Programme in unserem Inneren

Jeder von uns trägt sie in sich. Sie integrieren sich im Laufe unseres Lebens aus speziellen Situationen und Erlebnissen und bleiben in unserem Inneren gespeichert. Manche sind sozusagen harmlos und stellen nicht viel an, andere können sehr destruktiv sein und hindern uns daran, unser wahres Selbst zu erkennen und zu entfalten.

Diese destruktiven Programme rühren meistens von den für uns unangenehmen Erlebnissen her. Man kann sie auch als Traumen bezeichnen. Solche Traumen schreiben sich in unserem Unterbewusstsein fest und wir verbinden bestimmte Reize unserer Wahrnehmung mit ihnen. Am Beispiel eines Vertrauensbruchs lässt sich gut erklären, was ein solches Trauma ist und wie es ein Programm immer wieder und wieder abspulen lässt, ohne dass wir daran groß etwas ändern könnten.

Wenn wir beispielsweise von unserer ersten großen Liebe einmal betrogen wurden, speichert unser Unterbewusstsein dieses Erlebnis sehr detailgetreu ab. Nicht nur der damit verbundene Schmerz und unsere Reaktion darauf wird als Programm aufgezeichnet, sondern viele weitere Informationen, beispielsweise was wir in diesem Moment wahrgenommen haben: Gerüche, Geräusche, Farben, ein haptischer Reiz, welcher in eben jenem Moment des traumatischen Erlebens empfunden wird oder ähnliches. Beispielsweise die genauen Umstände der Situation, die Örtlichkeit, die Worte, die Umgebungstemperatur und vieles mehr.

Nun kann es in der Zukunft passieren, dass unser Unterbewusstsein in einer Situation, die nur vage mit dem Trauma zu tun hat, bereits das Programm abspielt, welches sich beispielsweise in Tränen und Unwohlsein ausdrückt. Wenn wir dann einigen wenigen Reizen in einer neuen Situation begegnen, reichen diese aus, um unser Erinnern zu aktivieren und das Unterbewusstsein empfindet sich in der gleichen Situation, welche das Trauma ausgelöst hat. Die Folge ist, unser Inneres spult das Programm ab und wir können in diesem Moment nicht aus unserer Haut, obwohl gar kein Vertrauensbruch durch den Partner stattgefunden hat. Die Traurigkeit kommt in uns hoch und die Tränen laufen und das eigentlich ganz ohne Grund, denn möglicherweise ist es einfach nur der Ort, an dem wir uns befinden und dazu ein paar Worte, eine Geste, eine Farbe oder ein Geruch und schon aktiviert sich in unserem Unterbewusstsein das gelernte traumatische Verhalten.

Was können wir tun, um uns davon zu lösen?

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Wie immer ist ein notwendiger Schritt, dass wir uns beobachten und erkennen, wann und warum wir im traumatischen Programm stecken. Wenn wir dann herausgefunden haben, was der Auslöser war, können wir mit Bewusstseinsübungen nach und nach die traumatische Einschreibung entkräften und sozusagen das Programm umschreiben.

In einer Beziehung ist es darüber hinaus manchmal sehr schwierig, solche Situationen gemeinsam durchzustehen, weil der Partner nicht immer nachvollziehen kann, was da mit dem anderen passiert und sich natürlich falsch verstanden fühlt. Nicht jeder erkennt, dass nicht nur der Partner, sondern auch er bzw. sie selbst solche Programme in sich trägt und somit selber stets beobachten könnte, worauf bestimmte Reaktionen beruhen könnten.

Wenn sich jedoch zwei Menschen treffen, die einander verstehen und voneinander wissen, dass es diese Einschreibungen tief in uns gibt, kann auch ein noch so schmerzhafter Konflikt oftmals gemeinsam überwunden werden, ohne dass die Beziehung darunter dauerhaften Schaden nimmt. Offenheit, Ehrlichkeit gegenüber uns selbst und unserem Partner bzw. unserer Partnerin sollten dabei an oberster Stelle stehen.

Wenn Ihr einen solchen Menschen an Eurer Seite habt, der Eure sogenannten Schwächen kennt, Euch dabei seine helfende Hand reicht, wenn alte Programme abgerufen werden, dann seid dankbar, auch wenn er oder sie nicht immer so reagiert, wie Ihr es Euch zunächst wünscht oder vorstellt. Die Reaktion des anderen wird immer genau die sein, die es braucht, um die Situation aufzulösen. Damit ist das Trauma noch nicht überwunden, aber ein erster Schritt getan, um ein Programm umzuschreiben.

Realität kreieren

Das mit der Realität ist ja so eine Sache. Jeder hat seine eigene Wahrheit der Dinge, die um ihn herum passieren und dummerweise gilt das auch für die Momente, die zwei oder mehrere Menschen gemeinsam erleben. Jeder nimmt diesen Moment für sich anders wahr. Jeder erschafft eine eigene Wahrheit dessen, was er erlebt. In dem Zusammenhang ist das deutsche Wort „wahrnehmen“ schon wundervoll. Man „nimmt“ sich das, was für einen selbst „wahr“ ist und baut daraus seine Realität.

Wenn ich zum Beispiel eine Suppe salze und diese mit Freunden esse, dann finde ich sie wahrscheinlich genau richtig gesalzen. Einer meiner Freunde findet sich jedoch möglicherweise viel zu lasch und möchte nachsalzen, während ein anderer sie unglaublich salzig empfindet. Wir teilen zur gleichen Zeit die gleiche Suppe und dennoch gibt es drei Realitäten dessen, wie salzig besagte Suppe ist und das Schöne ist, es hört ja nicht beim Salz auf. Farbe, Konsistenz, Wärmegrad usw. beschreiben weitere Aspekte der Suppe, welche bei den drei Beteiligten völlig unterschiedliche Wahrnehmungen auslösen können. Spinnen wir dies nun einmal weiter auf komplexere Alltagssituationen, wird eigentlich sehr schnell deutlich, wie vielschichtig Realität ist und welche unglaubliche Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten sich in jedem Moment der Wahrnehmung verbergen. Nicht umsonst hören wir immer wieder einmal im Zusammenhang mit Zeugenaussagen, dass diese sich oftmals in vielen Details völlig voneinander unterscheiden, je nachdem welche und wie viele Zeugen dazu befragt werden konnten.

Wenn ich diesen Gedanken noch etwas weiter verfolge, muss ich zwangläufig zu dem Schluss kommen, dass es so etwas wie „Objektivität“ nicht geben kann, zumindest nicht aus dem Auge eines in diesem System der Realitätserschaffung integrierten Beteiligten. Vor dem inneren Auge des großen Ganzen mag es so etwas geben, doch das entzieht sich dessen, was ich weiß.

Zurück also zur Wahrnehmung, Realitätsbildung und Objektivität. Wir denken so oft, dass wir, wenn wir aus einer Situation heraustreten oder aber von jemandem etwas geschildert bekommen, dass wir dies „objektiv“ betrachten können. Das scheint mir vor diesem Hintergrund einer der größten Trugschlüsse zu sein, den man ziehen kann. Ich bilde mir in dem Moment, in dem mir ein Ereignis geschildert wird meine Realität auch wieder nur aus den Aspekten, die ich für „wahr nehme“ und kann dann wohl kaum behaupten, sie objektiv betrachtet zu haben. Was wir wohl eher mit „Objektivität“ meinen, ist die Tatsache, dass wir in diesen Ereignissen nicht emotional und auch nicht auf Ebene unseres Egos verhaftet sind und so vielleicht ein wenig wertneutraler in unserer Wahrnehmung bleiben können. Letzten Endes, kann keiner von uns einen objektiven Standpunkt zu etwas einnehmen.
Was also bleibt ist die Feststellung, dass es, je nachdem, wie viele Beobachter einem Ereignis beiwohnen, eine gleichgroße Anzahl an Realitäten wahrgenommen werden. Es ist natürlich nicht auszuschließen, wenngleich auch unwahrscheinlich, dass dabei zwei oder mehrere Beobachter eine komplett gleiche Wahrnehmung haben.

Ich gehe nun aber noch einen Schritt weiter zu dem mich eine Erzählung einer Freundin gebracht hat. Wir sind hin und wieder in Situationen, in denen wir von unserer Umgebung und unserem Umfeld sozusagen Zeichen bekommen. Es kann so etwas wie eine Melodie sein, beispielsweise die Titelmelodie eines Films, welcher eine besondere und motivierende Wirkung auf uns hatte. Wir zweifeln möglicherweise gerade an einer Entscheidung und dann tauscht diese Melodie immer wieder auf. Letztlich ist sie ein kleiner Spiegelaus dem Außen, welcher uns die Möglichkeit gibt, zu ergründen, ob die Zweifel gerechtfertigt sind. Je nachdem, wie die Melodie für uns besetzt ist, können wir so schnell erkennen, was es uns sagen soll. Nun schilderte mir besagte Freundin, dass das doch ein tolles Zeichen sei und fügte ein Zuspruch suchendes, „oder?“ hinzu.

Es steht weder mir noch sonst jemandem zu, dies final zu beantworten, denn ich denke, dass es wir selbst sind, die bei solchen Fragen die Antwort auf das „oder?“ geben müssen, denn wir „nehmen wahr“ und kreieren so unsere Realität. Ich sagte ihr also, dass sie wenn sie die Melodie als ein gutes Zeichen dafür sehe, auf dem richtigen Weg zu sein und die Zweifel loslassen zu dürfen, sich das in ihrer Realität entfalten wird. Wenn sie jedoch Zweifel über die Bedeutung der Melodie habe und denkt, sich das alles zurechtzubiegen und es nur ein komischer Zufall sei, sich genau das kreiert: Komische Zufälle, die mir eine Melodie spielen, die etwas in mir auslöst in einer Situation, in der ich zweifele und mir zurechtbiege, dass das etwas bedeuten könnte – nicht mehr, nicht weniger.

Wir selbst sind es, die Realität erschaffen und haben in jedem Moment die Kraft dazu, zu entscheiden, wohin unser Weg uns führt. Das ist sicherlich hin und wieder schwer zu greifen, aber in dem Moment, in dem ich die Möglichkeit habe, etwas das mir begegnet auf vielfache Weise wahrzunehmen, wird es umso deutlicher, wie viel Kraft dessen, was Realität erzeugt, in mir selbst liegt.

Wir können jederzeit üben, bewusster unsere Realität zu bilden. Am Morgen, wenn wir erwachen und sehen, dass es regnet, können wir entscheiden ob wir uns einen Tag mit schlechtem Wetter kreieren oder mit den Gedanken an die wundervolle Schönheit des Regens und seinen Platz im Kreislauf der Natur in einen ebenso wundervollen Tag starten.
Dieser winzige Moment hat bereits einen großen Einfluss auf unsere Realität.

Baue Dir Deine Realität und sei Dir Deiner eigenen Macht darüber bewusst. Es ist und bleibt DEINE Realität, DEINE Wahrheit. Niemand kann sie Dir wegnehmen.

Gerüchte und der gute Ruf

Ich glaube, dass in den Gesellschaftsformen, durch die die westlichen Nationen geprägt sind, schon so mancher von uns der einen oder anderen Verleumdung, der üblen Nachrede oder zumindest einem unschönen Gerücht ausgesetzt war, welches in der einen oder anderen Form zu unangenehmen Erlebnissen geführt haben könnte.

Es kann die Putzkraft sein, von der behauptet wird, sie habe ein wertvolles Schmuckstück gestohlen. In der Regel sind sie uns lieb und teuer, unsere Putzfrauen, denn sie geben uns die Freiheit, dass wir nicht selber unsere eigenen vier Wände von Grund auf säubern müssen. Oftmals haben sie einen Schlüssel zu unserer Wohnung und können ohne unser Beisein ein- und ausgehen. Fehlt dann eines Tages ein wertvolles Stück aus unserem Besitz, liegt die Vermutung nahe, dass es in die Tasche unseres Reinigungspersonals gewandert ist. Viel zu schnell machen wir in düsteren Vermutungen aus einem Vertrauten einen Dieb. Zumal wir selten sicher sein können, ob nicht doch beim letzten geselligen Abend, als wir eine Handvoll Freunde eingeladen hatten, einer unserer Gäste lange Finger gemacht hat und damit unwissentlich die Schuld unserer Haushaltshilfe zuschob.
Allzu schnell urteilen wir in solchen Situationen gerne, denn unseren Freunden trauen wir dies nicht zu, unserer Putzfrau schon eher. Außerdem wägen wir ab, welcher Diebstahl wohl risikobehafteter sein könnte, dabei erwischt zu werden. Und mal ehrlich, würdest Du Dich trauen, bei einem Deiner Freunde aus der Wohnung etwas zu entwenden, wenn der ganze Bekanntenkreis anwesend ist und jederzeit jemand Zeuge Deiner Aktion werden könnte? Natürlich nicht, es MUSS also die Putzfrau gewesen sein…
Nicht dass ich hier behaupten will, alle meine Leserinnen und Leser, mich eingeschlossen, hätten das kriminelle Potenzial, dies überhaupt in Erwägung zu ziehen. Wie so oft in meinen gedanklichen Niederschriften zeige ich Beispiele auf, um zu verdeutlichen.

Es sind aber nicht nur Anschuldigungen dieser Art, die uns in unserem Leben mit Situationen konfrontieren, die uns unser Handeln erschweren. Manchmal sind es die kleinen und feinen Lästereien auf dem Flur im Büro, wenn wir uns ein etwas gewagtes oder kostspieliges Outfit zugelegt haben. Manch einer neidet uns dann unsere gute Figur oder auch das Einkommen, mit dem wir uns solch eine Extravaganz leisten können. Und dann geht sie auch schon los, die Tuschelei. Von Tür zu Tür, von Kollege zu Kollegin wird das Gerücht oftmals nicht schwächer, sondern am Ende der Kette wurde aus der Mücke ein Elefant und wenn es ganz schlecht läuft erfährt auch die Geschäftsführung von den unmoralischen Machenschaften mithilfe derer wir ganze Wandschränke voller Designerkleidung erschlichen haben bzw. werden wir zu einer traurige Geschichte eines magersüchtigen Modefreaks.

Es nimmt aber auch hier kein Ende, denn Verlust (egal welcher Art) und Neid sind nur zwei Versionen dessen, was uns gerüchtehaft übergestülpt werden kann. Möglicherweise haben wir uns auch einmal darauf eingelassen, eine illegale Substanz zwecks Berauschung zu uns zu nehmen und jemand der uns kennt hat es mitbekommen und macht uns in kürzester Zeit zu einem gefährlichen, drogenverkaufenden Unmenschen, vor dem alle Kinder geschützt werden sollten.

Eine Frisörin hat einen Job nicht bekommen, weil eine potenzielle Kollegin ihrem Chef gesteckt hat, dass die Bewerberin einen roten Ausschlag an der Hand hatte, die doch ein klares Zeichen für Allergien sei und eine allergiegetrafte Kollegin kann sich der Betrieb nun wirklich nicht leisten. Letztlich hatte die Dame vielleicht nur Hektikflecken durch die Aufregung, ein Vorstellungsgespräch führen zu müssen.
Ein vielseitig aktiver Musiker mit verschiedensten Projekten und Engagements trennt sich nach Jahren von einer Band, mit der er einen Teil seiner Arbeiten verrichtet hat. Ihm sind die vielen verschiedenen Projekte zu viel geworden und er bemerkt, dass es ihm nicht gut tut, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen. Wenige Wochen später heißt es in der Kleinstadt, in der er lebt, er sei sterbenskrank und habe daher seinen Beruf aufgeben müssen.

In einer Partnerschaft begeht einer einen Fehltritt und lässt sich zu einem One Night Stand hinreißen und gesteht dies hinterher dem Partner. Man geht getrennte Wege und der Groll oder die Verletzung ist groß. Nun stellt der Arzt des „Betrogenen“ plötzlich bei der nächsten Untersuchung eine Syphilisinfektion fest. Das kann doch nur durch den Fehltritt des Ex gekommen sein. Gleich wenn der „Betrogene“ selbst kein Kind von Traurigkeit gewesen sein mag, ist es doch an dieser Stelle viel leichter, den anderen in die Verantwortung zu nehmen, als zu hinterfragen, ob das eigene Verhalten vielleicht Schuld daran gewesen ist. Noch gravierender ist es wohl, wenn sie jemand plötzlich dem Vorwurf ausgesetzt sieht, einen Ex-Partner mit einer nur schwer oder gar unheilbaren Krankheit angesteckt zu haben, als da wären Hepatitis C oder HIV. Gut, wenn dann nachweislich keine Infektion beim Beschuldigten besteht, aber wer fragt den „Verrufenen“ schon danach, wenn ein solches Gerücht erstmal kursiert?

Leider steht oftmals nicht derjenige im Kreuzfeuer des sozialen Umfelds, der ein (falsches) Gerücht in Umlauf bringt, sondern derjenige, dem ein entsprechender Ruf übergestülpt worden ist. Nicht nur, dass in der Regel dieser Mensch in der Schuld steht zu beweisen, dass sein Ruf nicht korrekt ist. Im Allgemeinen bekommt er nicht einmal die Chance dazu. Nun stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen können, wenn wir „Opfer“ eines Gerüchts werden und bemerken, dass uns etwas nachgesagt wird, dass wir nicht getan haben.

Wie bei all den kleinen und großen Herausforderungen des Lebens haben wir die Möglichkeit, eben genau das zu bleiben: ein Opfer. Wir klagen unseren Vertrauen unser Leid über diese unangenehme Situation und lassen so meist keinen Lösungsansatz zu, der die Situation klären könnte. Wir trauern unserem „guten Ruf“ hinterher, geben die Schuld dem Menschen, der uns verleumdet hat und katapultieren uns so in einen passiven Zustand, welcher jegliche Verantwortung über uns selbst an das außen abgibt bzw. an den Architekten des Gerüchts. Damit werden wir handlungsunfähig und die Situation wird sich nicht lösen.
Wir können aus der Opferrolle heraustreten und zum Angriff übergehen, was dann auch gerne in einer direkten Konfrontation resultiert. Ein Wort gibt das andere, möglicherweise endet man vor Gericht, jedoch wird selten eine befriedigende Lösung gefunden. Fronten verhärten sich, die Schuld wird hin und her geschoben. Geholfen ist uns damit nicht und wir wenden dabei sehr viel Energie auf, die ohne große Wirkung zu erzielen verpufft.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, die ein wenig innere Ruhe benötigt. Wir können das Gerücht auf uns wirken lassen, wenn es uns auf ungewöhnlichen Wegen begegnet. Wir können versuchen herauszufinden, wo genau das Gerücht seinen Ursprung hat und können schauen, was wir erkennen, wenn wir in den Menschen blicken, der uns durch sein Gerücht in diese Situation gebracht hat. Ich habe schon oft geschrieben, dass alle Lebewesen miteinander verbunden sind. So sind wir es auch mit diesem Menschen und daher können wir ihn auf mehreren Ebenen wahrnehmen. Wir können schauen, was über uns selbst wir in ihm erkennen und sehen können. Es mögen Dinge sein, die wir vor Jahren abgelegt haben, aber auch Dinge, die wir vielleicht noch selbst im Unterbewusstsein mit uns herum tragen.
Manchmal hat dieser Mensch sich seine eigene Wahrheit erschaffen, an die er sogar fest glaubt und rechnet gar nicht damit, dass das, was er gesagt hat, faktisch falsch ist. Wenn wir ihm mit offener Feindseligkeit begegnen, wird das den Konflikt und die Kluft nur größer machen. Wir sollten diesem Menschen einen gewissen Raum geben, wenn wir ihn damit konfrontieren, dass wir wissen, dass er über uns eine Unwahrheit verbreitet hat. Wir werden nie die Garantie bekommen, dass daraufhin das Gerücht bei allen, die ihm gewahr geworden sind, bereinigt und klargestellt wird. Wir können lediglich versuchen, diesen Menschen durch unser ausgeglichenes Verhalten dazu zu bringen, seine Äußerungen zu unterlassen.

Je mehr wir dabei den anderen als Teil von uns erkennen, umso leichter wird uns das fallen. Dies ist jedoch mitunter eine schwere Aufgabe, da wir hierzu uns selbst innewohnende Eigenschaften wahrnehmen müssen. Diese zeichnen manchmal ein Bild von uns selbst, das wir nicht ganz so gern mögen. Wer schaut sich schon gerne seine eigenen Unzulänglichkeiten an?

Wir ertappen uns möglicherweise dabei, dass wir selbst einmal leichtfertig über eine andere Person geurteilt haben. Vielleicht haben wir dieses Urteil auch verbreitet und somit selber ein Gerücht gestreut. Vielleicht haben wir der gerüchtestreuenden Person gegenüber jahrelang eine Verpflichtungsgefühl empfunden und dieser Vorfall macht uns ganz deutlich, dass es längst an der Zeit ist, uns aus dieser Bindung zu lösen.

In allem, das uns begegnet stecken unendliche viele Möglichkeiten. Jedes Ereignis kann uns ein Spiegel sein, ein Wegweiser und ein Ratschlag für unseren weiteren Weg. Es hilft uns nur wenig, wenn wir stattdessen in eine Starre verfallen oder auf Kriegsfuß mit einem anderen Menschen gehen, denn dieser ist nicht besser oder schlechter, als wir es selbst sind. Ich rate nicht davon ab, wenn möglich die Situation zu klären und zu „beweisen“, dass Unwahrheiten verbreitet worden sind, jedoch waren Rache und Vergeltung noch nie gute Weggefährten, da aus ihnen auch wieder nur Rache, Vergeltung, Schmerz und Leid erwachsen können.

Kannst Du Dich selbst in dem Menschen, der schlecht über Dich geredet hat erkennen? Dann kannst Du ihn genauso lieben und annehmen, wie Dich selbst und das wird Dir helfen, Dich selber besser zu verstehen, zu erkennen und zu erfahren.

Perspektiven der Wahrnehmung

Seit einigen Tagen kränkele ich nun schon etwas herum. Ich hatte mich sowieso schon gefragt, wann denn mein Schutzschild „endlich“ aufgibt und somit Bakterium und Virus freien Einzug in den Körper lässt, wo doch sowieso fast alle um mich herum in den letzten Wochen durch Husten und Schnupfen geplagt waren. Ich habe ja meine eigene Auffassung darüber, warum wir krank werden und die weicht ein wenig von der eindimensionalen Sicht der Schulmedizin ab. Dennoch ist es wahrscheinlicher, wenn sowieso gerade viele Erreger in der Gegen unterwegs sind, dass diese dann auch ihre nervigen Auswirkungen im Körper lostreten können. Wie auch immer, seit Tagen schleppe ich nun irgendetwas mit mir herum, ohne dass es sich wirklich manifestieren wollte. Aber es war da… Abgeschlagen, müde, etwas schwummerig – das sind die typischen Vorboten bei mir, welche ich schon einige Tage unterschwellig spürte. Mir wurde dann im direkten sozialen Umfeld auch das eine oder andere Mal mit beachtlich großer Überzeugung unterbreitet, wie schade es doch sei, wenn ich nun krank würde, wo doch das Wetter am Wochenende so toll werden wird. Mein einziger Gedanke dabei war, dass ich darauf nun mal keinen Einfluss habe, dass das Wetter ausgerechnet dann gut wird, wenn ich mich krank fühle und daher sicherlich mein Leben nicht in einem Zustand katastrophaler Verzweiflung fallen würde. Aber ich kenne ja meine Freunde und Bekannten und weiß, dass sie es ja nur gut meinen und ihr Bedauern ausdrücken wollen.
Wie auch immer, den gestrigen Tag konnte ich trotz dieses kodderigen Grundgefühls sogar sehr genießen. Wie das sein kann? Ja, das ist eine gute Frage. Ich habe, wie beinahe jedem Samstag, meine frühe Yoga-Praxis genossen und wie konnte es auch anders sein, meine Yoga-Lehrerin hatte promt die Kräftigung des Immunsystems auf dem Programm. Wer es nicht weiß: Im Yoga kann man sich durchaus einen Fokus setzen, worin genau sozusagen das Ziel einer Stunde liegen soll. Aber auch der Lehrer kann durch die Wahl der Asanas bestimmte Meridiane und Energiebahnen gezielt aktivieren und mache sind eben gut für die Organe, andere für das Immunsystem und so weiter an. Nach dem Yoga habe ich dann auch noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Das Wetter war ja nun mal so schön und das muss doch genutzt werden. Nein, in der Tat habe ich das genossen, weil ich es genießen wollte und nicht weil es gerade schön war und ich es genießen musste. Außerdem stand noch ein kurzes Treffen mit einer sehr lieben Frau auf dem Programm, die ich vor fast zwei Jahren, nämlich Silvester 2012/2013 kennengelernt habe. Das ist übrigens ein Erlebnis, von dem ich auch einmal schreiben könnte, aber das würde den Rahmen heute sprengen. Es gibt ja noch andere Tage, tage an denen es regnet oder so. Wie auch immer, ich freute mich also auf meine kleine Verabredung, habe darüber hinaus noch ein paar Lebensmittel eingekauft, abends lecker gekocht, gelesen und entspannt. Spricht, ich habe den Tag somit rundherum genossen.
Als ich dann heute Morgen erstmalig wach wurde, war sofort klar, dass ich mein sonntägliches ca. zweistündiges Ausdauersportprogramm mal schön streichen konnte, denn mein Kreislauf machte deutlich, dass das auf gar keinen Fall zur Debatte stand. Ich habe also meinen Mitstreitern in den Kursen kurz eine Nachricht geschrieben, dass ich nicht dabei sein werde, mich danach nochmal umgedreht und kurzerhand bis 11.22h weiter geschlafen. Dann wurde ich jedoch durch die unmissverständliche Botschaft meines Körpers geweckt, die da lautete, dass ich mich schnellstens in Richtung Badezimmer zu bewegen habe. Die kleinen, jedoch beständig und recht kurzfristig stärker werdenden Krämpfe im Darmbereich ließen mich ahnen, dass die Kränkelei nun wohl endlich ihren Weg nach außen finden wollte – Im wahrsten Sinne des Wortes. Details will ich Euch an dieser Stelle ersparen, aber wir wissen wohl alle, wie sich das anfühlt.
Nachdem mein stoffliches Wesen sich nun also diverser Dinge entledigt hatte, warf ich einen Blick nach draußen und mir wurde klar, dass ich ja auch heute einen wundervoll sonnigen Tag „verpasse“, weil ich ja so schrecklich krank bin und alles so grausam und fürchterlich ist und überhaupt das Leben so ungerecht ist, dass es mir das antut… Häh? Moment mal, so denke ich doch gar nicht mehr…
Es ist doch am Ende meine Entscheidung, was genau ich mit dieser Situation mache. Ja, wenn uns der Darm im Stich lässt, wollen wir sicherlich nicht den ganzen Tag unterwegs sein, um dann in diesen Momenten der einsetzenden Krämpfe panisch nach einem stillen Örtchen zu suchen, welches dann auch noch zu großer Wahrscheinlichkeit besetzt ist. Wie könnte es auch frei sein, wenn wir uns doch schon einreden, dass es bestimmt besetzt ist. Das Universum KANN dann ja nicht anders, als uns diesen Wunsch zu erfüllen. Und dennoch kann ich meinen Tag genießen, oder?
Na klar kann ich das. Ich sitze einfach gerade mit einer Kanne Tee – passenderweise hatte ich noch entsprechend magen- und darmwirksamen Kräutertee im Haus – und schreibe mir einfach frei von der Seele, was ich gerade denke und fühle und bin ganz erstaunt ob der Heiterkeit, die sich hoffentlich auch in diesen Worten übertragt. Die Sonne scheint dabei und es fühlt sich wärmer an, als an so manchem Tag im Juli und August diesen Jahres. Was bitte will ich denn mehr?
Jaja, ich weiß, es könnte viel toller sein, wenn da eben nicht der Kräutertee stehen müsste, sondern vielleicht ein Cuba libre mit Eiswürfeln und so einem Papierschirmchen, bei denen ich mich immer noch frage warum die im Design nicht mal auf das neue Jahrtausend aktualisiert werden. Nein, eigentlich frage ich mich, warum die überhaupt noch hergestellt werden. Die gehören in diese Kategorie von Dingen, die die Welt nicht braucht, aber doch immer da sind.
Aber zurück zum Thema: WER bitte entscheidet, dass das eine besser und angenehmer ist, als das andere? Das mache ich doch selbst! Es liegt doch in meiner Verantwortung, wie ich die Dinge, die gerade den Ist-Zustand prägen, sehe und empfinde. Nicht das außen bestimmt meine Wahrnehmung.
Ich höre beinahe in meinen Ohren die Worte, wie ich sie von einigen Freunden, Bekannten, Verwandten oder auch Kollegen kenne: „Ach ja, das ist ja schön, aber schade, dass es nicht noch schöner sein kann und Du dabei gesund bist.“ Bitte? Es könnte noch viel schlimmer sein, worüber ich aber gar nicht nachdenken mag, weil das absolut überflüssig ist. Wieso sollte ich mir ausmalen,, wie viel schlimmer es mir gehen könnte. Es geht mir gut, trotz dieses Gegrummels, also belassen wir es auch dabei. Genauso ist es vertane Energie, sich darüber Gedanken zu machen, wie viel besser es wäre, wenn ich gesund sein würde. Ich BIN es nun mal gerade nicht und daher bin ich doch einfach nur dankbar, dass immerhin die Sonne scheint und ich nicht zu krank bin, sondern ich diese noch genießen kann.
Tja und da kommt sie ins Spiel – die Perspektive. Sie ist einfach der maßgebliche Teil unserer Wahrnehmung. Es ist die Perspektive, die uns die Realität so erleben lässt, wie wir sie erleben. Es ist dabei unsere eigene Entscheidung, welche „Brille“ wir aufsetzen und wie wir damit unsere Umgebung filtern. Es ist Mitte Oktober, die Sonne scheint und es sind gefühlte 30 Grad. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie ich dies wahrnehmen kann:
Ich kann es einfach mal so hinnehmen, dass es trotz der späten Jahreszeit noch einmal richtig warm ist und setze mich nach draußen und genieße die wärmende Kraft, die die Sonne heute hat.
Ich könnte mich aber auch aufregen, dass es den ganzen Sommer über nur so schlecht war und ausgerechnet jetzt, wo die Tage nur so kurz sind und man doch fast gar nichts mehr davon hat, scheint die Sonne aus allen Löchern. Ich könnte mich weiter da hinein steigern aufregen, wie ungerecht die Welt und die Sonne doch ist und den Tag verfluchen und einfach schlecht drauf sein.
Ich kann ebenso gut rumjammern, dass es für Oktober doch viel zu heiß ist und dass es ja nie das gesunde Mittelmaß gibt und wir schon so ewig lang immer nur kalt und Regen oder heiß und Sonne haben und es nie so richtig angenehm ist und auch das ist so ungerecht und ich verfluche die Welt und habe einen bescheidenen Tag.
Das Dumme dabei ist nur, dass es immer noch meine eigene Entscheidung ist, wie ich den Tag erlebe. Die Sonne trägt daran keine Schuld und auch nicht die Tatsache, dass sie gerade ein wenig zu heiß für diese Jahreszeit ist. (Wer sagt überhaupt, wann es für welche Jahreszeit zu heiß ist?) Nein, es ist meine eigene Verantwortung zu entscheiden, wie ich die Sonne an diesem Tag wahrnehme.
Genauso ist es auch mit meiner Kränkelei. Ich könnte nun rumjammern, dass ich ja eigentlich gerne zum Sport wollte und vielleicht mit meinen Sportmädels im Anschluss noch ein letztes Eis aus Kölns bester Innenstadteisdiele hätte genießen können. Es wäre mir möglich mich darüber ärgern, dass das allgemeine Unwohlsein es mir sowieso vermiest, die Sonne zu genießen, einfach weil das krank fühlen sowieso von Haus aus Mist ist und alles dadurch einfach doof wird. Pfff, wenn ich diese Gedanken so aufschreibe, muss ich zwangsläufig an trotzige Kinder denken, die nicht das bekommen, was sie wollen und wenn wir eins wissen, dann dass trotzige Kinder keine angenehmen Zeitgenossen sind. Warum also sollte ich mir selber antun, zu einen trotzigen Kind zu werden, wenn draußen doch so wundervoll die Sonne scheint und ich die Wärme der Sonnenenergie auf meiner Haut spüren kann? Dabei lehne ich mich doch lieber entspannt zurück und höre etwas meditative Musik oder lese ein lustiges Buch. Das lese ich in der Tat gerade und ich habe Autorin Bettina Hennig versprochen, es Euch ans Herz zu legen, wenn es mir gefällt und es gefällt mir bisher sehr gut! Dazu dann zu gegebener Zeit mehr und an dieser Stelle, zurück zum Thema: Ja, Lesen oder Musik in der Sonne hören und dabei entspannt den gegenwärtigen Moment genießen wird sicherlich meinem Metabolismus eher zu Gute komme und die Genesung begünstigen, als die Rumzankerei mit mir selber, die energetisch auf so niedrigem Niveau von statten geht, dass der Körper fast schon verzweifelt, weil er den Weg zum gesunden „Normalzustnd“ gar nicht mehr findet…
Und damit komme ich zwangsläufig erneut zu dem Schluss, dass es eben einfach in mir selbst und an mir selbst ist, wie ich den Tag erlebe und wie meine Realität sich gestalten soll. Da ist kein anderer, der die Schalter drückt oder das wirklich beeinflussen kann.
Dabei fällt mir noch ein, was so oft in Gesprächen mit anderen Menschen auftaucht und von dem auch ich mich natürlich nicht immer frei machen kann. Wenn wir uns nämlich beispielsweise mit Freunden über erlebte Konflikte austauschen und gerne ein Satz fällt wie: „Boah, der hat mich so genervt, dass…“. Eigentlich ist das nicht richtig und es würde helfen, wenn wir während dieses Gedanken einmal die Perspektive wählen, mit der wir in der Lage sind, selbstbestimmt das Leben zu leben. Dazu brauchen wir diesen Satz nur umformulieren und schon hat der, der uns genervt hat, direkt keine Macht und keinen Einfluss mehr auf uns. Wir machen daraus einfach: „Boah, ich hab mich von dem so nerven lassen, dass…“, und alles wird plötzlich viel einfacher. Ich kann sofort entscheiden, dass ich mich einfach ab sofort nicht mehr von dem anderen nerven lasse. Das geht leider nicht, wenn der andere mich genervt hat… wie soll ich da – also wie könnte ich da – hmm…
Eben. Damit obliegt uns nicht mehr die Möglichkeit der Entscheidung. In vielen Situationen reicht dieser kleine Wechsel der Perspektive, der uns ermöglicht, den Tag bewusst zu genießen, egal mit welchen Überraschungen er auf uns wartet.
Ich überlasse Euch nun Eurem Sonntagskuchen oder was auch immer Ihr so zu tun vorhabt. Ich erfreue mich immer noch der Tatsache, dass mein Körper so wunderbar funktioniert und sich zu wehren weiß, wenn etwas in ihm arbeitet, dass da an sich nichts zu suchen hat und genieße weiter die Sonne…
Warum auch nicht..?
Was sollte mich davon abhalten..?
Achja, ich bin ja krank. Boah, ist das Scheiße. Das nervt mich so sehr, dass ich es gar nicht in der Sonne aushalte. Die ist ja eh viel zu heiß für Oktober. Dass es aber auch nie mal Wetter gibt, welches ausgewogen ist. Immer nur kalt und Regen oder Sonne und megaheiß. Mann, das Leben ist aber so was von ungerecht…
Schönen Sontag und einen grandiosen Wochenstart! 😉

Gespiegeltes Erkennen

Schon häufiger habe ich darüber geschrieben, dass unsere Umwelt ein Spiegel für uns selbst sein kann. Ein Spiegel, der uns zeigt, worin uns die innere Ruhe und Balance fehlt, aber auch ein Spiegel der bestätigt, worin wir derzeit ausgeglichen sind. Oftmals sind wir jedoch auf die eher unschönen Dinge fokussiert und verlieren dabei aus den Augen, dass wir auch stets die Balance und unser Glück gespiegelt bekommen.

Als ich die letzten Tage in meinem kleinen Projekt gearbeitet habe, durfte ich freudig feststellen, dass viele Abläufe einfach sehr rund und ohne große Schwierigkeiten von statten gingen. Das Team, welches auch ganz verschiedenen Menschen besteht, die alle ihre eigene Perspektive und ihre eigenen Ansprüche auf das Produkt haben, konnten sich erstaunlich schnell einigen und es gab nur wenige Diskussionen oder Unstimmigkeiten. Alles Bereiche, für die ich zuständig war und die ich zu koordinieren hatte, haben Hand in Hand gearbeitet und es gab nur sehr wenige Stellen, an denen einmal etwas nicht funktioniert hat. Ich erkannte, dass dies ein wundervoller Spiegel meines inneren Zustands ist.

Dennoch gibt es einen Menschen, einen „wichtigen“ Menschen wie man es in unserer wertenden und hierarchischen Gesellschaft häufig benennt, der mir und auch ein paar anderen Teamkollegen auf sehr subtile Art eine gewisse Ablehnung entgegen bringt. Als er sich gestern verabschiedete, tat er dies sehr deutlich nur bei den für ihn „wichtigen“ Kolleginnen und Kollegen. Vorher war ich ihm bereits auf einem unserer Flure an einer sehr engen Stelle begegnet, und wurde von ihm sehr unsanft beiseite gedrückt. Es war eine diese Situationen, an denen mehrere Menschen sich in diesem Flur entgegen kamen und auf Grund von etwas zeitlicher Knappheit eine gewisse Hektik herrschte. Er musste schnell durch und hat damit die subjektive, eigene Wichtigkeit sehr deutlich gemacht. Oder war es etwas anderes, was er da zeigte?

Meine erste Erkenntnis hierzu war, dass ich im Vergleich zu früher sehr viel entspannter in solchen Momenten bin. Ja, ein wenig poppt das Ego auch einmal auf, aber es geht auch schnell wieder, weil ich ihm direkt signalisiere, dass es nicht notwendig ist. Als ich dann heute Morgen erwachte, hatte ich jedoch die eigentliche Erkenntnis. Jene Erkenntnis, die ich hieraus offenbar gewinnen sollte und die der Grund dafür gewesen war, dass diese Situationen sich mir so zeigten:
Trotz aller innerer Ruhe und Entspanntheit in meiner Rolle in diesem Projekt gibt es natürlich auch hier immer wieder einmal einen kurzen Augenblick, in dem ein gewisses Unwohlsein aufkommt. Unwohlsein, dass mich an früher erinnert – viel kleiner, viel sanfter, aber ähnlich dem, was ich von damals noch in mir trage. Es gibt Situationen, in denen ich nicht ganz so in mir Ruhe und in der mein Ego mit seinen kleinen Stimmen doch wieder versucht, sich hervorzutun…
Dieser Mensch begegnet mir nun also mit einer gewissen Ignoranz. Als er mir im Flur seine „Wichtigkeit“ deutlich machte und mich beiseiteschob, konnte ich darin für mich erkennen, dass ich auch hin und wieder eine gewisse Wichtigkeit in die Dinge lege, die ich ausdrücke und damit möglicherweise Freunde, Kollegen und andere Menschen in meiner Umgebung etwas überfahre. Wenn ich mich beispielsweise in die Aufgabenbereiche anderer einbringe, fehlt mir ab und zu vielleicht die nötige Subtilität und die Art meines Auftretens wird missverstanden. In der Verabschiedung, welche sich nur auf ausgewählte Menschen in der Runde beschränkt hatte, konnte ich meine eigene Unaufmerksamkeit erkennen. Manchmal nehme ich selbst auch nicht wahr, dass ich einen Menschen „übersehen“ habe und genau das hat mir dieser Moment verdeutlicht.

Es ist dabei nicht wichtig, ob meine Interpretation des Verhaltens meines menschlichen Spiegels korrekt war und er wirklich sein Ego befriedigt hat, indem er seine Wichtigkeit demonstrierte. Vielleicht war es Unsicherheit oder Unaufmerksamkeit. Das ist nicht relevant. Es ist die Erkenntnis darüber, dass ich etwas aus diesen Situationen erfahren konnte. Etwas darüber, wie ich als Individuum die Welt wahrnehme, mich darin empfinde und spüre. Was dieses Empfinden mit mir macht und wie sich dadurch die Welt in meiner Wahrnehmung stets verändert. Ich kann diesen Menschen, weil ich die Situationen durch diese Erkenntnis nun egofrei betrachte, so hinnehmen, wie er ist. Er ist genau wie ich und jedes andere Wesen auch Teil des großen Ganzen und damit Teil von mir und Teil von allem, das ist. Wieso sollte ich einen inneren Widerstand oder Ablehnung aufbauen, wenn wir alle eins sind?

Aus der ursprünglichen und reinen Kraft der Liebe, die uns alle ausmacht, kann ich dieses Wesen, diese Seele dankbar annehmen. Dankbar dafür, dass sie mir geholfen hat, eine Erkenntnis zu gewinnen. Eine Erkenntnis im wahrsten Sinne des Wortes, denn es sind unser aller ERKENNTnisse, durch die sich das Universum selbst in seiner Perfektion ERKENNT.

Was hast Du heute erkannt?