber es führt kein Weg daran vorbei, den Schmerzkörper zu erkennen, anzuschauen und transformiert als Erfahrung in uns aufzunehmen und zum Teil unseres Selbst werden zu lassen, der nicht mehr weh tut. Wir dürfen stets darauf vertrauen, dass uns das alles nur widerfährt, damit wir am Ende im besten Falle all unsere Schmerzkörper transformiert und in unser innerstes Seelenselbst integrieren konnten.

Sich selbst vergeben dürfen…

Manchmal verletzten wir durch das, was wir sagen oder tun einen Mitmenschen – einen Freund, einen Kollegen, ein Familienmitglied oder auch unseren Lebenspartner. Selbst wenn wir schon eine hohe Bewusstheit in unserem alltäglichen Leben unser eigen nennen, passiert es immer wieder, dass wir auch unbewusst handeln. Es kommt sogar vor, dass wir komplett aus ihr herausfallen und sich alte Muster zur Gänze wieder nach außen dringen.

Dieser Moment ist für alle Beteiligten in der Regel sehr schmerzhaft, denn auch der „Angreifer“ wird früher oder später wieder Schritt für Schritt in seine Bewusstheit zurückkehren und muss sich dann mit Schuldgefühlen und seinem eigenen Schmerz über diesen „Rückfall“ auseinandersetzen.

Einen Rückfall im Sinne des Wortes gibt es nicht. Das ist eine ganz fundamentale Erkenntnis, die wir uns dann immer wieder in unser Herz rufen dürfen. Es gibt immer einen Grund dafür, dass uns eine Situation aus den Händen gleitet und wir einen Teil von uns heraufbeschwören, den wir eigentlich dachten, hinter uns gelassen zu haben. Aber das an sich war schon ein Trugschluss. Es kann aus verschiedensten Gründen passieren, dass diese kleinen, kämpfenden und stechenden Anteile in uns getriggert werden: Stress auf der Arbeit, ein Unwohlsein auf Grund von Krankheit oder einfach irgendeine Unzufriedenheit. Diese Dinge sind dann nicht unbedingt die Gründe für einen Ausbruch, können aber die Auslöser sein. Und wenn sich dann diese Energie aus Angst und Schmerz freisetzt, kann sie in einem Moment der Unbewusstheit unserem Ego dienen, sich kurz vollends zu entfalten. All das innere Aufbegehren bricht heraus und alle vermeintlichen Schutzmechanismen werden wachgerufen. Sie dienen nur dazu, dem Ego zu bestätigen, dass es im Recht ist, so zu handeln. Leider geben sie uns nicht das, wonach wir uns eigentlich sehnen – keinen Schutz, kein Erkennen.

Kurz danach mag es sein, dass die Wogen sich wieder glätten und dennoch verbleiben wir oft noch in einem „leichteren“ Egozustand, der uns sagt, dass wir zu Unrecht gehandelt haben. Hiermit bestätigen wir uns aber eigentlich nur, dass wir weiteres Recht auf Leid haben und wenn wir nicht wieder in die Bewusstheit zurückkehren, dann verbleiben wir im Leiden. Generell ist nichts dagegen einzuwenden, aber wie ich schon einmal schrieb gibt es den feinen Unterschied zwischen der Wahrnehmung eines Zustandes, der uns weh tut und dem daran Festhalten und sich darin beinahe Suhlen. Das Festhalten am Schmerz wird uns Nichts aus diesen Situationen lehren. Wir sind verhaftet und bleiben förmlich stecken, blind und damit unfähig zu erkennen. Wenn wir in die Bewusstheit zurückkehren, können wir die Momente voller Ego als solche erkennen und haben bereits etwas über uns herausgefunden. Schauen wir weiter in uns hinein, kann sich manches Mal auch eine Ursache für unseren Ausbruch zeigen.

Wenn wir einen Menschen von uns stoßen, indem wir ihn mit Aussagen verletzen, die teilweise sehr hart und unerbittlich wirken können – das Ego hat wunderbare Mechanismen, sich sehr extrem auszuleben – dann verbirgt sich hierin oftmals ein altes Muster, welches nach Bestätigung verlangt. Vielleicht trage ich das Gefühl in mir, es nicht wert zu sein, eine harmonische Beziehung mit der betroffenen Person zu führen, vielleicht empfinde ich mich als schwach und klein, als nicht so gut und effektiv in meinem Handeln. Es können wir immer viele Gründe sein.
In jedem Fall werden wir mit einem Teil von uns konfrontiert, den wir nicht mögen. Niemand mag es, einen Menschen zu verletzen, an dem ihm etwas liegt. Warum zeigen wir uns dann aber trotzdem von diesen Seiten? Es sind Fluchtmechanismen oder Bestätigungsstrategien, die in Wörtern getarnt um uns schlagen und Raum schaffen wollen. Wir dürfen uns weiter darin üben, diese kleinen Teile in uns zu erkennen, die wir nicht mögen, denn unsere Chance ist, sie endlich zu akzeptieren und lieben zu lernen. Sie sind Teil von uns und können nicht abgetrennt werden. Je mehr wir sie als das begreifen, umso weniger werden sie um ihr Dasein bemüht sein, zu kämpfen.

Manchmal braucht es Zeit, sich das wieder ins Herz zu rufen, weil äußere Umstände unsere Kräfte ablenken und wir uns nur schwer auf unser inneres Selbst fokussieren können. Auch dann dürfen wir mit uns gnädig sein und uns selbst vergeben. Ja, es ist hilfreich, wenn uns der andere vergibt, aber umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst vergeben können, was wir getan haben. Denn nur so können wir uns als Gesamtheit lieben und anerkennen und uns auch zugestehen, dass wir das bekommen und genießen dürfen, was uns gut tun.

Und manchmal haben wir einen kleinen Engel vor uns sitzen – jemanden, der wie ein sanfter Krieger unsere Seele erkennt und um sie kämpft, im Guten – einen Herzensfreund, der uns vollends versteht, uns aber auch unsere Grenzen aufzeigt und klar macht, wenn wir sie überschritten haben. Er wird sich möglicherweise auch seine Zeit nehmen, um seine Lernaufgabe aus der Situation zu erkennen, aber dennoch hat er uns schon alleine durch seine Präsenz, seine Güte und sein Verständnis geholfen, dass wir uns selber vergeben können.
Wenn wir einen solchen Schatz in unserer Nähe haben, dürfen wir dankbar und glücklich sein, denn trotz der Zweifel an uns selbst wird er uns helfend die Hand reichen – auf seine eigene Art, mit seiner eignen Kraft, definitiv aber immer aus unendlich großer Liebe.

Ich bin dankbar und glücklich, denn im Moment erlebe ich Situationen vermeintlicher Rückfälle und werde immer wieder von einem engelhaften Krieger darin bestärkt, dass ich diese Anteile von mir annehmen darf und stark genug bin, sie zu lieben und dass ich mir vergeben darf für meine kleinen Ausrutscher.

Ausdrucksformen von Liebe

Hin und wieder sind wir aus unterschiedlichsten Gründen von unseren Liebsten getrennt. Wir spüren dann oft dieses Gefühl, welches wir als „Vermissen“ bezeichnen. Der andere ist weit weg und wir hätten ihn gerne in unserem Arm, weil wir wissen, wie schön es sich anfühlt, den anderen zu spüren und auch weil wir wissen, dass wir dem anderen eben dieses wundervolle Gefühl von Geborgenheit schenken können, das wir selber so gerne spüren.

Wenn wir unseren Partner einmal nicht bei uns haben können, weil wir verhindert sind und gemeinsame Pläne nicht verwirklichen können, kann es natürlich auch leicht passieren, dass wir einen Schmerz im Vermissen spüren. Dieser Schmerz erwächst aus dem Gefühl, allein zu bleiben in der Zeit, in welcher unser Geliebter erlebt, was eigentlich gemeinsam geplant war. Doch verbirgt sich dahinter nicht auch noch etwas anderes? All diese Gefühle, drücken auch immer ein wenig Missgunst, Neid und vielleicht Eifersucht aus. Ich bin sehr glücklich, dass ich im Moment solche Situationen ganz entspannt erleben darf. Ich kann meinen Schatz einfach auch einmal gehen und erleben lassen, ohne dass ich in einem schmerzhaften Gefühl aufgehe.

Es geht mir auch gar nicht darum zu sagen, dass es nicht sein dürfte, obige Gefühle zu erleben. Sie gehören zum Vermissen ebenso so dazu, wie sie nicht dazu gehören. Ich will sagen, dass es weder richtig noch falsch ist, sie zu erleben. Sie „sind“ einfach, wenn sie da sind. Letztlich ist alles nur eine Form eines Ausdrucks von Liebe. Liebe kann und wird sich stets in unterschiedlichster Form zeigen und ab und an schmerzt sie eben auch, während sie sonst Freude und Glück bereitet. Sie fühlt sich generell nie wirklich gleich an, sondern braucht immer mal andere Formen, sich zu äußern.

Genauso ist es auch mit dem Vermissen. Es ist eine Form von Liebe, ein Ausdruck dieses einzigartigen Gefühls. Es bedarf möglicherweise ein wenig Aufmerksamkeit, wenn man nicht in die kleine Falle der Gefühlswelt tappen möchte – und auch das sei jedem freigestellt. Im Vermissen kann sich der Wunsch unseres Egos verstecken, besitzen zu wollen, nicht loslassen zu wollen und Veränderung aufhalten zu wollen. Auch das möchte ich hier gar nicht bewertet verstehen. Doch diesen Hintergrund zu erkennen hilft uns zu verstehen, auf welchem Grundstein das Vermissen, welches wir spüren, aufbaut. Handelt es sich um einen tiefes Wunsch des Besitzdenkens unseres inneren Geschäftsmannes (=Ego) oder begründet sich das Vermissen eher auf der Tatsache, dass wir eine starke intuitive Verbindung zu einem Menschen spüren, die einfach da ist und sich nach Stärkung und Wahrnehmung sehnt.

Diese intuitive Verbindung ist der Teil in uns, der grundsätzlich zu jedem Lebewesen Verbindung aufnimmt, sich aber besonders schön und intensiv anfühlt, wenn die verbundenen Lebewesen auf einer ähnlichen energetischen Welle schwingen. Im Gegensatz zum egoistischen Vermissen zeigt es uns, dass der andere gar nicht unbedingt immer körperlich anwesend sein muss, um ihn zu genießen und zu fühlen, sondern dass wir diese starke Zuneigung jederzeit genießen können. Sie darf, muss aber nicht durch körperliche Nähe bestätigt und bestärkt werden.

Natürlich gelüstet es uns nach der Berührung eines geliebten Menschen und ich will dies hier auch gar nicht mit dem bedeutungsüberfrachteten Wort „Egoismus“ verschalten. Körperliche Liebes- und Zuneigungsbekundungen von Mensch zu Mensch gehören zu unserem Ausdruckvermögen von Liebe dazu und sollten und dürfen geschehen. Viel zu selten gestehen wir uns und anderen dieses wundervolle Gefühl zu. Eine Umarmung wirkt erst nach gut 20 Sekunden auf das Wohlbefinden der Menschen, die sie vollziehen. Das habe ich erst kürzlich wieder erfahren und auch wenn ich es schon wusste, ist es stets gut, dessen erinnert zu werden. Aber mal ganz ehrlich, wann halten wir mal jemanden auch nur ansatzweise so lange im Arm? Es gibt ja seit einigen Jahren diese „Sitte“, dass man sich zur Begrüßung, auch in manchen geschäftlichen Belangen, in den Arm nimmt. Ich kenne es zur Genüge, aber bisher hat es niemand beziehungsweise nur sehr wenige auch nur länger als 2-3 Sekunden „ausgehalten“. Naja, es schickt sich dann eben doch nicht, sich Liebe zu schenken, wenn man geschäftlich miteinander operiert. Da ist und bleibt es eben eine Geste der oberflächlichen Zurschaustellung, dass man eine große und „glückliche“ Familie ist – aber das nur am Rande.

Das Bedürfnis nach körperlicher Berührung, während wir sie nicht erfahren können, kann auch als Sehnsucht bezeichnet werden. Sehnsucht – eine weitere Art, Liebe auszudrücken. Dabei ist Sehnsucht ein faszinierendes Gefühl, wie ich finde. Es ist in der Lage, Vergangenes und Zukünftiges zu verknüpfen. Damit holt uns dieses Gefühl zwar aus dem gegenwärtigen Moment, aber da es die beiden anderen Zeitebenen so wundervoll verknüpft, bringt es uns irgendwie auch wieder zurück ins Jetzt, oder? In der Sehnsucht erinnern wir uns ja an Momente des absoluten Genusses, die bereits vergangen sind und freuen uns bereits auf den zukünftigen Moment, in welchem wir diese Erinnerung leibhaftig wieder auffrischen können.

Jeder Ausdruck von Liebe darf sein, ohne Zweifel und Ausnahme, selbst wenn uns manche davon verwirren oder sogar abstoßen. Doch Liebe braucht all diese Wege, sich selbst zu erfahren, auch wenn es bedeutet, einmal nicht im Jetzt zu verbleiben. Jeder von uns hat die Macht selber zu entscheiden, auf welche Art er Liebe erfahren und begreifen möchte und hierin verbirgt sich erneut ein wundervolles Geschenk, dass wir vom großen Ganzen erhalten.

Danke schön!

Trauer und Tod – Nichts verlässt uns wirklich

Auf ganz unterschiedlichen Wegen begegnete mir das Thema „Tod“ in den vergangenen Wochen immer wieder. Nicht in meinem direkten familiären Umfeld, auch nicht im Kreise meiner Freunde, Bekannten und Kollegen, so dass ich selbst betroffen wäre. Es begegnen mir aber in meinem Umfeld derzeit Menschen, die selber gerade mit dem Tod auf die eine oder andere Weise konfrontiert sind. Einige haben enge Angehörige verloren, andere einen langjährigen tierischen Begleiter. Nachdem ich diesen Text bereits angefangen hatte, erfuhr ich die traurige Nachricht über einen Selbstmord in meiner direkten Nachbarschaft… So ist der Tod mir gerade sehr gegenwärtig…

In jedem dieser Fälle spüre ich die tiefe Trauer in den Herzen der betroffenen Menschen. Sie haben selbstverständlich das Gefühl eines Verlustes und scheuen die Veränderung, welche durch das beendete Leben auch ihr Leben aus den Bahnen zu werfen scheint. Wichtig in diesen Momenten sind das eigene Verständnis von Trauer und auch die Arbeit damit. Wie jedes Verlustgefühl scheint es uns sehr stark zu lähmen. Viele von uns sind in Momenten solcher Trauer nicht in der Lage, alltägliche Dinge zu vollziehen. Sie ziehen sich zurück in ihre kleine Welt, in welcher sie versuchen, das geliebte Wesen zu halten. Nichts soll weggehen, alles soll wieder so sein, wie noch wenige Tage zuvor. So lautet oft der größte Wunsch im Herzen. Dieser Rückzug stärkt aber das Trauergefühl oftmals in ein unermesslich hohes und leider auch unnötig starkes Maß. Die Trauer wird zum Antrieb des Tages. Sie ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Für eine gewisse Zeit ist dies ganz normal, aber wenn wir versäumen, das Gefühl anzunehmen und auch wieder gehen zu lassen, wird es zu einem festen Begleiter in unserem Leben und dieser wird uns immer wieder daran hindern, wirklich zu leben.
Andere trauernde Menschen gehen einen beinahe gegenteiligen Weg. Sie stürzen sich geradezu in Aufgaben. Sie nehmen besonders viel Arbeit auf sich und ersticken ihre Gefühle der Trauer in beinahe ungezieltem Aktionismus. In ihrem Beruf nehmen sie viele Projekte und Aufgaben an. Das langgeplante Gartenhaus wird zur Priorität Nummer 1. Alte Hobbies gewinnen plötzlich an zunehmender Wichtigkeit im Alltag. Freunde werden vereinnahmt, um jeden Abend nach der Arbeit auch bloß immer eine Beschäftigung zu haben. Feiern, Kino, Essen gehen, alles tun, um nur nicht mit der Trauer allein zu sein. In diesen Strategien, die rein der Verdrängung des Schmerzes dienen, findet sich leider auch längerfristig kaum Heilung. Der Schmerz wird nie zugelassen, nie angeschaut und auch nie als das Verstanden, was er eigentlich ist. Ein Teil unseres Selbst, welcher mit diesem Gefühl von Verlust eigentlich Frieden schließen soll. Indem wir den Schmerz verdrängen, fällt es uns noch schwerer, den verlorenen Menschen friedvoll loszulassen und uns gewiss zu werden, was der Tod überhaupt bedeutet.

Besonders schwer fällt es den Hinterbliebenen, wenn ein ihnen nahestehender Mensch sein Schicksal in die eigene Hand genommen hat, um sich das Leben zu nehmen. Schneidende Vorwürfe entstehen in den Gedanken, die immer wieder die Frage aufrufen, was man hätte anders machen können, um diese Tat zu verhindern. Wie man es hätte erkennen können, dass dieser Mensch so sehr leidet und keinen anderen Ausweg mehr wusste. Leider sind diese Fragen und Vorwürfe nicht heilend, sondern eher behindernd und je nach dem, wie lange sich der Betroffene damit quält, können sie sogar eine destruktive Natur annehmen. Sie halten uns fest an einem Moment, der längst vergangen ist. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, um etwas „anders“ zu tun oder um besser zu erkennen, wie es dem anderen erging. Kreisende Gedanken wie diese halten uns in der Vergangenheit und so können wir die Gegenwart nicht erleben. Doch nur in der Gegenwart liegt die Heilung vom Schmerz des Verlustes – wir haben nur die Gegenwart, den jetzigen Moment. Doch dies erkennen wir manchmal nicht, wenn wir den Tod so nah bei uns haben.

Als ich das letzte Mal mit dem Tod konfrontiert worden bin, habe ich natürlich weinen müssen und ich wusste auch, dass ich den geliebten Menschen nicht mehr sehen würde. Gespräche, Berührungen, jeglicher Austausch – all diese wundervollen Dinge würden sich nicht mehr für mich wiederholen lassen. Nicht mit diesem Menschen. Das Gefühl war überwältigend und hat sehr wehgetan. Ich habe irgendwann wahrgenommen, dass ich hier sehr stark an meinem eigenen „haben wollen“ gehangen habe. Wie ich schon oft angemerkt habe, ist jeder Verlust zunächst ein Gefühl, welches aus dem Ego entspringt, welches möchte, dass wir alles behalten, was wir haben etc. Und ja, es fällt uns dann schwer, los zu lassen. Im Prozess dieses Trauerns habe ich bald erkannt, dass dieser Mensch nicht mehr in meiner Gegenwart sein kann, da der Körper nicht mehr weiter existieren kann. Die Energie hatte ihn ja bereits verlassen. Jedoch ist diese Energie nicht verloren.
Ich hatte aus den wundervollen BBC-Dokumentationen „Wonders of Life“, „Wonders of the Universe“ und „Wonders of the Solar System“ Dinge gelernt, die mir zu diesem Verständnis sogar aus einer wissenschaftlichen Sicht verhalfen: Dort wurde erklärt, dass eines der naturwissenschaftlichen „Grundgesetze“ lautet, dass es eine endliche Menge Energie im Universum gibt. Teile dieser endlichen Menge wird immer dort weggenommen, wo sie nicht mehr benötigt werden, um dann dort eingesetzt zu werden, wo sie gerade gebraucht werden. Außerdem bedeutet „Leben“, dass Energie in verschiedensten Prozessen innerhalb eines „lebenden“ Organismus ausgetauscht wird und wenn der Energieaustausch darin vollkommen zum Erliegen kommt, stirbt der Körper. Nur muss diese Energie dann ja irgendwohin – eben dorthin, wo sie gebraucht wird. Energie wird nicht nur gebraucht, um Organismen am Leben zu erhalten, sondern auch, damit die Sonne Wärme abgeben kann oder Wasser zu Wolken verdunstet und so weiter.
Die wundervolle Erkenntnis daraus war für mich, dass diese Seele – die Energie – des von mir gegangenen Menschen nun irgendwo hin gegangen war, wo sie gebraucht wurde. Das war ein ganz feiner Gedanke. Ich konnte einen großen Teil meiner Trauer bereits damit gehen lassen. Ich wusste, dass der Tod Veränderung mit sich brachte. Aber ich verstand nun auch, dass die Veränderung nicht ganz so gravierend und endgültig war, wie ich sie vorher empfunden hatte.

Jedes Mal, wenn der Regen an meine Fenster prasselte, habe ich einen Teil des geliebten Menschen gespürt. In Form der Energie, die freigesetzt und verbraucht wird, wenn Wasser zu Wolken verdunstet, um dann wieder als Regen zur Erde zu fallen.
In jedem Windhauch, der die Blätter der Bäume zum Rauschen bringt…
In jedem Lachen eines kleinen Kindes beim Spielen im Garten…
Durch jeden Sonnenstrahl, der an Sommertagen meine Haut und meinen Körper wärmst…
Beim Bellen eines Hundes, beim Flügelschlag eines Vogels, beim Wachsen einer Pflanze…
Wer auch immer von Dir gegangen ist, wird niemals ganz von Dir fortgegangen sein. Die Form hat sich verändert, die Gewohnheit ist damit gegangen, aber die Seele die einfach nur den Körper verlassen hat, wird niemals fort sein. Du kannst sie sehen, Du kannst sie fühlen, Du kannst sie hören und riechen, manchmal sogar schmecken. In allem, das Dich umgibt. In jedem Herzschlag eines Menschen, den Du umarmst kannst Du den Funken spüren. Wir alle sind eins und kommen und gehen in diesen Körpern auf eine Reise, um uns und andere zu erfahren. Nichts verlässt uns wirklich, alles ist stets bei uns – in steter Veränderung.

Ich wünsche allen Menschen, dass sie die Kraft und ihren Weg finden, mit dem Verlust durch den Tod Frieden zu schließen. Mit meinem Herzen bin ich bei Euch allen!

 

Anmerkung: Ich habe für mich eine Antwort auf viele Fragen – beispielsweise warum es Selbstmord überhaupt gibt – in den Worten von Neale Donald Walsh in seinen Büchern „Gespräche mit Gott“ gefunden. Er schreibt auf eine für mich plausible und verständliche Art, warum die Seelen, die wir wirklich sind, in unseren menschlichen Körpern solche Erfahrungen machen. Da wir alle eins sind, vollkommen verbunden und das in perfekter energetischer Art, können wir nicht genau wissen, wer wir sind. Denn es gibt nur das EINE und ohne die Referenz des ANDEREN, können wir nicht wirklich erleben und begreifen, was und wer wir sind. Also gehen wir in Form einer Seele in einen körperlichen Zustand und sehen wir uns in dieser Form immer wieder diversen Erfahrungen und Erlebnissen ausgesetzt. So erkennen wir, was und wer wir sind, beziehungsweise was und wer wir nicht sind.
Es wird vielen schwer fallen, ohne weitere Erläuterungen genau nachzuvollziehen, was Walsh genau damit sagen möchte. Doch dies lässt sich in seinen Büchern wunderbar nachvollziehen.