Programme in unserem Inneren

Jeder von uns trägt sie in sich. Sie integrieren sich im Laufe unseres Lebens aus speziellen Situationen und Erlebnissen und bleiben in unserem Inneren gespeichert. Manche sind sozusagen harmlos und stellen nicht viel an, andere können sehr destruktiv sein und hindern uns daran, unser wahres Selbst zu erkennen und zu entfalten.

Diese destruktiven Programme rühren meistens von den für uns unangenehmen Erlebnissen her. Man kann sie auch als Traumen bezeichnen. Solche Traumen schreiben sich in unserem Unterbewusstsein fest und wir verbinden bestimmte Reize unserer Wahrnehmung mit ihnen. Am Beispiel eines Vertrauensbruchs lässt sich gut erklären, was ein solches Trauma ist und wie es ein Programm immer wieder und wieder abspulen lässt, ohne dass wir daran groß etwas ändern könnten.

Wenn wir beispielsweise von unserer ersten großen Liebe einmal betrogen wurden, speichert unser Unterbewusstsein dieses Erlebnis sehr detailgetreu ab. Nicht nur der damit verbundene Schmerz und unsere Reaktion darauf wird als Programm aufgezeichnet, sondern viele weitere Informationen, beispielsweise was wir in diesem Moment wahrgenommen haben: Gerüche, Geräusche, Farben, ein haptischer Reiz, welcher in eben jenem Moment des traumatischen Erlebens empfunden wird oder ähnliches. Beispielsweise die genauen Umstände der Situation, die Örtlichkeit, die Worte, die Umgebungstemperatur und vieles mehr.

Nun kann es in der Zukunft passieren, dass unser Unterbewusstsein in einer Situation, die nur vage mit dem Trauma zu tun hat, bereits das Programm abspielt, welches sich beispielsweise in Tränen und Unwohlsein ausdrückt. Wenn wir dann einigen wenigen Reizen in einer neuen Situation begegnen, reichen diese aus, um unser Erinnern zu aktivieren und das Unterbewusstsein empfindet sich in der gleichen Situation, welche das Trauma ausgelöst hat. Die Folge ist, unser Inneres spult das Programm ab und wir können in diesem Moment nicht aus unserer Haut, obwohl gar kein Vertrauensbruch durch den Partner stattgefunden hat. Die Traurigkeit kommt in uns hoch und die Tränen laufen und das eigentlich ganz ohne Grund, denn möglicherweise ist es einfach nur der Ort, an dem wir uns befinden und dazu ein paar Worte, eine Geste, eine Farbe oder ein Geruch und schon aktiviert sich in unserem Unterbewusstsein das gelernte traumatische Verhalten.

Was können wir tun, um uns davon zu lösen?

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Wie immer ist ein notwendiger Schritt, dass wir uns beobachten und erkennen, wann und warum wir im traumatischen Programm stecken. Wenn wir dann herausgefunden haben, was der Auslöser war, können wir mit Bewusstseinsübungen nach und nach die traumatische Einschreibung entkräften und sozusagen das Programm umschreiben.

In einer Beziehung ist es darüber hinaus manchmal sehr schwierig, solche Situationen gemeinsam durchzustehen, weil der Partner nicht immer nachvollziehen kann, was da mit dem anderen passiert und sich natürlich falsch verstanden fühlt. Nicht jeder erkennt, dass nicht nur der Partner, sondern auch er bzw. sie selbst solche Programme in sich trägt und somit selber stets beobachten könnte, worauf bestimmte Reaktionen beruhen könnten.

Wenn sich jedoch zwei Menschen treffen, die einander verstehen und voneinander wissen, dass es diese Einschreibungen tief in uns gibt, kann auch ein noch so schmerzhafter Konflikt oftmals gemeinsam überwunden werden, ohne dass die Beziehung darunter dauerhaften Schaden nimmt. Offenheit, Ehrlichkeit gegenüber uns selbst und unserem Partner bzw. unserer Partnerin sollten dabei an oberster Stelle stehen.

Wenn Ihr einen solchen Menschen an Eurer Seite habt, der Eure sogenannten Schwächen kennt, Euch dabei seine helfende Hand reicht, wenn alte Programme abgerufen werden, dann seid dankbar, auch wenn er oder sie nicht immer so reagiert, wie Ihr es Euch zunächst wünscht oder vorstellt. Die Reaktion des anderen wird immer genau die sein, die es braucht, um die Situation aufzulösen. Damit ist das Trauma noch nicht überwunden, aber ein erster Schritt getan, um ein Programm umzuschreiben.

Erkennen und Integrieren

Manche unserer Traumen liegen tief in unserem Seeleninneren verborgen. Wir können sie teilweise nur schlecht erkennen, selbst wenn sie sich immer wieder zeigen. Es bedarf dann oftmals eines Spiegels in Form eines Partners, Freundes oder einer Situation, die uns hilft, genauer hinzuschauen. Und damit ist der erste wichtige Schritt getan. Wenn wir einmal den Anblick unseres Traumas erhascht haben, können wir mit ihm arbeiten. Wir haben die Chance zu erkennen, wodurch wir uns zu bestimmten Reaktionen haben hinreißen lassen und in den Schmerz gezielt hineinhorchen.

Oftmals haben sich diese Schmerzkörper – ich verwende dieses Wort von Eckhard Tolle aus seinem Buch Jetzt – Die Kraft der Gegenwart sehr gerne, weil es einfach so zutreffend ist. Diese Schmerzkörper haben häufig eine große Macht über uns. Das ist ihr großes Talent. Sie tarnen sich durch ihre Kraft, Stärke und überwältigende Präsenz im Moment ihres Auftretens. Wir haben dann manchmal keine Möglichkeit, zu erkennen, dass wir uns in der daraus resultierenden absoluten Unbewusstheit völlig unseren Ängsten hingeben. Wir geben dem Trauma damit alle Energie, um wieder an die Oberfläche zu kommen und das ist eigentlich das, was wir durch so viele Schutzstrategien im Laufe von Jahren versucht haben, zu verhindern.

Das Unangenehme dabei ist allerdings, dass sie sich nie auf Dauer verbergen lassen, sondern uns immer wieder einen Besuch abstatten. Immerhin wollen sie gesehen werden und die nötige Aufmerksamkeit und Beachtung in den Momenten der Wahrnehmbarkeit. Im Endeffekt sind Schmerzen nur dazu da, dass wir sie erkennen, ihre Ursachen erspüren und uns ihnen stellen. Dazu müssen wir aber in Bewusstheit agieren. Eine kleine Herausforderung im Alltag. Eigentlich dürfen und können wir sie schon im Moment des ersten Erlebens genauso betrachten, doch oftmals fehlt und in jungen Jahren noch die Kraft und die Erkenntnis und leider in der westlichen Welt auch die Anleitung dazu, wie das genau funktioniert.

So verwurzeln sich diese Erlebnisse aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenleben in uns und wir begeben uns immer wieder in Situationen, die aus uns all diese alten traumatischen Empfindungen herausholen und die Spiegel werden zumeist immer größer, damit wir sie endlich erkennen. Wenn wir dies dann einmal geschafft haben, können wir uns vielleicht doch wieder auf unsere Bewusstheit fokussieren und genauer hinschauen. Dann benötigen wir aber Werkzeuge, um diese alten Anhängsel auch wirklich los zu werden. Es reicht dabei nicht, sie einfach nur als solche zu erkennen, sondern wir müssen sie annehmen, wie sie sind, den Schmerz gehen und die Erkenntnis darüber in uns einfließen lassen. Die Mittel und Wege dazu sind für jeden Menschen anders und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Ich habe durch meine Ausbildung zum Theki-Meister meinen Weg gefunden, damit zu arbeiten. Andere Menschen meditieren oder praktizieren Yoga. Wieder andere gehen zu einem Reiki-Heiler oder tanzen sich vom Scherz frei. Es gibt kaum Grenzen dabei, wie ein Loslassen des Schmerzes funktionieren kann, so lange wir uns nicht in der Arbeit mit dem Schmerz zerstreuen. Fernsehen zu schauen, im Internet zu surfen und ähnliche Dinge werden uns leicht wieder aus der Bewusstheit herausholen. Diese Beschäftigungen sind gut, wenn wir merken, dass uns die Kraft fehlt, hinzuschauen. Dann kann kurzfristige Zerstreuung kleine Wunder wirken. Aber es führt kein Weg daran vorbei, den Schmerzkörper zu erkennen, anzuschauen und transformiert als Erfahrung in uns aufzunehmen und zum Teil unseres Selbst werden zu lassen, der nicht mehr weh tut. Wir dürfen stets darauf vertrauen, dass uns das alles nur widerfährt, damit wir am Ende im besten Falle all unsere Schmerzkörper transformiert und in unser innerstes Seelenselbst integrieren konnten.